Die Geburtskirche in Bethlehem im Inneren. (© Matthias Hinrichsen)

Die Geburtskirche in Bethlehem im Inneren. (© Matthias Hinrichsen)

In der Geburtskirche in Bethlehem wird der Geburt Jesu gedacht. Sie ist eine der Hauptattraktionen während einer Israelreise und bei Pilgern sehr beliebt. Im unteren Bereich der Kirche befinden sich verschiedene Gewölbe, eins davon ist die Geburtsgrotte mit dem 14-zackigen Stern, dem zentralen Ort der Geburtskirche. Der Zugang ist streng geregelt. Tagsüber muss man manchmal über eine Stunde anstehen, um maximal eine Minute dort verweilen zu können. Eindrucksvoll ist der kleine Stern schon wenn man davor steht, insbesondere wenn alle Lichter der Kerzenflammen brennen und eine romantische Weihnachtsstimmung aufkommt. Die Kirche selbst wurde in den letzten Jahren zum Großteil aufwändig renoviert. Auffällig ist der niedrige Eingang zur Geburtskirche. Manch religiöser Mensch interpretiert es als Demutsdurchgang. Die niedrige Eingangstür sollte Wissenschaftlern zufolge den Zugang mit Tieren verhindern, mehr nicht. Neben der Grabeskirche, dem Berg der Seligpreisungen und dem Garten Gethsemane ist dieser Ort aus christlicher Sicht bedeutend.

Der Haupteingang der Geburtskirche ist sehr niedrig.

Die geringe Höhe des Haupteingangs erfordert vom Besucher eine demütige Haltung, doch der wahre Sinn ist ein anderer. (© Matthias Hinrichsen)

Geburtskirche – Geburtsgrotte

Die Grotte im Untergeschoss der Geburtskirche in Bethlehem können Sie am schnellsten sehen, wenn Sie an einem Gottesdienst in der Katharinenkirche teilnehmen. Im Anschluss an diesen Gottesdienst in griechisch-orthodoxer Tradition wird die Gemeinde im Rahmen einer Prozession unter der Führung der Priester in die Geburtsgrotte im Untergeschoss geleitet. Im Gefolge unendlich viele religiöse Menschen und Touristen.

14-zackiger Stern

In den niedrigen und engen Räumlichkeiten wird der oben begonnene Gottesdienst mit zahlreichen Gebeten und Ritualen weitergeführt und nach rund 15 Minuten beendet. Viele religiöse Menschen begeben sich danach zu dem 14-zackigen Stern, der die Stelle der Geburt Jesu kennzeichnen soll, um kniend zu beten oder den Stern zu küssen. Unübersehbar sind auch Schalen für eine Spende um den Stern drapiert, einige werfen auch ihr Scherflein hinein. In einem Halbbogen über dem Stern hängen 15 verschiedene Lampen. Sie sollen die jeweiligen christlichen Religionsgemeinschaften repräsentieren, auch wenn in der Kirche lediglich drei davon vertreten sind.

In der Grabeskirche in Jerusalem sieht man unter anderem über dem Salbungsstein ebenfalls solche Lampen hängen, die den Denominationen zuzuordnen sind. Die orthodoxen Priester scheuchen die Besucher lautstark aus der Grotte, damit die nächsten nachrücken können. Kaum hat der Besucher Zeit sich dem Stern in Ruhe zu nähern, geschweige denn dort in Kontemplation für einige Minuten zu verharren. Das alles – wie ganz Bethlehem – wird einen gläubigen Christen erschrecken, weil es so wenig mit der Liebe Jesu zu tun hat.

Geburtskirche – Stall oder Höhle?

Die im deutschsprachigen Raum weit verbreitete Ansicht, dass es sich bei der Geburtsstelle Jesu um einen in unserem Kulturkreis bekannten Stall handelte. Dieses ist nach Ansicht der meisten Wissenschaftler jedoch unwahrscheinlich. In dieser Region hielten nach deren Erkenntnis viele Hirten ihre Herden in Höhlen. Zudem gab es seinerzeit Häuser mit mehreren Etagen. Das Erdgeschoss diente als Stall für Tiere, während das oder die Geschosse darüber als kombinierter Ess-, Schlaf- und Wohnraum genutzt wurden. Jedoch nicht von Hirten, die zu den einfachen Menschen seiner Zeit zählten und für gewöhnlich über keine Häuser verfügten.

Vorplatz der Geburtskirche in Bethlehem.

Vorplatz der Geburtskirche in Bethlehem. (© Matthias Hinrichsen)

Geburtskirche – Historie

Die Kirche wurde im Jahr 333 an der Stelle errichtet, wo Jesus Christus nach Ansicht der damaligen Erbauer geboren sein soll. Dieser Ort sei bereits im 2. Jahrhundert als Geburtsstätte verehrt und stellt heute für religiöse Christen einen wichtigen Wallfahrtsort dar. Es ist kein archäologischer Nachweis erbracht, dass es sich wirklich um die Stelle oder den Ort handelt, an der Jesus geboren ist. Von daher ist es ein Ort für religiöse Christen, für gläubige Christen ist es interessant, jedoch nicht bedeutend.

