Via Dolorosa 14 Stationen

Auf 14 Kacheln sind die Stationen der Via Dolorosa bebildert. (© Matthias Hinrichsen)

Bei der Via Dolorosa handelt es sich um einen Pilgerweg, der durch die Franziskaner selbst angelegt ist, um dem Leidensweg Jesus an verschiedenen Station gedenken zu können. Es ist wissenschaftlicher Ansicht zu großer Wahrscheinlichkeit nicht der Weg, den Jesus bei seiner Verurteilung und auf dem Weg zum Kreuz auf Golgatha nehmen musste. Etwas anders sieht es bei der Grabeskirche aus, die mit Felsen Golgatha und Ort der Bestattung den Geschehnissen nach heutigen Erkenntnissen von Archäologen zugeordnet wird.

Via Dolorosa – Station I – Ehemalige Burg Antonia

: Jesus wird von Pilatus zum Tode verurteilt

Burg Antonia Ausblick

Die ehemalige Burg Antonia an der nordwestlichen Ecke des Tempelbergs. (© Matthias Hinrichsen)

Der römische Prokurator Pontius Pilatus verurteilt Jesus in der Festung Antonia zum Tod (Johannes 18,28). Ob dieses wirklich der Ort der Verurteilung gewesen ist, ist unter Wissenschaftlern umstritten.

Burg Antonia Tempelberg

Blick von den Ruinen der ehemaligen Burg Antonia auf den Tempelberg. (© Matthias Hinrichsen/Modell Israel Museum)

In Johannes 18,28 (NT) wird die Bezeichnung Prätorium verwendet, was sich nach deren überwiegender Meinung auf den ehemaligen Königspalast auf dem Westhügel beziehen soll. Allerdings soll die Burg Antonia als Ausweichort gewählt sein können aufgrund der befürchteten Ausschreitungen und der großen Menschenmengen, die zu dieser Zeit zum Passahfest in Jerusalem traditionell verweilten.

Via Dolorosa Station 1

Station I der Via Dolorosa. (© Matthias Hinrichsen)

Das Hinweisschild mit der römischen Ziffer I ist am Aufgang des Eingangs zur ehemaligen Festung befestigt, gleich gegenüber der Station II. Im Inneren befindet sich auch das Al Omariyeh College, eine Schule. In die Sehenswürdigkeit kommen allerdings nur angemeldete Gruppen gegen entsprechende Gebühr. Einzelbesucher können ebenfalls das heute muslimische Gelände gegen Eintritt besichtigen.

Via Dolorosa – Station II

: Jesus nimmt das Kreuz auf

Burg Antonia

Via Dolorosa – Station II. (© Matthias Hinrichsen)

Auf der rechten Seite befindet sich ein Franziskaner-Kloster, das unter anderem das Studium Biblicum Franciscanum des franziskanischen Studienzentrums für biblische und archäologische Forschungen beherbergt. In der Mauer an der Via Dolorosa fällt als erstes ein verschlossener Durchgang auf. Im Torbogen oben ist das Siegel der Franziskaner, die 5-Kreuze-Flagge, zu erkennen. Dieses war einst in ähnlicher Form das Siegel der Kreuzfahrer Jerusalems. Es symbolisiert die fünf Wunden Jesu Christi: je zwei in den Händen und Beinen sowie das in der Seite, verursacht durch den römischen Soldaten, der Jesus nach seinem Tod mit seinem Speer in die Seite bohrte. Darüber befinden sich zwei Hände beiderseits eines Kreuzes als Obhutssymbol für die heiligen Stätten. Die Hand mit dem Ärmel weist auf den Gründer der Franziskaner, Franziskus von Assisi (1181/2-1226), hin, die ohne Ärmel symbolisiert Jesu Hand.

Franziskaner Locus in Quo

Verschlossenes Tor zum Franziskaner-Kloster mit Inschrift „Locus in quo“. (© Matthias Hinrichsen)

Die Inschrift „Locus in quo“ bedeutet übersetzt: Schauplatz des Ereignisses. Sie ist auf der Platte links neben dem Bogen in die Mauer eingelassen und weist auf die Auspeitschung Jeus hin (Johannes 19,1). Die Inschrift auf der rechten Seite ist aus Johannes 19,2 wo Jesus die Dornenkrone aufgesetzt wird.

Inschrift Eingang Kloster.

