Keine Einreise für Touristen ab 1. August nach Israel

Wegen zu hoher Neuinfektionen Termin erneut verschoben

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Keine Einreise für Touristen ab 1. August nach Israel

Keine Einreise für Touristen nach Israel.

Die Hallen bleiben leer: Keine Einreise für Touristen nach Israel. (© Matthias Hinrichsen)

TEL AVIV (im) – Die Einreise von Touristen ab dem 1. August ist komplett gestoppt teilte Prof. Nachman Ash, Generaldirektor des Gesundheitsministeriums, am Sonntag mit: „Die aktuelle Situation erlaubt es uns leider nicht, Touristen den Zutritt zu ermöglichen.“ Darüber hinaus würden die Behörden Maßnahmen zur Einschränkung aller Reisen erörtern. Ein neuer Termin, wann eine Einreise für Touristen möglich ist, wurde nicht genannt. Ash warnte die israelische Öffentlichkeit, dass dies keine Zeit sei, ins Ausland zu fliegen, da die Delta-Variante weltweit grassiere. Zudem werde geprüft, wie das Reisen eingeschränkt werden könne, entweder durch Erweiterung der Liste der Länder, für die das Reiseverbot gilt, strenge Reisewarnungen oder auf andere Weise.

Nach israelischen Medienangaben soll die Gesundheitsbehörde mehrere Optionen dem Kabinett vorlegen, wonach alle israelischen Reisenden unabhängig von ihrem Impfstatus und dem Land, aus dem sie kommen, isoliert werden müssen. Die wahrscheinlichste Empfehlung sei jedoch, die Liste der Länder mit Reiseverbot oder Reisewarnung deutlich zu erweitern. In jedem Fall müssten alle Reiserückkehrer in Quarantäne. Aktuell arbeitet die israelische Polizei an einer Überwachung zur Einhaltung der Quarantäne, die SMS-basiert wie die Haskamon-Telefon-App sein soll, um so die Standorte der Betreffenden zu ermitteln und Zuwiderhandlungen zu ahnden.

In einer Umfrage von Maagar Mochot für 103 FM Radio sagten 59% der Befragten, dass sie einer Schließung der Flughäfen zustimmen. Fast die Hälfte spricht sich für eine Verschärfung, wie sie beschlossen wurde aus, 52% dagegen würden es bei den derzeitigen Maßnahmen belassen.

Seit Juli reisen vereinzelt Touristengruppen im Rahmen eines Pilotprojektes nach Israel, nach Angaben des Tourismusministeriums handelt es sich um rund 1.500 Personen. Diese erfüllen die Kriterien des Gesundheits- und Tourismusministeriums, die den Aufenthalt streng reglementieren. „Viele, aber nicht alle Touristen, die in Gruppen ankommen, sind christliche Pilger, andere kommen für Sightseeing und Freizeittouren“, merkt das Tourismusministerium an. Unter den eingereisten Nicht-Touristen-Gruppen befänden sich auch Politiker mit Begleitung, die sich mit der neuen Regierung treffen und sich auf einer Hasbara-Reise (öffentliche Diplomatie) befänden.

Premierminister Naftali Bennett in Beratungen zur Eindämmung des Coronavirus.

Premierminister Naftali Bennett in Beratungen zur Eindämmung des Coronavirus. (© GPO)

Am Sonntag traf sich Israels Premierminister Naftali Bennett mit Ministern und Beamten, um an einer verstärkten Durchsetzung der Corona-Bestimmungen zu arbeiten, die seit letzter Woche in die Zuständigkeit des Ministeriums für öffentliche Sicherheit übertragen wurde. Dazu zähle auch, dass die örtlichen Behörden an verschiedenen technischen Möglichkeiten arbeiten, die eine Überwachung der Quarantäne aus der Entfernung ermöglichen sollen. „Jeder, der gegen die Richtlinien verstößt, gefährdet seine Gesundheit und die der übrigen Bürger Israels. Wir werden dies nicht zulassen. Die Delta-Variante ist weltweit auf dem Vormarsch. Durchführungsvorschriften vor Ort ist ein entscheidendes Element bei der Bekämpfung der Pandemie, um die Mutation zu besiegen“, sagte Bennett.

