Grab Jesu in der Grabeskirche

Das Allerheiligste: Grab Jesu Christi. (© Matthias Hinrichsen)

In der Grabeskirche in Jerusalem befindet sich das Grab Jesu Christi in der Aedicula, der Grabeskapelle. Dieses ist der zentrale Ort in dem Kirchengebäude, der über dem als Grab bezeichneten Ort errichtet ist. Den Höhepunkt erlebt dieser Ort an Ostern, wenn Jesu Auferstehung gefeiert wird. Dann wird ein Feuer in der Grabeskapelle entzündet und an die wartenden religiösen Besucher weitergereicht, die dann die Kapelle zahlreich umrunden. Ohnehin ziehen die Ostertage von Karfreitag Massen an Besuchern in die Grabeskirche, um der Kreuzigung und Wiederauferstehung zu gedenken. Das Grab Jesu selbst darf jeder Besucher nur für wenige Sekunden besucht werden, weil dann schon der wachende Priester „Come out“ mit grimmiger Mine in die Kapelle hinein ruft.

Die Maßnahme ist verständlich, der rüde Ton nicht. Wer es dennoch in Betracht zieht, einen seltenen Blick auf das mit Marmorplatten abgedeckte (vermeintliche) Grab zu erhaschen, der muss mit einer Wartezeit von einer halben bis ganzen Stunde rechnen. Dieser Ort wird seit rund 1.700 Jahren als Grab Jesu verehrt. Im Jahr 325 wurde auf dem Konzil von Nicaea die Errichtung einer Basilika unter Kaiser Konstantin beschlossen, so der deutsche römisch-katholische Theologe Klaus Bieberstein. Andere übernahmen diese Ansicht und trugen zu ihrer Verbreitung bei. Die Basilika wurde am 13. September 335 geweiht und umschloss sowohl den Felsen Golgatha und das Grab Jesu.

Die Grabeskapelle wird restauriert

Schon seit Jahrhunderten wurde gerätselt, ob es sich wirklich um das Grab Jesu, das Heilige Grab, handele. Die heute sichtbare Marmor-Grabverkleidung soll 1555, eventuell auch früher, eingebracht worden sein. An archäologische Grabungen zum Nachweis der Existenz des Grabes – bei fünf teils zerstrittenen Denominationen in der Grabeskirche – war nicht zu denken. Doch dann kam der Zufall des Forschern zu Hilfe. Die Grabeskapelle war schon sehr baufällig, drohte einzustürzen und wurde seit langer Zeit durch massive Eisenträger gestützt, bis sich die Priester zur Renovierung durchgerungen haben. In diesem Zusammenhang war es Archäologen gestattet, die Grabplatten zu heben, Bodenproben zu entnehmen und Nachforschungen anzustellen. Wenn man bedenkt, wie bedeckt und unnahbar der Vatikan mit seiner Vergangenheit umgeht und niemanden auch nur ansatzweise Einblick gewährt, war alleine dieses Zugeständnis eine Sensation. Die oberste Grabplatte wurde im Oktober 2016 erstmalig nach 450 Jahren abgenommen. Forscher gingen äußerst vorsichtig und behutsam vor, um keinesfalls etwas zu beschädigen.

Einlass zum Grab Jesu

Orthodoxe Geistliche regeln den Einlass zum Grab Jesu. (© Matthias Hinrichsen)

Ist es das Grab Jesu?

Die obersten Grabplatten mitsamt Auskleidung sollen angeblich aufgelegt worden sein, um Pilger daran zu hindern, Brocken herauszuschlagen, um sie als Souvenir mitzunehmen. Unter den obersten Grabplatten befand sich reichlich Füllmaterial, das erstmal entfernt werden musste. Darunter verbarg sich eine weitere Grabplatte, die mit einem schlichten gleichschenkligen Kreuz graviert war. Das zum Vorschein gekommene Kalkgestein ist nach Ansicht der Forscher Bestandteil eines früheren Grabes aus dem Mittelalter, jedoch nicht aus Jesu Zeit. Belege für den Nachweis, dass es tatsächlich die Grabstelle Jesu sei, konnten nicht gefunden werden.

Die ersten Berichte über die Beerdigung Jesu sind in den vier Evangelien niedergeschrieben, die wenige Jahre nach der Kreuzigung Jesu entstanden waren. Die Grabanlage wird Joseph von Arimathäa, einem wohlhabenden Juden und Anhänger Jesu, zugeschrieben. Unweit der Grabkapelle befinden sich einige Gänge im Untergeschoss, die nach Forschermeinung ebenfalls Gräber gewesen sein sollen. An diesen kann man erkennen, wie ein Grab zu seiner Zeit ausgesehen hatte, niedrige Räume, die aus dem weichen Kalkfelsen gehauen worden sind. Forscher haben auch in der Umgebung und außerhalb des damaligen Jerusalems tausende Gräber dieser Art entdeckt. Die Familiengräber bestanden aus einer oder mehreren Grabkammern mit länglichen Nischen, in die die Leichname gelegt wurden.

Besucherinformationen

Grabeskirche Jerusalem

Öffnungszeiten: 5.00-21.00 Uhr (April-September), 5.00-20.00 Uhr (Oktober), 4.00-19.00 Uhr (November-März)
Eintritt frei
Besonderes: Schließungsritual durch die arabischen Hausherren; die Nacht in der Kirche verbringen (keine Betten vorhanden)

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