Jerusalem – Yerushalayim
Rubrikenbild Jerusalem

Das zentral gelegene Jerusalem (hebr. Jeruschalajim ירושלים, arab. al-Quds أورشليم القدس) ist seit 1950 die Hauptstadt Israels und mit rund 901.300 Einwohnern (2019) die größte Stadt des jüdischen Staates. Sie wurde nachweislich um 1800 v. Chr. erstmals erwähnt und ist heute Sitz des israelischen Präsidenten, der Knesset (das israelische Parlament) sowie Einrichtungen der Judikative und Exekutive. Die Stadt erstreckt sich über mehrere Hügel der Judäischen Berge in Höhen zwischen 606 und 826 Metern über dem Meeresspiegel. Das etwa 40 Kilometer entfernte Tote Meer liegt rund 1000 Meter tiefer.

Jerusalem erstreckt sich über mehrere Hügel.

Jerusalem erstreckt sich über mehrere Hügel. (© Matthias Hinrichsen)

Jerusalem gilt als die gläubigste Stadt des Heiligen Landes. Sie ist geprägt von Kulturen der Antike und Moderne und den drei Weltreligionen Judentum, Christentum und Islam. Das historische Zentrum ist die Altstadt mit zahlreichen Bauwerken der religiösen Vergangenheit und Gegenwart. Sie ist in das jüdische, christliche, armenische und muslimische Viertel gegliedert und wird von der historischen Stadtmauer aus der osmanischen Periode umgeben.

Jerusalem – Deutsche Wurzeln

Außerhalb der Altstadt bilden zahlreiche Stadtteile (hebr. pl. shekunot) die weit größere Neustadt. Diese kulturell unterschiedlichen Gebiete sind geprägt von den jeweiligen Gründern, was bis heute vielerorts erkennbar geblieben ist, wie an der German Colony ersichtlich ist. Dort siedelten im 19. Jahrhundert gläubige Christen der Templergesellschaft, die aus friedlichen Erwägungen ein gutes Vorbild als Christ für die damalige Bevölkerung sein sollten. Sie haben weder mit den Tempelrittern, den Kreuzrittern oder der Diktatur des Dritten Reiches etwas zu tun oder eine Verbindung. Leider werden allzu oft von Unwissenden die deutschen Wurzeln in Israel verurteilt. Tatsache ist, dass neben diesen friedliebenden Christen vor allem deutsche Juden in das damalige Palästina emigrierten.

So sind auch heute viele Bewohner Israels durch ihre Vorfahren mit Deutschen verbunden, insbesondere die jiddisch sprechenden Juden im ultraorthodoxen Viertel Mea Shearim, deren Sprache artverwandt mit dem deutschen ist. Zu erinnern ist auch an die deutschen Juden der Bauhaus-Architektur, die in den 1930er- und 1940er-Jahren Tausende an Gebäuden – vor allem in Tel Aviv – errichteten. In Jerusalem gibt es auch noch einen anderen Ort, an dem ein Deutscher wirkte: Im Schneller-Compund trifft man auf die Hilfstaten eines deutschen protestantischen Pastor, der eine Heimat für Waisen errichtete. Dieser Ort wird von den Israelis gewürdigt und erhalten, sodass heute acht Gebäude von dem sozialen Engagement dieses Mannes berichten.

Jerusalem – Allgmeines

Jerusalem ist heute eine quirlige Stadt, durchzogen von unendlich vielen Straßen, verbunden durch zahllose Buslinien und der einzigen Straßenbahn (2020) Israels von Nordost nach Südwest. Je mehr Juden in das Land einwandern, desto voller wird auch Jerusalem. An normalen Tagen ist die Innenstadt auf den Hauptverkehrsstraßen übervoll, die erwähnte Straßenbahn verhindert ein größeres Verkehrschaos, befördert sie doch 70.000 Menschen jeden Tag, fast 22 Millionen im Jahr. Diese Menschenmassen fuhren früher dicht gedrängt in den grünen Bussen von Egged, der größten Busgesellschaft Israels mit Hauptsitz in Jerusalem. Wer über Jerusalem erzählt, der macht es aus seiner eigenen Sichtweise. Die Stadt ist zu groß, als dass man – besonders als Tourist – das meiste kennen oder erleben könnte.

Viele Besucher strömen in die legendäre Altstadt mit seinen mehr als 1.000 Läden im mittelalterlichen Gassengewirr. Oder auf den Ölberg jenseits des Kidrontals und gleich gegenüber dem Tempelberg. Jerusalem ist Weltgeschichte pur, historisch und aktuell betrachtet. Nie war je einer die Stadt im Ganzen erfassen, geschweige denn beschreiben können. Es sind immer nur Fragmente, die vermittelt werden können. Der übliche Spruch, dass Jerusalem die religiöse Stadt im Vergleich zu Tel Aviv und Haifa ist, stimmt bedingt. Die meisten Menschen, die hier leben, sind zwar Juden, aber säkular. In Ost-Jerusalem, das eigentlich von den Arabern dominiert wird, kaufen immer mehr Juden Häuser und dehnen so das Judentum auch in die östlichen Gebiete der Stadt und des Landes aus.

Das kulturelle Angebot ist mindestens dem von Tel Aviv ebenbürtig, angefangen mit dem international renommierten Israel Museum, dem Rockefeller Museum, der Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem, den Chagall-Bildern und -Fenstern, der gesamten Altstadt mit Klagemauer, den vielen Restaurant und Bars, dem Zentrum dreier Weltreligionen und unzähligen kulturellen Veranstaltungen. Man muss nur wissen, wo etwas los ist oder gezeigt wird. Der beste Anlass sind in jedem Jahr die vielen Veranstaltungen wie das Lichterfestival, verschiedene Film-, Kunst- und Kulturfestivals oder das Weinfest im Israel Museum oder auch Sport-Veranstaltungen. Auf der Webseite der Tourist-Information Jerusalem finden Sie stets alle aktuellen Veranstaltungen in deutscher Sprache.