Inschrift über dem Eingang zum Franziskanerkloster. (© Matthias Hinrichsen)

Durch den Eingang hindurch, ist im Hof des Franziskanerklosters rechter Hand die Geißelungskapelle (lat. Flagellatio), die aus dem 12. Jahrhundert und wurde durch Kreuzfahrer errichtet. Nach deren Ära wurde sie durch die muslimischen Herrscher als Pferdestall und später als Weberwerkstatt genutzt, bis sie verfiel. Erst 1929, nach der Übereignung an die katholische Kirche im Jahr 1838, wurde sie im ursprünglichen Stil wiedererrichtet. Architekt war Antonio Barluzzi, der unter anderem auch die Kapelle Dominus Flevit auf dem Ölberg entwarf.

Geisselungskapelle

Geißelungskapelle bei Station II. (© Matthias Hinrichsen)

Im Mittelpunkt des Kirchengebäudes im Inneren stehen die drei Buntglasfenster, wo die biblische Szenerie in Bilder gefasst ist. Links wie Pilatus sich die Hände in Unschuld wäscht, Inschrift: „Tunc ergo apprehendit Pilatus Jesum et flagellavit“ (übersetzt „Da nahm Pilatus Jesus und ließ ihn geißeln“). In der Mitte die Auspeitschung Jesu und dem „krönen“ mit der Dornenkrone, Inschrift: „Innocens ego sum a sanguine iusti huius“ (übersetzt „Ich bin unschuldig am Blut dieses Gerechten“). Sowie rechts die Freilassung des Barabbas, Inschrift: „Tolle hunc et dimitte nobis Barabbam“ (übersetzt „Hinweg mit diesem, gib uns Barabbas los“). Darüber hinaus ist die Kirchenkuppel mit einem Gemälde und Ornamenten verziert sowie einer reliefartigen Dornenkrone ausgeschmückt.

Kapelle der Verurteilung

Verurteilungskapelle – Altarraum. (© Matthias Hinrichsen)

Gegenüber der Geißelungskapelle auf dem Areal des Klosters befindet sich die Verurteilungskapelle. Sie wurde im Jahr 1903 auf dem Restmauerwerk einer byzantinischen Kirche errichtet und erinnert an die Verurteilung durch den römischen Stadthalter Pilatus. Die entsprechenden Bibelstellen finden sich in den vier Evangelien des Neuen Testaments bei Johannes 18,28-39, Markus 15,1-15, Lukas 23,1-25 und Matthäus 27,11-26.

Überreste des Triumphbogens.

Überreste des Triumphbogens überspannen die Via Dolorosa. (© Matthias Hinrichsen)

Original-Straßenpflaster aus der Zeit Jesu.

In der Krypta von Ecce Homo sehen Sie das Original-Straßenpflaster aus der Zeit Jesu. (© Matthias Hinrichsen)

Nach seiner Geißelung wird Jesus durch Pilatus mit den Worten „Ecce homo!“, was übersetzt heißt „Siehe, der Mensch!“, vorgeführt. Heute befinden sich ein mehrgeschossiges Kloster, das 1856-68 erbaut wurde und in direkter Verbindung die Ecce-Homo-Basilika, die für Besucher nur durch eine Glasscheibe zu betrachten ist. In den Bau integriert ist der sogenannte Ecce-Homo-Bogen, Teile eines ehemaligen römischen Triumphbogens (hadrianische Zeit, 2. Jh. n. Chr.), der auch außerhalb sehr gut sichtbar ist.

Weiterhin zählt die 1903 errichtete Verurteilungskapelle (errichtet auf den Mauern einer byzantinischen Kirche) sowie das Kloster der Schwestern von Zion. Im heutigen Kellergeschoss, der Krypta, ist ein römisches Straßenpflaster aus der Zeit Jesu erhalten. Hier wird der Verspottung Jesu gedacht, als ihm die Dornenkrone aufgesetzt worden ist. Sitzbänke laden zum Verweilen ein, auch Gruppen finden ausreichenden Platz. Auf dem Weg zur Krypta zweigt ein Gang zu einer Zisterne aus hellenistischer Zeit ab (Maße: 52 Meter Länge, 15 Meter Breite, 13 Meter Höhe).

Via Dolorosa – Station III

: Jesus fällt zum ersten Mal

Station III der Via Dolorosa

Die Station III der Via Dolorosa befindet an der Kreuzung zur Al-Wad Street. (© Matthias Hinrichsen)

An der dritten Station wird dem Moment gedacht, als Jesus mit dem Kreuz das erste Mal zu Fall kam, als er unter der Last des schweren Kreuzes zusammen brach. Allerdings wird solch ein Vorfall in der Bibel nicht erwähnt. Die Kapelle ist polnisch-katholisch und bereits im 19. Jahrhundert von Armeniern errichtet, die in Polen zu Hause waren.

