Wie viele Kerne hat ein Granatapfel tatsächlich?

Der Mythos von der perfekten Anzahl

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Wie viele Kerne hat ein Granatapfel tatsächlich?

Die roten Fruchtkörper vom Granatapfel enthalten einen großen Anteil an Eisen. (© Matthias Hinrichsen)

Die roten Fruchtkörper enthalten einen großen Anteil an Eisen. (© Matthias Hinrichsen)

JERUSALEM/BERLIN (im) – Sternekoch Alfons Schuhbeck behauptete in einer Kochsendung felsenfest, dass jeder Granatapfel über 780 Fruchtkörper verfüge. Im Internet kursieren diverse Angaben, am häufigsten wird die Zahl 613 genannt, dann würde es sich um eine perfekte Frucht handeln. Das deutsche Internet-Lexikon Wikipedia nennt 400 Samen, die Brockhaus-Enzyklopädie schweigt sich gänzlich aus.

Die Anzahl der Kerne im Granatapfel variieren, weil es sich um ein Naturprodukt handelt. (© Matthias Hinrichsen)

Die Anzahl der Kerne im Granatapfel variieren, weil es sich um ein Naturprodukt handelt. (© Matthias Hinrichsen)

Granatapfel – mythische Anzahl

Auf den ersten Blick scheint die Bedeutung irrelevant zu sein, doch wenn sich um die Anzahl Mythen ranken, wie beispielsweise, dass die Zahl 613 mit der Anzahl an jüdischen Gesetzen übereinstimme oder ein Spitzenkoch von der Zahl 780 überzeugt ist, dann kann es hinterfragt werden.

Granatapfel – Zählversuche

Möglicherweise handelt es sich hierbei um eine Durchschnittsangabe, die allerdings wissenschaftlich nicht bestätigt ist. In einem Forum schreibt ein Leser: „… hatte selbst mehrmals bei unterschiedlichen Granatäpfeln nachgezählt, bin aber nie bis 600 gekommen.“ Ein weiterer versucht sich an folgender Theorie: „Da Wachstumsprozesse in der Natur sehr viel mit Symmetrie zu tun haben, lassen sie sich im Durchschnitt durch Fibonacci-Zahlen oft sehr gut fassen. Die 14-te Fibonacci-Zahl ist gleich 377, die 15-te Fibonacci-Zahl ist gleich 610, die 16-te Fibonacci-Zahl ist gleich 987. Eine Zählung in verschiedenen Ländern soll als Durchschnitt 613 Kerne ergeben haben. Was wunderbar zur Fibonacci-Zahl 610 passt.“ Nun, auch das kann man als nicht wissenschaftlich und nicht verifizierbar bezeichnen.

Granatapfel-Verkäufer auf dem Carmelmarkt in <a class=

Tel Aviv. (© Matthias Hinrichsen)“ width=“550″ height=“366″ /> Granatapfel-Verkäufer auf dem Carmelmarkt in Tel Aviv. (© Matthias Hinrichsen)

Granatapfel – israelische von bester Qualität

Auf einer englischsprachigen Internetseite setzten sich die Autoren mit dieser Thematik seriös auseinander, doch die Ergebnisse lassen keinen allgemein gültigen Schluss zu. Zu unterschiedlich sind die Ergebnisse – je nach Land. Unterscheiden sich womöglich die israelischen Granatäpfel von denen aus anderen Ländern? Bei einer Supermarkt-Kette sind diese Woche israelische Granatäpfel für 79 Cent pro Stück im Angebot, chilenische kosten dasselbe, sind größer, allerdings war die Testfrucht innen fast völlig vergammelt. Die israelischen Früchte, besser gesagt deren Fruchtkörper strotzen vor rotem Granatapfelsaft und hervorragendem Geschmack. Das mag den israelischen Nationalstolz wieder ein Stückchen wachsen lassen, aber auch in anderen Nationen wie beispielsweise Armenien reifen qualitativ hervorragende Früchte.

Die israelische Testfrucht aus dem deutschen Supermarkt hatte exakt 728 Fruchtkörper. (© Matthias Hinrichsen)

Die israelische Testfrucht aus dem deutschen Supermarkt hatte exakt 728 Fruchtkörper. (© Matthias Hinrichsen)

Granatapfel – gesund

Die israelische Testfrucht der deutschen Lebensmittelkette wies exakt 728 Fruchtkörper auf! Das kommt der Schuhbeck’schen Behauptung sehr nahe, aber auch wenn der Spitzenkoch mit Dackelblick diese Aussage felsenfest in die Kamera spricht, ist sie doch nicht richtig. Sehr unwahrscheinlich ist, dass jeder gläubige Jude die Anzahl der Fruchtkörper vor dem Verzehr nachzählt. Zwei Dinge sind jedenfalls sicher: Zum einen ist der Granatapfel sehr gesund, die israelischen Früchte sind richtig lecker.

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