Zu Rosch Haschana gehören Honig und Äpfel. (© Robert Couse-Baker/flickr "may you all have a sweet year (365-271)" CC BY 2.0)

Auf Deutsch heißt es Neujahr, auf Hebräisch Rosch haSchana – die Termine sind jedoch sehr unterschiedlich, genauso wie die Feierlichkeiten. Während im deutschsprachigen Raum Neujahr am 1. Januar begangen wird, findet das jüdische Neujahrfest zwischen dem 5. September und dem 5. Oktober statt, im jüdischen Kalender ist es der 1. und 2. des Monats Tischri. Dazu gibt es festgelegte Traditionen und Bräuche. Auf hebräisch bedeutet Rosch haSchana wörtlich übersetzt „Kopf des Jahres“, und sein Name deutet darauf hin, dass er der Anfang des jüdischen Jahres ist: Der Jahrestag der Schöpfung von Adam und Eva, der Geburtstag der Menschheit, der die spezielle Beziehung zwischen G-tt und der Menschheit hervorhebt.

In den Gebeten ist jedoch kaum die Rede von einem Neujahrstag, vielmehr liegt der Sinn dieses Festes im Gedenken an den Bund zwischen Gott und seinem Volk Israel und stellt eine sittliche Forderung und Verpflichtung an die Menschen dar, in sich gehen und vom Bösen abwenden sollen. Einige Quellen besagen, dass das Neujahrsfest nicht ausdrücklich in der Bibel genannt wird, andere wiederum nennen Levitikus (lat. für 3. Mose) 23,24-25 EU, Numeri 29,1-6 ELB und in Grundzügen Ez 40,1 LUT als Nachweis.

Rosch haSchana – moralische Erinnerung

Das Shofar als äußeres Instrument soll den Menschen hörbar an seine moralischen Pflichten erinnern und wird im Morgengottesdienst an Rosch ha-Schana nach der Tora- und Prophetenlesung sowie an mehreren Stellen des Zusatzgebetes in festgelegten Tonfolgen geblasen (außer wenn der Festtag auf einen Shabbat fällt).

Rosch haSchana – Feier zu Hause

An Rosch haSchana wird, nach dem Kiddusch und dem Segensspruch über das Brot, ein Segen über Baumfrüchte gesprochen. Hierzu wird ein mit Honig bestrichener Apfel verzehrt, der Sinnbild für den Wunsch nach einem guten und süßen Jahr ist. Üblicherweise sind die Brote länglich und geflochten, an Rosch ha-Schana aber werden rund gewickelte Weißbrote gereicht – als Symbol für den nun beginnenden Jahreskreislauf.

Die Kabbalisten lehren, dass die Erneuerung G-ttes Wunsches für das Weiterbestehen dieser Welt und damit auch für die Existenz des Universums von der Frage abhängen, ob wir G-tt als unseren König akzeptieren, – und was in Ihm den Wunsch erweckt, diese Welt für ein weiteres Jahr zu erschaffen.

Traditionen und Bräuche meist in der Synagoge

Den größten Teil des Tages verbringen wir in der Synagoge. G-tt will nicht nur eine Welt voller Menschen, sondern Er will mit jedem einzelnen von uns eine äußerst persönliche Beziehung. Zusätzlich zu den gemeinschaftlichen Seiten des Rosch haSchana-G-ttesdienstes, bittet jeder der Betenden Ihn persönlich, Seine Krönung zu akzeptieren, und somit den Bund „Wir sind Dein Volk und Du bist unser König“ herzustellen.

Der Hauptteil der Beachtung von Rosch haSchanaist das Blasen des Schofars (Widderhorn). Das Schofar ertönt an beiden Tagen von Rosch Haschana, es sei denn, der erste der beiden Feiertage fällt auf einen Schabbat. In diesem Fall blasen wir das Schofar nur am zweiten Feiertag. Das Blasen des Schofars entspricht z.B. dem Trompetenblasen bei einer Königskrönung. Der Ausruf des Schofars ist auch eine Aufforderung zur Reue! Denn Rosch Haschana ist auch der Jahrestag der ersten Sünde des Menschen und seiner darauffolgenden Reue. Rosh haSchanadient somit als der erste der „Zehn Tage der Tschuwa (Rückkehr)“, die in Jom Kippur, dem Versöhnungstag, gipfeln. Insgesamt hören wir im Verlauf des Rosch haSchana-G-ttesdienstes 100 Schofartöne.

Verschiedene Bräuche

Zusätzlich pflegen wir am Rosch haSchana folgenden Bräuchen nachzugehen:

Wir essen ein in Honig eingetauchtes Apfelstück, um unserem Wunsch für ein süßes Jahr Ausdruck zu verleihen, und kosten ein paar weitere spezielle Nahrungsmittel. Alle haben eine besondere Bedeutung und symbolisieren Süße, Segen und Fülle.

Wir segnen einander mit den Worten: „Leschana towa tikatev wetichatem“ (Mögest Du für ein gutes Jahr eingeschrieben gesiegelt sein).

Wir lassen unsere alten Nachlässigkeiten hinter uns und fangen das neue Jahr mit einwandfreiem Leumund an. Wir gehen zu einem See oder zu einem Fluss und sagen das Taschlich-Gebet, wo wir symbolisch all unsere Sünden ins Wasser werfen, gemäß dem Vers: „Und Du sollst ihre Sünden in die Tiefen des Meeres werfen.“

Und wie an jedem Jüdischen Feiertag zünden die Frauen auch an jedem der Neujahrsabende die Kerzen und sagen den entsprechenden Segen. Nach dem Abend- und Morgengebet jedes Festtages, sagen wir einen Kiddusch über dem Wein, einen Segen über den Challot, und genießen ein Festtagsmal.

(Text mit freundlicher Genehmigung Chabad Lubawitsch Hannover und IsraelMagazin)

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