Jesus fällt zum ersten Mal, Station 3 Via Dolorosaa. (© Matthias Hinrichsen)

Darstellung in der Kapelle von Station III der Via Dolorosa. (© Matthias Hinrichsen)

Nach dem Zweiten Weltkrieg in den Jahren 1947-48 konnte dann das kleine Bauwerk durch Spendengelder von polnischen Soldaten, die während des zweiten Weltkrieg in Israel ihren Dienst versahen, renoviert werden. Im Bogen des Eingangs ist ein Hochrelief des Polen Thaddeus Zielinsky zu sehen, das den stürzenden Jesus darstellt. Heute befindet sich auch ein kleines Museum neben der Kapelle.

Via Dolorosa – Station IV

: Jesus begegnet seiner Mutter

Station 4 Via Dolorosa Jesus begegnet seiner Mutter

Der Begegnung Jesu mit seiner Mutter wird symbolisch gedacht in der Kirche der Schmerzen Mariae an Station 4 der Via Dolorosa. (© Matthias Hinrichsen)

Unter einem Torbogen hindurch, an dessen linker Seite oben das Metallschild mit der römischen Vier montiert ist, wird in der armenisch-katholische Kirche der Schmerzen Mariae und der integrierten Kapelle von der Ohnmacht Unserer Lieben Frau an die Begegnung Jesu mit seiner Mutter gedacht. Wie bei der vorigen Station, die sich gleich nebenan befindet, ist auch diese Begebenheit nicht biblisch belegt. Daran zeigt sich einmal mehr, dass die Via Dolorosa ein Weg zum Gedenken an Jesu letzte Stunden ist und nicht der originale, der nicht überliefert ist. Der Gebäude-Komplex ist Sitz des Armenischen Patriarchen und des Armenischen Hospizes zu Jerusalem.

Jesu Begegnung mit seiner Mutter Via Dolorosa

Altar mit Standblid von Jesu Begegnung mit seiner Mutter in der Kirche von Station 4 der Via Dolorosa. (© Matthias Hinrichsen)

Die Kirche der Schmerzen Mariä wurde 1881 errichtet, die Kapelle ein Anbau aus dem 20. Jahrhundert. Die Krypta ist durch ein großflächiges byzantinisches Bodenmosaik aus dem 4.-6. Jahrhundert geschmückt, die Fußabdrücke im Fußboden sollen an Maria erinnern. Archäologen vermuten, dass es noch aus der byzantinischen Sophienkirche stammt, was jedoch nicht belegt ist. Diese Kirche soll im 13. Jahrhundert überbaut worden sein, jedoch nach Pilgerberichten aus dem 15. Jahrhundert nur noch als Ruine erhalten sein. Weitere zwei Jahrhunderte später entstand das Badhaus Hammam al-Sultan an dieser Stelle, den 1876 die Armenische Kirche erwarb, um wenige Jahre später ihren eigenen Kirchbau zu errichten (siehe oben). Die quadratische Krypta stammt aus mittelalterlichen Bauresten, deren Kuppel wird von Säulen gestützt, die Architektur weist auf die Zeit der Kreuzfahrer hin. Die Kirche selbst ein typisches Bauwerk levantinischer Neobyzantinistik in Form einer Kreuzkirche mit Vierungskuppel. Thaddeus Zielinsky hat auch für diese Station ein Hochrelief an der Eingangstür erstellt, das die Begegnung von Mutter und Sohn darstellt.

Via Dolorosa – Station V

: Simon von Kyrene hilft Jesus

Station V auf der Via Dolorosa

Station V auf der Via Dolorosa in der Altstadt von Jerusalem. (© Matthias Hinrichsen)

Auf dem Sturz der Eingangstür steht auf Lateinisch: „Simoni – Cyrenaeo Crux Imponitur“. An diesem Ort wird der Bibelstelle gedacht, in der „ein Mann, der gerade vom Feld kam, Simon von Cyrene, Vater des Alexander und des Rufus“ von den römischen Soldaten gezwungen wurde, Jesu Kreuz weiter zu tragen (Markus 15,21). Simon, ein Jude aus Libyen, trug das Kreuz für den erschöpften Jesus. Im Jahr 1881 wurde dort die Franziskanerkapelle errichtet. Manchen Überlieferungen zufolge, musste der zu Kreuzigende nicht das gesamte Kreuz tragen, sondern nur den Querbalken. Aber auch dieser was äußerst stabil und wies ein beträchtliches Gewicht auf.