Nachman Ash zieht in Erwägung, den israelischen Green Pass wieder einzuführen, der bis Ende Mai genutzt wurde. Hiermit durften Besucher zum Beispiel Veranstaltungen, Restaurants und Synagogen betreten. Die Zahl der Teststationen werde wieder erhöht, so Gesundheitsminister Nitzan Horowitz. Derzeit seien in Israel nur PCR-Tests gängig, an der Einführung von Schnelltests und Tests für Zuhause werde gearbeitet. Horowitz sagte, dass die Möglichkeit weiterer Einschränkungen gegeben sei, die Regierung jedoch dieses derzeit nicht erwäge und das Ziel sei, dieses zu vermeiden.

Am Samstag gab es in Israel 430 neue Covid-Infektionen, tags zuvor lag die Zahl bei 1120 Infektionen, der höchste Wert seit März 2021. Noch im Juni waren es lediglich 10 bis 20 Fälle pro Tag gewesen. Die neuen Ausbrüche waren nach Medienangaben an Schulen festgestellt worden und hätten sich schnell ausgebreitet. Diese Erkenntnis stünde entgegen den Angaben, die deutsche Virologen verbreiten, die davon ausgehen, dass Schulen keine Infektionsherde seien. Bennett sagte am Freitag, dass der BionTech-Pfizer-Impfstoff gegen die Deltavariante weniger wirksam sei: „Wir wissen nicht genau, inwieweit der Impfstoff hilft, aber es ist deutlich weniger.“ Parallel bemühen sich israelische Forscher um Erkenntnisse in Sachen Wirksamkeit.

UPDATE: Bereits am Dienstag gab es 1.400 neue Corona-Infektionen, 90 Prozent davon durch die Delta-Variante. Israelische Wissenschaftler sehen darin die vierte Infektionswelle. Bei den Verantwortlichen wird vermutet, dass die Ausbreitung überwiegend durch Quarantänebrecher verursacht wurde. Nach Medienangaben sind zehn Prozent der Einreisenden, die über den internationalen Flughafen Ben Gurion nach Israel gelangen bereits infiziert. Dieses wird Fragen auf, da sämtliche Passagiere vor Abflug einen negativen PCR-Test vorlegen müssen, um überhaupt an Bord zu gelangen. Umso mehr wird die Wiedereinführung des israelischen „Green Pass“ gefordert.

Das Tourismusministerium sagte gegenüber Medienvertretern: „„Da die Morbiditätsraten in Israel und auf der ganzen Welt aufgrund der Delta-Variante steigen, werden die Gespräche mit den zuständigen Regierungsministerien über einen Eröffnungstermin für den ankommenden Individualtourismus fortgesetzt. Bei Bedarf erfolgt eine Ankündigung.“ Ein Vertreter der Tourismusindustrie mutmaßt, dass die Öffnung am 1. September erfolge. Er aber glaube, dass niemand kommen werde. Sollte Israel im September für Individualtouristen wieder öffnen, hätten deutsche Urlauber und Pilger – sollte die Inzidenz in Deutschland niedrig bleiben – eine gute Chance, die interessanten Orte Israels zu besuchen ohne dass sie überfüllt sind.

Derzeit kommen immer mehr Länder auf die Liste der Risikoländer, am 23. Juli kommen elf weitere dazu, unter anderem Großbritannien und die Türkei. „Die Beschränkungen für den Incoming-Tourismus haben verheerende Auswirkungen auf die israelische Tourismusbranche“, sagte ein Sprecher des Tourismusministeriums. Alleine im Jahr 2019 waren über 200.000 Menschen in der Tourismusindustrie beschäftigt und erwirtschafteten Umsatz von umgerechnet 5,7 Milliarden Euro. Werblich bleibt Israel weltweit dennoch aktiv und entwickelt die touristische Infrastruktur weiter, quasi als Investition in die Zukunft, wenn Besucher wieder in vollem Umfang erlaubt sind.

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