Via Dolorosa

Die Via Dolorosa in Jerusalem. (© Matthias Hinrichsen)

Die Via Dolorosa – übersetzt „Straße der Schmerzen“ – verläuft zu großen Teilen im arabischen Altstadtviertel Jerusalems. Der Name weist auf den Leidensweg Christi von der Verurteilung bis zur Kreuzigung hin. Die 14 Stationen verweisen teilweise auf die biblischen Geschehnisse. Die ersten neun Stationen, manchmal mit mehreren Ereignissen an einer Station, befinden sich auf der Via Dolorosa selbst, die restlichen fünf Stationen sind auf und in der Grabeskirche zu finden. Alle Stationen sind mit runden Metallschildern gekennzeichnet, die Stationsnummern bezeichnenderweise in römischen Ziffern in Anlehnung an die römische Herrschaft zu dieser Zeit. Der Weg beginnt beginnt nahe dem Löwentor auf dem Gelände der früheren Festung Antonia, einem der zwei Amtssitze des römischen Statthalters Pilatus (26-36 n. Chr. im Amt), und endet am Heiligen Grab (Grab Jesu Christi) in der Grabeskirche.

Ecce-Homo-Basilika

Die Ecce-Homo-Basilika an der Via Dolorosa ist die Station II. (© Matthias Hinrichsen)

Via Dolorosa – 14 Stationen

Jährlich beschreiten zehntausende Gläubige mit Gesang und Gebet oder auch in Stille den Prozessionsweg, jeden Freitag um 15 Uhr die Franziskaner-Mönche aus Jerusalem. Die Bezeichnung Via Dolorosa stammt vom Franziskaner Bonifaz von Ragusa OFM, der 1573 diesen Weg in seinem Buch „Liber de perenni cultu Terrae Sanctae“ beschrieben hatte. Zu dieser Zeit hatte die Via Dolorosa allerdings erst vier Stationen, die im Laufe der Jahrhunderte durch Franziskanermönche erweitert und manchmal auch in der Wegführung verändert worden ist, je nach den Bedürfnissen der Pilgergruppen, die es schon zu damaliger Zeit gab.

Einige Pilger meinen, dass die Via Dolorosa der tatsächliche Weg sei, den Jesus von der Verurteilung bis zum Felsen Golgatha nehmen musste. Nach neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen von Archäologen, ist dieses allerdings wenig wahrscheinlich. Dieses soll den Wert den Via Dolorosa nicht schmälern, sondern vielmehr darauf hinweisen, dass die Strecke als Sinnbild des Leidensweges Jesu gesehen werden soll. Lediglich acht Orte sind in den Evangelien aufgeführt, die weiteren sechs wurden im Laufe der Jahrhunderte frei hinzugefügt. Des Weiteren sind Kreuzwegandachten, wie wir eine hier sehen, eine in Europa entwickelte Andachtsform, die dann in Jerusalem als Via Dolorosa direkt am Ort der biblischen Ereignisse realisiert wurde.

Ursprünglich aber wurde der Weg durch die Kreuzfahrer begründet und führte von den Überresten der Burg Antonia über den Tempelberg zum Porta Dolorosa und dann zur Grabeskirche. Theodericus fand 1172 die Burg Antonia und legte die Überreste frei. Nur 15 Jahre später eroberte Saladin die Heilige Stadt und verwehrte Christen den Zugang zum und über den Tempelberg. Nördlich der Burg wurden Flagellatio (Station II), Ecce Homo und das Haus des Pilatus entdeckt. Erst im 19. Jahrhundert konnten Franziskaner das Grundstück erwerben und errichteten 1839 darauf die Geißelungskapelle.

Österreichisches Hospiz Jerusalem

Eingang Österreichisches Hospiz Jerusalem. (© Matthias Hinrichsen)

Ab Mitte des 19. Jahrhunderts erwirkten die damaligen Großmächte feste Standorte in Jerusalem. Das 1863 eingeweihte Österreichische Hospiz zur Heiligen Familie sollte symbolisch als Schutz für die Via Dolorosa und seiner Pilger dienen. Das Hospizgebäude ist heute Hotel und Restaurant (kleine Treppe an der Straßenkreuzung hoch und klingeln) und bietet österreichische Spezialitäten wie Apfelstrudel und Wiener Kaffee im Restaurant an, sowohl im Haus als auch im idyllischen Garten. Auf dem Dach, der Zugang ist kostenfrei, bietet sich dem Besucher eine phantastische Aussicht über die Altstadt Jerusalems.

Via Dolorosa Pilger

Pilgergruppe auf der Via Dolorosa. (© Matthias Hinrichsen)

Die Stationen in numerischer Reihenfolge:

  • I. Ehemalige Burg Antonia (heute muslimische Mädchenschule Omariya)
  • II. Geißelungskapelle (Franziskaner)
  • III. Ehemalige polnische Kapelle (gegenüber Österreichischem Hospiz)
  • IV. Armenisch-katholische Kirche (neben Station III)
  • V. Oratorium der Franziskaner
  • VI. Veronikakirche (franz.) und Kloster der kleinen Schwestern Jesu
  • VII. Franziskaner-Kapelle
  • VIII. Griechisches Kloster an der Rückseite der Grabeskirche (Markierungskreuz)
  • IX. Säulenreste am koptischen Kloster (auf dem begehbaren Dach der Grabeskirche)
  • X. Frankenkapelle (außerhalb an der Grabeskirche rechts die kleine Treppe hoch)
  • XI. Grabeskirche: Römisch-katholische Kapelle
  • XII. Grabeskirche: Kreuzigungsstelle über Golgatha-Felsen neben der römisch-katholischen Kapelle
  • XIII. Grabeskirche: Stabat mater-Standbild (nicht der Salbungsstein)
  • IXV. Grabeskirche: Das Heilige Grab
  • (XV. Als 15. Station wird manchmal inoffiziell die Auferstehung Jesu Christi angesehen)

Via Dolorosa – christliche Pilger

An den verschiedenen Stationen, die teilweise pro Ziffer mehrere Ereignisse zusammen fassen, kann der Pilger in sich kehren und beten. Zu Beginn des Weges können Gruppen größere Holzkreuze gemeinsam tragen und an den Stationen inne halten, geführt durch einen Geistlichen. Evangelische Christen wird man hier selten als Pilgergruppe sehen, vielmehr sind Katholiken zu Gruppen organisiert, denn sämtliche Kirchen und Kapellen sind katholisch mit Bezug zur römisch-katholische Kirche. Besonders an Ostern ist die Via Dolorosa eine der Hauptziele katholischer Pilger aus der ganzen Welt, wobei dann aber nicht an den einzelnen Stationen verweilt wird, sondern direkt zur Grabeskirche gegangen wird.

Pilger an Ostern auf der Via Dolorosa

Pilger aus aller Welt gehen an Ostern die Via Dolorosa bis zur Grabeskirche. (© Matthias Hinrichsen)

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