Des Weiteren befindet sich rechts des Eingangs ein Stein mit Handabdruck. Das wird manchmal interpretiert als der Stein, auf dem Jesus sich mit der Hand beim Fall abgestützt haben soll. Das ist natürlich völliger Blödsinn und der Gipfel der Mythenbildung, und wir sind sicher, dass solch eine vorsätzliche Glorifizierung Jesus Christus zuwider wäre. Daher bilden wir diesen Stein hier auch nicht ab.

Via Dolorosa – Station VI

: Veronika reicht Jesus das Schweißtuch

Station VI Via Dolorosa

Station VI der Via Dolorosa: für Pilger zugänglicher Teil. (© Matthias Hinrichsen)

In direkten namentlichen Bezug zum Geschehnis steht heute an diesem Ort die griechisch-orthodoxe Kirche der hl. Veronika.

Hinterer Teil der Station VI

Hinterer Teil der Station VI, der für Besucher nicht zugänglich ist. (© Matthias Hinrichsen)

In ihrem Inneren sind Reste eines tiefer gelegenen Gebäudes zu erkennen, die wahrscheinlich zu einem byzantinischen Kloster aus dem 6. Jahrhundert gehörten. Das mutmaßliche „Schweißtuch der Veronika“ befindet sich in Rom.

Erinnerungstafel an den Besuch Pabst Pauls VI

Eine Steintafel erinnert an den Besuch Papst Pauls VI in diesem Gewölbe. (© Matthias Hinrichsen)

Via Dolorosa – Station VII

: Jesus fällt zum zweiten Mal

Station VII auf der Via Dolorosa in Jerusalem.

Station VII auf der Via Dolorosa in Jerusalem. (© Matthias Hinrichsen)

An der Kreuzung von Via Dolorosa und der überdachten Basarstraße Suq Khan Ez-Zeit (Ölpressenstraße), erinnert in der Franziskanerkapelle von 1875 eine rötliche Säule an den zweiten Sturz Jesu. Sie stammt ursprünglich aus der Aelia Capitolina Hadrians und war Bestandteil der „Porta Judiciaria“; an diesem „Urteilstor“ wurden sämtliche Todesurteile angeschlagen. Leider ist die Kapelle für Pilger nicht zugänglich.

Via Dolorosa – Station VIII

: Jesus spricht zu den weinenden Frauen

Pilgergruppe an Station VIII der Via Dolorosa.

Pilgergruppe an Station VIII der Via Dolorosa. (© Matthias Hinrichsen)

„IC XC NIKA“ ist auf dem eingravierten Kreuz des Steines zu lesen, was so viel bedeutet wie: „Weint nicht über mich.“ Dieser Stein befindet sich an der Außenmauer des griechisch-orthodoxen Klosters St. Charalambos.

Station VIII auf der Via Dolorosa

Stein mit eingraviertem Kreuz und „IC XC NIKA“ als Inschrift an der Station VIII auf der Via Dolorosa in Jerusalem. (© Matthias Hinrichsen)

Via Dolorosa – Station IX

: Jesus fällt zum dritten Mal

Station IX auf der Via Dolorosa

Station IX auf der Via Dolorosa. (© Matthias Hinrichsen)

Von der Basarstraße Suq Khan Ez-Zeit führt eine Treppe auf eine Plattform oberhalb der Grabeskirche. Dort befindet sich der Zugang zu einer koptischen Kirche, an dessen Schaft auf einer römischen Säule sich der Hinweis auf dieses Ereignis befindet. Diese Kirche hat ihren Haupteingang vom Vorhof der Grabeskirche, allerdings ohne Stationsschild der Via Dolorosa, der außer zu Feierlichkeiten nicht für das Publikum geöffnet ist.

Station IX der Via Dolorosa, die koptische Kirche.

Station IX der Via Dolorosa, die koptische Kirche während eines Ostergottesdienstes. (© Matthias Hinrichsen)

Des Weiteren sind seit Jahrhunderten schon die spärlichen Klosterzellen der äthiopischen Mönche, die eine der sechs Denominationen der Grabeskirche vertreten.

Äthiopische Mönche Klosterzellen auf dem Dach der Grabeskirche

Äthiopische Mönche müssen sich mit spartanischen Klosterzellen auf dem Dach der Grabeskirche arrangieren. (© Matthias Hinrichsen)

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