Frankenkapelle in der Grabeskirche

Rechts des Eingangs zur Grabeskirche befindet sich die Frankenkapelle. (© Matthias Hinrichsen)

Die Stationen X bis XIV der Via Dolorosa befinden sich in der Grabeskirche.

Via Dolorosa – Station X

: Jesus wird seiner Kleider beraubt
Diese Station in der Frankenkapelle erinnert an die Verteilung Jesu Kleider gemäß der Bibelstelle im Neuen Testament, Lukas 23,34. Jesus wurden vor der Kreuzigung seine Kleider ausgezogen, worauf römische Soldaten auswürfelten, wer welche Kleidungsstücke erhalten sollte. Die Frankenkapelle befindet sich rechts des Eingangs zur Grabeskirche mit der Außentreppe, jedoch ist die Außentür verschlossen, sodass Besucher zum Betreten der Kapelle in die Grabeskirche hineingehen müssen. Gleich hinter den gewaltigen Türflügeln führt eine Treppe rechts steil in das Geschoss über der Eingangsebene. Oben angekommen, liegt die „Kapelle der Kleiderverteilung“, wie sie auch bezeichnet wird, rechter Hand. In dem kleinen, kargen Raum sehen Besucher ein Mosaik mit der Darstellung des Isaakopfers.

Via Dolorosa – Station XI

: Die Kreuzigungskapelle

In unmittelbarer Nähe zum Felsen Golgatha befindet sich bei Station XI die römisch-katholische Kreuzigungskapelle.

Via Dolorosa – Station XII

: Aufstellung des Kreuzes und Tod Jesu

Station XI der Via Dolorosa ist der Kreuzannagelungsaltar in der Grabeskirche. (© Matthias Hinrichsen)

Station XI der Via Dolorosa ist der Kreuzannagelungsaltar in der Grabeskirche. (© Matthias Hinrichsen)

Der griechisch-orthodoxe Kreuzannagelungsaltar erinnert an die Aufstellung des Kreuzes und den Tod Jesu. Er steht direkt über dem Felsen Golgatha und ist durch Säulen von der rechts anschließenden Kreuzigungskapelle abgegrenzt. Unter dem Kreuzannagelungsaltar ist einem kleine Öffnung, die einzelne Besuchern ermöglicht, den Felsen zu berühren. Viele aber küssen den Felsen, die anwesenden orthodoxen Priester drängen auf Verlassen der Stelle, sobald ein Besucher mehr als 10 Sekunden dort verbleibt.

Golgata, aufgrund der Form auch Schädelstätte genannt, erfuhr 1937 eine Renovierung mit schönen Mosaiken.

Via Dolorosa – Station XIII

: Der Leichnam Jesu wird gesalbt

Zahlreiche Besucher berühren den Salbungsstein, manche beten, andere weinen. (© Matthias Hinrichsen)

Zahlreiche Besucher berühren den Salbungsstein, manche beten, andere weinen. (© Matthias Hinrichsen)

Auf dem Salbungsstein im Eingangsbereich wurde Jesus nach römisch-katholischer Überlieferung vor der Grablegung einbalsamiert. Nach griechisch-orthodoxer Ansicht kennzeichnet die rötliche Kalksteinplatte die Stelle, an der Jesus, nachdem sein Körper vom Kreuz genommen, in den Schoß seiner tränenüberströmten Mutter gelegt wurde. Die meisten der Pilger werden sicher denken, dass es sich um den originalen Salbungsstein handelt, auf dem Jesus gelegen hat. Wäre das der Fall, wäre es für religiöse Christen eine Reliquie von unschätzbarem Wert und irgendwo in Schatzkammern der Kirchen verborgen. Die aktuelle Platte stammt aus dem Jahr 1810. Der Glaube an die Echtheit lässt eine große Schar von Pilgerinnen und Pilgern vorwiegend aus den osteuropäischen Ländern mitgebrachte Tücher, Ketten und Taschen ohne Unterlass darauf reiben. Der Glaube, dass ihre persönlichen Dinge dadurch geheiligt werden, ist eher als Aberglaube zu bezeichnen. Jesus sagt gemäß der Bibel: „Glaubt an mich“, für gläubige Christen sind solche Handlungen des Aberglaubens nicht notwendig und von daher eher befremdlich. Dennoch, auch diese Menschen glauben, dass Jesus Christus Gottes Sohn ist, so zumindest sagen sie es.