Sauberkeit

Sichtbar für Besucher sind die Unterschiede in Bezug auf Sauberkeit zwischen Ost-Jerusalem und dem restlichen Jerusalem, der von Juden bewohnt wird. Während im muslimischen Teil Straßen und Plätze verdreckt und verwahrlost aussehen, herrscht im größeren Teil Jerusalems eine relative Sauberkeit. Relativ, weil es für deutsche Verhältnisse weniger sauber ist als im eigenen Land, aber die Bemühungen, alles sauber und gepflegt zu halten, sind deutlich erkennbar. Manche Kritiker Israels – insbesondere die Palästinenser – sagen, dass sie kein Geld hätten, um alles in einen besseren Zustand zu versetzen. Das muss hinterfragt werden. Denn Straßen und Wege sauber zu halten, kostet nur etwas Mühe und nur das Geld für Reinigungsmittel und guten Willen, alles sauber und gepflegt zu halten.

Am Beispiel einer komplett renovierten und wunderschön modern gepflasterten Straße am Paulushaus in Ost-Jerusalem gegenüber dem Damaskustor ist deutlich geworden, dass auf Sauberkeit im muslimischen Bereich kein Wert gelegt wird, ganz im Gegenteil. Nach nur zwei Jahren war die Straße so dreckig, wie alle anderen in Ost-Jerusalem. Abfälle werden achtlos auf die Straße geworfen und die anschließende Reinigung erfolgt nicht, sondern alles wird zertreten und weiter getragen. Die Straßenreinigung hat in den frühen Morgenstunden alle Hände voll zu tun, den Dreck auf den Straßen einigermaßen zu beseitigen. Vergleichbares ist im arabischen Teil der Altstadt zu sehen. Auch dort gibt es eklatante Unterschiede in der Sauberkeit zwischen muslimischem und jüdischem Viertel. Es ist bedauernswert, diese Zustände mit ansehen zu müssen und nichts anderes berichten zu können. Gerne hätten wir es gemacht.

Name

Zurück zur weiteren Geschichte Jerusalems. Beginnen wir bei dem Namen der Stadt: Jerusalem. Wie schon in der Einleitung erwähnt, wird die Stadt, je nach Sprache, unterschiedlich geschrieben und ausgesprochen. Wie bei eigentlich allen Orten, wechselt der Name oder die Schreibweise im Laufe der Jahrhunderte. Forscher entdeckten in den Amarna-Briefen aus dem 14. Jahrhundert v. Chr. „ú-ru-sa-lim“, in assyrischen Texten des Sanherib im 8. Jahrhundert v. Chr. findet man „ur-sa-li-im-mu“, also eine recht ähnliche Schreibweise. Die älteste bekannte hebräische und aramäische Schreibweise von Jerusalem ist „yrwšlm“ (jeruschalem) und als Kurzform „yršlm“ und „šlm“ (gesprochen schalem). Forscher vermuten, dass die Bedeutung des Namens „Gründung des (Gottes) Schalim“, der eine kanaanitische Gottheit gewesen ist. Rabbiner übersetzen den Namen mit „Stadt des Friedens“. Die Kurzform des Namen, nämlich Salem, ist im 1. Buch Mose, Kap. 14,18 n der Bibel erwähnt und soll verwandt sein mit dem hebräischen Wort für Frieden „Schalom“. Das heutzutage gebräuchliche Jeruschalajim wurde in der Zeit des Zweiten Jüdischen Tempels gebildet.

Frühzeit

Archäologen zufolge existierte an der Stelle des heutigen Jerusalems während der Kupfersteinzeit (4500–3150 v. Chr.) eine Ansiedlung, die durch Keramik-Funde belegt ist. Eine Höhle mit Bestattungsüberresten oberhalb der Gihoquelle (Davidstadt) aus der Frühbronzezeit I-II (3150–2650 v. Chr.) fanden Forscher, sowie Siedlungsüberreste von Breitraumhäusern. Bereits in der Mittelbronzezeit (2000–1750 v. Chr.) entstand eine befestigte Stadtsiedlung, deren Bewohner die Gihonquelle mit einer Mauer umfassten und mit einem Becken ausstatteten. Die Gihonquelle speist noch heute einen Wasserlauf, den Besucher im Hiskia-Tunnel selbst erleben können, der mit glasklare und kühle Wasser aus dieser Quelle gespeist wird und am Ende in einem Becken endet.

Historie von Jerusalem

um 1000 v. Chr. Bergfeste Zion (Jerusalem)
587 v. Chr. Eroberung durch Nebukadnezar und Zerstörung des Tempels
164 v. Chr. Eroberung des Tempelbergs durch die Makkabäer
66 Aufstand der Juden gegen die Römer
70 Zerstörung des zweiten Tempels
135 Zerstörung Jerusalems
335 Einweihung der Grabeskirche
527-65 Blüte des byzantinischen Jerusalems
1187 Eroberung durch das Heer Saladins
1538-39 Bau des Jaffators und Restaurierung des Löwentors
1887 Bau des Neuen Tors als Zugang zum christlichen Viertel
1926 Beschädigung der Grabeskirche durch Erdbeben
1947 Internationalisierung Jerusalems
1948 teilweise Zerstörung des jüdischen Viertels durch jordanischen Angriff
1948-67 Altstadt und Ost-Jerusalem unter jordanischer Verwaltung
Juni 1967 Wiedervereinigung der Stadt

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