Das Deutsche Hospiz St. Charles in Jerusalem

Deutsches Hospiz St. Charles in Jerusalem. (© Matthias Hinrichsen)

Der Gebäudekomplex des Deutschen Hospiz St. Charles liegen verborgen hinter einer hohen Steinmauer aus grob gehauenen Jerusalemstein. Nur die oberen Geschosse sind zu sehen, ein Kirchturm ragt mit Kreuz gekrönt gen Himmel. In einen metallenen Rundbogen über der schwarzen zweitürigen Stahltür weist auf das „ST. CHARLES HOSPICE“ hin. Geduldig wartet man als Besucher auf den Summerton, der einem den Zugang zu einer wahrlichen Oase eröffnet. Herrschaftlich erhebt sich das historische Gebäude, die Rundbogenfenster sind eingefasst in wulstige Steine, die Palmen links des Eingangs weisen auf den Standort in fast dauerwarmen Israel hin. Eine freundliche Nonne steht am Tresen zum Empfang, die Räume sind erfüllt von einer wohltuenden und friedlichen Ruhe. Das erste Gefühl: Hier kann sich der Gast geborgen fühlen und den Stress der Welt da draußen kompromisslos abstreifen.    

Tor zum Deutschen Hospiz St. Charles.

Haupteingang zum Deutschen Hospiz St. Charles. (© Matthias Hinrichsen)

Die Zimmerbuchung sollte einige Monate im Voraus erledigt sein, denn die wenigen Einzel- und Doppelzimmer sind zeitweise komplett an Pilgergruppen vermietet. Die vielen Räume würden auch noch für mehr Gäste ausreichen, aber das Deutsche Hospiz St. Charles soll keine Massenunterkunft werden, so eine der Schwestern. Die Hospizführung legen Wert auf einen stressfreien Aufenthalt, damit die Gäste sich erholen und besinnen können. Das übrigens ist an mehreren Orten auf dem weitläufigen Areal möglich. Die Zimmer sind erstaunlich modern und hochwertig eingerichtet und verhältnismäßig groß, ganz im Gegensatz wie zum Beispiel Ecce Homo in der Altstadt, wo der Gast in äußerst spärlich ausgestatteten Räumen bei gesalzenen Preisen ohne Klimatisierung bei 40° Celsius die Nacht überstehen muss. Auch weitere christliche Einrichtungen in Jerusalem können sich nicht messen mit dem Deutschen Hospiz St. Charles. Das erstreckt sich auch auf die Mahlzeiten. Alleine das Frühstück ist ein Genuss: Die selbstgemachte Orangenmarmelade in Bio-Qualität aus Früchten des eigenen Gartens ist ein himmlisches Vergnügen. Andere Marmeladensorten aus eigener Herstellung sind nicht minder abzulehnen. Verschiedene Sorten für ein nährwertreiches Müsli, vegetarische und tierische Brotaufstriche, verschiedene Brotsorten, Tomaten, Gurken, Humus und noch vieles mehr lassen den Tag in Fülle beginnen. Dieses bodenständige und leckere Niveau setzt sich zu Mittag und Abend fort. Der Kontakt ist zurückhaltend freundlich, aber auch sehr zugewandt. Da kommt die Berufung durch, Pilgerbetreuung und Bildungsarbeit, wie es auf der Webseite heißt. Das Hausmotto spricht Bände: „Friede den Kommenden – Freude den Bleibenden – Segen den Scheidenden!“

Rezeption im Deutschen HospizSt. Charles

Freundlicher Empfang im St. Charles. (© Matthias Hinrichsen)

Die Verbindung mit öffentlichen Verkehrsmittel ist an Werktagen denkbar einfach, denn Buslinien verkehren auf den gleich in der Nähe verlaufen Hauptverkehrsstraßen Beit Lehem Road und Emek Refa’im Street. Die Geschichte des Deutschen Hospizes ist bemerkenswert und beginnt im Jahr 1893: Schwestern der 1652 in Frankreich gegründeten Kongregation der Borromäerinnen in der Jerusalemer German Colony eine Krankenstation. In der Zwischenzeit wurde das heute bekannte Gebäude des Deutsches Hospizes gebaut, im Jahr 1905 konnten die Schwestern ihre Arbeit aufnehmen. Sieben Jahre später konnte ein großes Grundstück erworben werden, das heute den Garten darstellt – mit den vielfältigen Obstbäumen und Beeten. Der vordringliche Zweck des Kaufs war die Bewahrung von Kinder, Alten und Kranken vor einem geplanten Petroleumtank, der genau an dieser Stelle errichtet werden sollte. Die ersten Pilger waren 1934 Gast im Hospiz, allerdings nur um zu speisen. Später wurden Schule, Internat und Altersheim gebaut. In der Zeit des Zweiten Weltkriegs wurden im Hospiz St. Charles alle deutschen Ordensschwestern, die sich im damaligen Palästina aufhielten, interniert. Dazu kamen auch noch die Mönche der Benediktiner-Abtei Dormitio. Einige Zimmer wurden von britischen Offizieren in beschlag genommen. Nach Kriegsende widmeten sich die Schwestern deutsch-jüdischen Einwanderern, die den Holocaust überlebt hatten und Deutsche von einer helfenden Seite erfahren durften. Die Haupttätigkeit entwickelte sich zur Betreuung von Pilgern, die bis heute mit voller Hingabe erfüllt wird.