Via Dolorosa – Station XIV

: Das Christusgrab

Warteschlange in der Grabeskirche

Warteschlange vor dem Heiligen Grab in der Grabeskirche. (© Matthias Hinrichsen)

Das Christusgrab, oft bezeichnet als das Heilige Grab, befindet sich in der Rotunde linker Hand des Eingangs, zentral in der Grabeskirche. Dort hinein zu gelangen, erfordert viel Geduld, denn oft stehen weit mehr als 100 Menschen in einer Warteschlange um die Rotunde, um dann für wenige Sekunden in das Innere zu gelangen.

Orthodoxer Priester als Wächter vor der Rotunde.

Orthodoxer Priester als Wächter vor der Rotunde. (© Matthias Hinrichsen)

Bewacht wird der in östlicher Richtung gelegene Eingang von einem orthodoxen – meist grimmigen – Priester, dem der Trubel merklich an das Nervenkostüm geht. Denn bereits nach 10 Sekunden im Heiligen Grab, fängt er an zu schreien, dass man wieder heraus kommen soll. Angesichts des Ortes eines friedlichen Jesus Christus, ist dieses Verhalten schon merkwürdig, genauso wie die teils handgreiflichen Auseinandersetzungen oder Provokationen unter den anwesenden Denominationen.

Die letzte Station der Via Dolorosa, das Christusgrab in der Grabeskirche. (© Matthias Hinrichsen)

Die letzte Station der Via Dolorosa, das Christusgrab in der Grabeskirche. (© Matthias Hinrichsen)

Gelangt der Besucher endlich in die Rotunde, betritt er als erstes die Kapelle des Engels. Dort ist ein Fragment eines Steines aufbewahrt, das zum Sperrstein des Grabes gehören soll. Nach Matthäus 28, Verse 2-3 rollte den Stein ein Engel beiseite, daher die Bezeichnung der Kapelle. Durch eine weitere schmale Tür hindurch, erreicht der Besucher endlich den kleinen Raum über dem Grab Jesu, das mit einer Marmorplatte abgedeckt ist. Da es sehr beengt zugeht – der Raum misst nur 93 Zentimeter in der Breite und 2 Meter in der Länge, dürfen höchstens zwei Personen anwesend sein.

Im Jahr 2018 wurde die Rotunde umfangreichen Renovierungsmaßnahmen unterzogen und dafür die Grabeskirche für 60 Stunden geschlossen. Das Konstrukt drohte einzustürzen und Archäologen erhielten von allen in der Grabeskirche anwesenden Denominationen erstaunlicherweise die Erlaubnis für alle Sanierungsmaßnahmen. Es musste sogar die Grabplatte im Innersten zur Seite geschoben werden, damit sichergestellt werden konnte, dass kein Beton in das Grab fließen würde. Dass für diese Maßnahme die Erlaubnis von allen Kirchenführern der Grabeskirche erteilt wurde, zeigt die Sorge um Unversehrtheit des Heiligen Grabes. Die Öffnung stand bevor und ein Reporter von National Geographics durfte alles für die Nachwelt festhalten. Jeder ging davon aus, dass die Grabplatte um ca. 300 n. Chr. aufgelegt wurde und seitdem nicht mehr berührt.

Dieses stellte sich jedoch als Irrtum heraus. Kreuzfahrer hatten darunter ein Kreuz eingeritzt, wie sie es zu Hunderten auch im Treppenhaus zur Apsis taten. Die Untersuchung ergab, dass dieses Material eben aus der Kreuzfahrerzeit stammte. Darunter fand sich eine weitere Platte, die auf Mörtel gelegt war. Dann war die Erleichterung groß, denn dieses Material war aus dem 4. Jahrhundert und damit passend zu den historischen Berichten. Weiter vordringen, also bis zum wirklichen Grab, durften die Archäologen nicht mehr.

Via Dolorosa – weiterführende Seiten

>>> weiter zu den Stationen I-IX …

>>> weiter zur Hauptseite Via Dolorosa …

Startseite