14-zackiger Stern in der Geburtskirche Bethlehem

Der 14-zackige Stern in der Grotte der Geburtskirche Bethlehem. (© Matthias Hinrichsen)

Geburtskirche – Geburtsgrotte

Im Untergeschoss der Geburtskirche befindet sich die Geburtsgrotte. Diese wurde durch einen 14-zackigen Stern, der genau auf der Mittelachse der Kirche liegt, im Jahr 1717 durch die katholische Kirche geschmückt. Er trägt die Inschrift „Hic de virgine Maria Jesus Christus natus est“ (Übers.: Hier wurde Jesus Christus von der Jungfrau Maria geboren). Dadurch kam es zwischen den Konfessionen zu Auseinandersetzungen über die Verwendung des Gebäudes.

Die Beteiligten einigten sich, dass der Hauptaltar und die rechten Seitenaltäre den Griechen gehören. Zwei Seitenaltäre auf der linken Seite wurden den Armeniern zugeordnet. Die Katholiken erhielten den Dreikönigsaltar, der Stern unter dem Geburtsaltar, die Hieronymusgrotten sowie der Platz neben der Kirche. Dort errichteten sie an der Stelle einer früheren Kirche im Jahr 1881 die römisch-katholische Katharinenkirche. 1847 wurde der Stern entfernt, jedoch von Sultan Abdülmecid im Jahr 1852 neu gestiftet. Diese Handlung war einer der Gründe für den Ausbruch des Krimkrieges.

Geburtskirche – Anreise

Die Geburtskirche in Bethlehem zählt zu einem der bekanntesten Orte im Christentum. Ob sich der Aufwand der Reise lohnt, muss jeder für sich selbst entscheiden. Als Tourist in einer Reisegruppe gelangen Sie bis zum Checkpoint und müssen dann durch Bethlehem zu Fuß weiter. Die Attraktivität des Ortes selbst hält sich sehr in Grenzen, die Menschen sind nicht besonders freundlich, es sei denn, es geht ums Verkaufen von Andenken. Das kann sehr nervig sein, wenn die Verkäufer ihre menschlichen „Opfer“ nicht weitergehen lassen wollen.

Als Alleinreisender mit dem arabischen Bus von Jerusalem aus, kommen Sie bis nach Bethlehem hinein, müssen aber dennoch die Innenstadt durchqueren. Dort sind sehr viele Menschen unterwegs, die Straßen sind verdreckt, es ist laut. Aber es gibt einen Einblick in die arabische Gesellschaft, was zeitweise sehr interessant sein kann. Das Beste sind die kleinen Imbisse, wo das arabische Fastfood wie Falafel, Shawarma und Döner verkauft wird. Wer schon an und in der Geburtskirche ist, sollte einen kleinen Abstecher zu den nahe gelegenen Hirtenfeldern machen, um den gesamten Eindruck der Örtlichkeiten zu erhalten.

Bethlehem – Weihnachten

In der Weihnachtszeit wird die Innenstadt von Bethlehem geschmückt, eine großer Nadelbaum ziert den Platz vor der Geburtskirche. Auf den deutschsprachigen Besucher macht die Beleuchtung eher einen kitschigen Eindruck, den arabischen Christen gefällt es offensichtlich. Die aus eigenen Landen gewohnte weihnachtlich idealisierte Atmosphäre gibt es dort nicht. Es ist eben ein anderer Kulturkreis, was nicht schlechter sein muss.

Wer zum obligatorischen Weihnachtsgottesdienst möchte, muss sich mit vielen anderen in den Kirchen drängen. Eigentlich nicht anders als es zu Hause auch der Fall ist. Ob sich deshalb eine Reise zur Weihnachtszeit nach Bethlehem lohnt, sollte man sich überlegen. Das Wichtigste ist, dass man Jesus Christus im Herzen trägt und sich so – unabhängig vom Ort – über dessen Geburt freuen kann.

Besucherinformationen

Geburtskirche Bethlehem

Manger Platz, Bethlehem (Westjordanland)
Öffnungszeiten: täglich 6.30-12.00 und 14.00-19.30 Uhr (Sommer), 5.30-12.00 und 14.00-17.00 Uhr (Winter), Sonntagvormittag ist die Geburtsgrotte für Besucher geschlossen.
Eintritt frei
Telefon +972-02-2742425
Anreise von Jerusalem am besten mit einem arabischen Bus ab Busbahnhof beim Damaskustor, alternativ mit einem arabischen Taxi.

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Ganz in der Nähe befinden sich die Hirtenfelder mit einer Kapelle und einer Kirche und natürlich Erdhöhlen.

 

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