Kapelle im Deutschen Hospiz St. Charles in Jerusalem

Kapelle im Deutschen Hospiz St. Charles. (© Matthias Hinrichsen)

Hinter dem Hauptgebäude erstreckt sich der Garten, der Nonnen und Besuchern einen Ort der Ruhe, Entspannung und Kontemplation bietet. Das Gelände konnte ja dankeswerterweise vor mehr als 100 Jahren erworben werden, besonders in diesem Stadtteil – der German Colony – sind die Grundstückspreise heute unbezahlbar. Gleich in der Nähe – schräg gegenüber von der Beit Lehem Road befindet sich der historische Bahnhof von Jerusalem „First Station„, der 1892 erstmalig in Betrieb genommen und bis 1998 genutzt wurde. Danach verfiel er und wurde ab 2010 denkmalwürdig restauriert. In den ersten Jahren nach der Restaurierung war dieser Bahnhof einen Besuch wert, heute ist er leider vollkommen mit Verkaufs- und Veranstaltungsständen zugestellt. Empfehlenswert sind jedoch das Landwer Café sowie die Restaurants Adom und Lechem Basar. Einen Abstecher ist die „First Station“ auf den Spuren Jerusalems auf jeden Fall. Zurück auf dem Gelände des Hospizes St. Charles und zur Kontemplation. Die lässt sich auch in der hauseigenen, großzügigen Kapelle erreichen. Als Erstbesucher vermutet man nicht einen so großen Raum in dem Komplex, der ganzjährig verfügbar ist. Auch kann sich der Gast in einen Aufenthaltsraum zurückziehen oder in eine Ecke mit Sitzgelegenheiten. Sicher findet jede und jeder „ihren bzw. seinen“ Vorzugsort im St. Charles.

Garten de Deutschen Hospizes St. Charles

Entspannen im Garten des Deutschen Hospizes. (© Matthias Hinrichsen)

Übrigens befindet sich ganz in der Nähe ein Friedhof der Templer, der auch vom Deutschen Hospiz betreut und gepflegt wird. Gerne händigt Ihnen eine Schwester den Schlüssel dazu aus. Dort finden sich Gräber von Deutschen der Templergesellschaft, die in Jaffa, Sarona (Tel Aviv) und Jerusalem wirkten und ab Mitte des 19. Jahrhunderts auf diesem Friedhof begruben worden waren. Der Stadtteil German Colony (Hebr. HaMoshava HaGermanit) an sich bietet historisch interessierten Besuchern eine Vielzahl von Gebäuden aus der Zeit der Templer in Jerusalem. Die Stadtverwaltung hat an jedem historisch interessanten Haus ein blaues Informationsschild anbringen lassen, damit sich jedermann über die historischen Wurzeln der heiligen Stadt informieren kann. Es ist nochmal zu betonen, dass diese Deutschen weder missionierten, noch Böses verbreiteten. Ganz im Gegenteil. Aus ihrem Glauben heraus hatten sie vollkommen friedliche Absichten, der sich insbesondere in Nächstenliebe gegenüber anderen Menschen ausdrückte. Dieses zeigt sich auch im Schneller Compound in einem anderen Stadtteil von Jerusalem, der in naher Zukunft vollständig restauriert werden soll (ein Gebäude wird als Schule für jüdische Kinder benutzt).

Gästeinformationen

Deutsches Hospiz St. Charles

Lloyd George Street 12
91080 Jerusalem, Israel
Tel: +972 (0)2 5637737
Webseite: www.deutsches-hospiz.de
E-Mail: info@deutsches-hospiz.de

Google Maps

Mit dem Laden der Karte akzeptieren Sie die Datenschutzerklärung von Google.
Mehr erfahren

Karte laden

Startseite