Mariengrab Jerusalem

Das Mariengrab in Jerusalem. (© Matthias Hinrichsen)

Das Mariengrab am Fuß des Ölbergs in Jerusalem ist eine Grabstätte, die nach altkirchlicher Tradition als das Grab der Mutter Jesu verehrt wird. Der Eingang befindet sich schräg gegenüber des Eingangs zum Garten Gethsemane und der Kirche der Nationen. Das Grab ist zur Kirche ausgestaltet, die tiefer als die Umgebung liegt, sinnbildlich für ein Grab das unter der Erde liegt. Bereits im 4. Jahrhundert wurde an dieser Stelle eine Kirche errichtet, bevor Kreuzfahrer sie im 12. Jahrhundert erweiterten. Kurz danach eroberte Saladin Jerusalem und ließ den Bau zerstören – bis auf die Krypta, angeblich weil Maria auch im Islam verehrt wird. Heutzutage ist das Mariengrab im Besitz der griechisch-orthodoxen und der armenisch-apostolischen Kirche.

Mariengrab Kidrontal

Der Eingang zum Mariengrab. (© Matthias Hinrichsen)

Mariengrab – Hinweg

Am besten gelangen Sie zum Mariengrab, wenn Sie auf eine Ölberg-Tour gehen und dabei zahlreiche christliche Orte erleben können. Bis auf die russisch-orthodoxe Kirche (nur mit Anmeldung zum Gottesdienst), können Sie alle Orte direkt besuchen. Starten Sie auf der Aussichtsplattform des Ölbergs und gehen über den Palmsonntagsweg, vorbei an den jüdischen Gräbern, Dominus Flevit, der russisch-orthodoxen Kirche hinab. Die Gasse führt weiter am Garten Gethsemane vorbei, der linker Hand liegt. Ein kleines Stückchen weiter unten auf der rechten Seite ist der Eingang zum Mariengrab. Natürlich können Sie auch von der Altstadt kommen, aber das ist wenig üblich, da sie so zu viele Orte verpassen und auch nicht den Blick auf Jerusalem haben, der phänomenal ist. Das bekannte Kidrontal selbst ist heute unspektakulär.

Mariengrab Vorraum

Vorraum des Mariengrabs. (© Matthias Hinrichsen)

In diesem Grab soll Maria bis zu ihrer Himmelfahrt gelegen haben, auch wenn es nur wenige Tage gewesen seien. Neben Marias Grab sind die Gräber ihres Mannes Joseph und ihrer Eltern Anna und Joachim an diesem Ort. Archäologen wie Prof. Dr. Dr. Dieter Vieweger sagen jedoch, dass fast alle christlichen Orte nicht den tatsächlichen entsprechen, sondern vielmehr Gedenkorte darstellen. Weder der Tod Marias noch deren Grab sind in der Bibel beschrieben.

Mariengrab – Grabanlage

Von Straßenebene geht man treppab auf den Vorhof der Anlage, die wesentlich weniger besucht ist als der Garten Gethsemane. Im Inneren führt eine Marmortreppe noch weiter in die Tiefe zur Krypta, dem Kirchenraum. Auf der rechten Seite befindet sich der Altar, dahinter soll sich das Grab der Maria befinden. Des Weiteren befinden sich die Gräber der Königin Melisande (1161 n. Chr.) und weitere Familienmitglieder der Familie von Balduin II.

Mariengrab – Geschichte

Die genaue Historie des Mariengrabs ist sehr genau dokumentiert. Als erste bauten die Byzantiner im 4. Jahrhundert eine Kirche, die in den weiteren Jahrhunderten mehrfach zerstört, aber immer wieder aufgebaut wurde. Eine vollständige Restaurierung erfuhr die Krypta 1112 n. Chr. durch Kreuzfahrer, die seinerzeit Jerusalem von den Muslimen befreien wollten. Sie errichteten über der Krypta eine Kirche, daneben befand sich das Kloster der Benediktiner von Cluny unter dem Namen Abtei der Heiligen Maria im Tal des Josaphat.

Nach der Eroberung Jerusalems durch die Moslems ließ Sultan Saladin im Jahr 1187 n. Chr. fast die gesamte Anlage der „Ungläubigen“ abreißen, nur die Treppe zur Krypta und diese selbst ließen sie unberührt. Es wird gesagt, weil die Moslems wie die Christen auch die Mutter Jesu verehren. Erst im 14. Jahrhundert bauten Franziskaner die Kirche wieder auf. Seit 1757 ist Eigentümer des Grabes die griechisch-orthodoxe Kirche.

Verratsgrotte Jesu Jerusalem

Verratsgrotte Jesu beim Mariengrab. (© Matthias Hinrichsen)

Verratsgrotte beim Mariengrab

In unmittelbarer Nähe zum heutigen Garten Gethsemane sollen im frühen Mittelalter verschiedene Grotten als die nächtlichen Ruhelager der Jünger angenommen worden sein. Ein jähes Ende fanden Grotten und Getsemani-Kirche durch die Vertreibung der Kreuzfahrer. In der Grotte jedoch sind noch heute Reste der kreuzfahrerzeitlichen Ausmalung.

Jesus-Skulptur

Jesus-Skulptur in der Verratsgrotte. (© Matthias Hinrichsen)

Im Jahr 1392 ging die Grotte in das Eigentum der franziskanische Kustodie über. Die griechisch-orthodoxe, die russisch-orthodoxe und die armenische Kirche folgten der neuen abendländischen Getsemani-Tradition der Franziskaner jedoch nicht. Erst Anfang des 20. Jahrhunderts wurde die heutige Ordnung von Garten und Grotte geschaffen. Kustos Ferdinando Diotallevi (1918–1924) akzeptierte die Neuordnung wonach die Grotte von nun an die „Grotte des Verrats“ sein sollte und das mit den alten Olivenbäumen bewachsene Areal nicht mehr der Ort des Verrat und Verhaftung Jesu sein sollte, sondern der Seines Gebets. Die orthodoxen und protestantischen Kirchen stimmten dieser Umwidmung zu. In den Folgejahren stritten sich verschiedene Denominationen und versuchten gerichtlich ihre Ansprüche durchzusetzen. Die Streitigkeiten unter Christen – so könnte man meinen – haben offensichtlich eine Jahrhunderte alte „Tradition“, die bis heute erhalten geblieben ist.

 

Kirchen auf dem Ölberg

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