Kirche aller Nationen in Jerusalem

Das Hauptportal der Kirche der Nationen in Jerusalem. (© Matthias Hinrichsen)

Der Rundweg im Garten Gethsemane am Fuße des Ölbergs führt Sie auch zur Kirche aller Nationen, denn beides liegt auf einem kleinen Grundstück mit demselben Eingang. Der architektonische Kontrast des römisch-katholischen Sakralbaus könnte nicht größer sein. Ein gewaltiges, farbenprächtiges und mit mächtigen Säulen verziertes Portal steht im Gegensatz zu dem gräulichen, mit 12 Kuppeln bedeckten Hauptgebäude, das sich dahinter erstreckt und bis an den Palmsonntagsweg heran. Offiziell als Basilika der Agonie bezeichnet, soll es an die Zeit vor Jesu Festnahme erinnern, als dieser im Garten Gethsemane zu Gott betete, dass dieser „den Kelch“ an ihm vorübergehen lasse möge, letztlich aber Gott die Entscheidung überließ mit den Worten „Aber es soll geschehen, was Du willst, nicht was ich will.“ (Mt 26, 36 und 39). Im Lukas-Evangelium wird die Todesangst beschrieben, die Jesus zu dieser Zeit hatte (Lk 22,44).

Aufbau der Kirche aller Nationen

Es scheint, als wollten hier auf engstem Raum die verschiedenen Vorstellungen der Bauherrn verewigt sein. Zwischen 1919 und 1924 wurde mit Finanzen aus diversen Ländern dieses Gebäude errichtet, das im Inneren so wenig gefallen mag. Mit Absicht wurde – im Gegensatz zum farbenprächtigen Portal – in dem dunklen Raum auf pompösen Schmuck verzichtet, um dem Thema der Angst gerecht zu werden. Zumindest gewinnt man zuerst diesen Eindruck. Lediglich die Wappen der beteiligten Nationen an der Decke ehren die Geldgeber in visueller Form. Innenaufnahmen der Kirche bei Beleuchtung zeigen jedoch, dass die Decke in blau-goldener Farbgestaltung gehalten ist, also eher farbintensiv und königlich.

Für Katholiken ist die Kirche der Nationen ein besonderer Ort des Gebets. (© Matthias Hinrichsen)

Für Katholiken ist die Kirche der Nationen ein besonderer Ort des Gebets. (© Matthias Hinrichsen)

Kirche aller Nationen – Todesangstfelsen

Zentrum im Kircheninneren bildet ein Felsen, auf dem Jesus gebetet haben soll, bevor er festgenommen wurde. Dieses aber konnte zu keiner Zeit belegt werden, auch wenn zahlreiche Geistliche dieses immer wieder gerne erwähnen und damit eine substanzlose Idealisierung des Ortes fördern. Ohnehin sagt Prof. Dr. Dr. Viewegger, Chefarchäologe der Evangelischen Kirche in Jerusalem, dass kein christlicher Ort in Israel jemals als authentisch dokumentiert sei, lediglich bei der Grabeskirche sei man sich ziemlich sicher.

Grundlage ist und bleibt das Wort Gottes, in dem keine genauen Ortsangaben niedergeschrieben worden sind. Archäologische Funde aus dieser Zeit existieren nicht. Daher hat der Felsen, auch Todesangstfelsen genannt, rein symbolischen Wert und gehört ursprünglich zum Garten Gethsemane. Für einen gläubigen Christen spielt zudem eher der Anlass die entscheidende Rolle. Diese verehren auch nicht ein Objekt, sondern Jesus als Gottes Sohn.

Der Name des Gebäudes – Todesangstbasilika – bezieht sich auf eine Bibelstelle im Lukas-Evangelium (Lk 22,44). Der Felsen ist umgeben von einer überdimensionalen Dornenhecke aus Metall, die die Dornenkrone Jesu symbolisieren soll. Insbesondere Katholiken verehren diesen Ort und beten dort kniend in Angedenken an Jesu letzte Stunden vor der Verurteilung.

Kirche aller Nationen auf dem Ölberg

Die Kirche aller Nationen steht am Fuße des Ölbergs neben dem Garten Gethsemane. (© Matthias Hinrichsen)

Kirche aller Nationen auf ehemaliger Basilika

Die Basilika steht auf den Fundamenten einer byzantinischen Basilika aus dem 4. Jahrhundert. Diese wurde 746 während eines Erdbebens zerstört. Aus dem 12. Jahrhundert ist eine Kreuzfahrerkirche an gleicher Stelle bekannt, die jedoch 1345 zerstört wurde. Von dem damaligen Mosaikboden sind noch Teile erhalten und durch Glasplatten vor Beschädigung geschützt, ähnlich wie es in der Geburtskirche in Bethlehem der Fall ist.

Die Fassade ist noch einmal einer besonderen Erwähnung wert, weil sie sich von den normalen Kirchenbauten abhebt. Das Kapitel wird durch vier korinthische Säulen gestützt, die über Rundbogen sich vereinen. Sie stehen stellvertretend für die vier Evangelisten Markus, Lukas, Matthäus und Johannes. Diese sind figürlich über jeweils einer Säule gestellt. Bei der Lukas-Säule wird aus dem Lukas-Evangelium (22, 43-44) zitiert, die Matthäus-Säule ist übertitelt mit „Pater mi, si non potest hic calix transire nisi bibam illum, fiat voluntas tua“, was nach der Guten Nachricht Bibel (Deutsche Bibelgesellschaft) übersetzt heißt: „Mein Vater, wenn es nicht anders sein kann und ich diesen Kelch trinken muss, dann geschehe dein Wille!“

Das Kapitel selbst ziert ein Mosaik (von Professor Giulio Bargellini), das Jesus Christus in den Mittelpunkt stellt und als Bindeglied zwischen Gott und den Menschen heraushebt und Jesu Worte im Johannes-Evangelium (Joh 14,6) verdeutlicht: „Niemand kommt zum Vater denn durch mich.“ Das gesamte Ensemble wurde von Antonio Barluzzi (1884-1960) entworfen, der unter anderem auch die Kapelle Dominus Flevit kreierte.

Im starken Kontrast zum opulenten Eingangsportal steht die schlichte Rückansicht, die der Besucher auf dem Weg vom Ölberg hinab zu Gesicht bekommt

Im starken Kontrast zum opulenten Eingangsportal steht die schlichte Rückansicht, die der Besucher auf dem Weg vom Ölberg hinab zu Gesicht bekommt. (© Matthias Hinrichsen)

Besucherinformationen

Kirche aller Nationen – Todesangstbasilika

Ecke AlShaykh Derech Jericho
Öffnungszeiten: Täglich 8.00-12.00 Uhr, 14.30-18.00 Uhr; im Winter bis 17.00 Uhr
Buslinien: 1, 42 und 43
Eintritt frei

Alle Bibelverse mit freundlicher Genehmigung der Deutschen Bibelgesellschaft.

Verwendete Begriffe: Kirche der Nationen, Kirche aller Nationen, Todesangstbasilika, Church of all Nations

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