Mesusa am Eingang zur Davidstadt in Jerusalem. (© Matthias Hinrichsen)
Mesusa am Eingang zur Davidstadt in Jerusalem. (© Matthias Hinrichsen)

Mesusa am Eingang zur Davidstadt in Jerusalem. (© Matthias Hinrichsen)

Eine Mesusa (pl. Mesusot) wird von Juden an Türpfosten ihrer Häuser, Büros, Wohnungen und jeden Raum befestigt, um so an die Verbindung zwischen dem jüdischen Volk und Gott zu erinnern. Im Inneren der Mesusa befindet sich ein auf Pergament geschriebenes Schma Israel, das den zentralen Kontext der Thora wiedergibt und die Nächstenliebe als Kernbotschaft enthält: „Höre Jisrael, der Ewige ist unser G-tt, der Ewige ist einzig.“ (5. Buch Mose 6,4; Talmud Sukkot 42a, Berachot 13b). Das Schma Israel beschreibt auch die Einzigartigkeit Gottes und muss daher von einem Schriftgelehrten per Hand geschrieben sein.

Mesusa – Zweck

Für Juden drückt die Mesusa aus, dass Gott über das Haus wacht und es beschützt. Rückseitig auf dem Pergament steht Schadai, einer der zahlreichen Namen Gottes, was eine Abkürzung von Shomer Delatot Yisrael ist und „Beschützer der Türen von Israel“ bedeutet. Überdies beschützt eine Mesusa nach jüdischer Tradition alle Bewohner des Hauses, unabhängig vom Aufenthaltsort der Personen.

Mesusa – biblischer Bezug

Im 5. Mose 11,20 findet sich die Anordnung für Sein Volk, alle Gebote zu befolgen und wo sie dieses anbringen sollen: „Und schreibe sie an die Pfosten deines Hauses und an deine Tore, …“ In der Mesusa befindet sich ein kleines Röhrchen, in dem das Pergament gut verwahrt ist.

Mesusa – Aussehen

Mesusot sind so vielfältig in ihrem Aussehen, wie die Menschen selbst, die sie verwenden. Vorwiegend werden Holz, Metall, Keramik und Kunststoff verwendet, um das Schma Israel sicher aufzubewahren. Einfachste Mesusot sind ab rund 20 Euro erhältlich, die kunstvolleren ab 50 Euro, in Gold ab 500 Euro. Zu beachten ist, dass das Schma Israel nicht enthalten ist, sondern individuell von einem Schriftgelehrten angefertigt wird.

Mesusa – Anbringung

Gläubige Juden in Israel sind verpflichtet, beim Kauf eines Hauses beim Einzug alle Mesusot anzubringen. Ist das Haus oder die Wohnung nur gemietet, reicht es, wenn die Mesusot innerhalb 30 Tagen angebracht werden. Da es jedoch den Brauch gibt, nicht ohne Mesusot in einem Haus oder einer Wohnung zu leben, können diese auch erst provisorisch, das heißt ohne Segensspruch und nicht dauerhaft montiert, angebracht werden. Dann werden diese Mesusot nach 30 Tagen wieder abgenommen und durch neue ersetzt, wobei dann der Segensspruch erfolgt und die Mesusot dauerhaft montiert werden.

Normalerweise bringt der Hausherr oder Hausvorstand die Mesusa beim jeweiligen Raum oder Hauseingang an und zitiert dazu den Segensspruch. Es kann aber auch jede/r Jüdin/Jude machen, die die Bat/Bar Mitzwa empfangen haben und damit religionsmündig sind. Es ist wichtig, dass die Mesusa dauerhaft am Türrahmen befestigt ist, damit sie herunterfallen kann. Am sichersten ist das Anschrauben oder Annageln, und wenn das nicht möglich ist, dann das Ankleben mit doppelseitigem Klebeband.

Ein jüdischer Polizist montiert 1948 mit einer Pistole eine Mezuza an einem Jerusalemer Gericht. (© GPO)

Ein jüdischer Polizist montiert 1948 mit einer Pistole eine Mezuza an einem Jerusalemer Gericht. (© GPO)

Die Mesusa für den jeweiligen Raum oder des Hauses wird am rechten Türpfosten in Eingangsrichtung angebracht, üblicherweise leicht angewinkelt, das obere Ende zeigt zum Raum. Nicht selten finden sich Mesusot aber auch in gerader Anbringung, insbesondere ältere. Die Mesusa wird auf 1,30 Meter Höhe ab Unterkante im rund zwei Meter hohen Türrahmen montiert. Rechnerisch ergibt sich der Wert aus einer Drittelung des Türrahmens, wobei die Mesusa das untere Ende des oberen Drittels berührt. Bei Türpfosten über zwei Meter Höhe wird sie auf Schulterhöhe angebracht, ungeachtet der Türrahmenhöhe. So soll gewährleistet werden, dass jeder die Mesusa beim Eintritt in den Raum die Mesusa nach jüdischer Tradition berühren kann. Bei kleineren Türen, muss ein Rabbiner befragt werden. In der horizontalen Lage muss eine Handbreit (ca. 8,25 Zentimeter) vom äußeren Rand des Türrahmens befinden, bei breiteren Türen sollte sie nicht in der Mitte angebracht werden.

Kleine Kinder erreichen aufgrund ihrer geringen Körpergröße die Mesusa nicht und werden daher von Erwachsenen hoch gehoben, um sie zu küssen. Das soll Kindern lehren, dass sie versuchen müssen, sich einem Ideal zu nähern anstatt es zu sich herunter zu holen. Sollte kein Platz an einem Türrahmen sein, kann eine Vertiefung in den Türrahmen gebohrt werden. Im Zweifelsfall muss der Bewohner einen Rabbiner befragen, der sich verlässlich mit allen Sonderregelungen auskennt und Auskunft gibt.

Bevor die Mesusa angebracht wird, spricht der Anbringer folgenden Segensspruch: „Baruch ata Ado-naj, Elohenu, Melech Haolam, ascher kideschanu bemizwotaw, weziwanu likboa Mesusa.“. Übersetzt heißt es: „Gesegnet seist Du, G-TT, unser G-tt, König des Universums, der uns heiligt hat mit seinen Geboten und uns befohlen hat, Mesusa anzubringen.“ Werden mehrere Mesusot angebracht, zum Beispiel beim Neubezug einer Wohnung oder eines Hauses, gilt der einmalig gesprochene Segensspruch für alle anzubringenden Mesusot, die dann angebracht werden. Es ist wichtig, beim Segensspruch an alle anzubringenden Mesusot zu denken und zwischendurch nicht zu reden.

Mesusa – an alle Türpfosten?

In dem Bibelvers steht Pfosten in der Mehrzahl. Insofern sind alle Türpfosten des Hauses – außen und innen – nach jüdischer Auslegung gemeint. Dahinter verbirgt sich der Gedanke, dass alle Räume unterschiedlichen Zwecken dienen und dementsprechend Gott gewidmet ist. Aus spiritueller Sicht ergeben sich in den jeweiligen Räumen unterschiedliche Bewusstseinseinstellungen. Das Juden ihr Leben als Dienst für Gott ansehen, repräsentieren die Aufgaben oder Tätigkeiten in den Räumen unterschiedlichen Dienst an Gott, also Gottesdienst. Überdies werde Natur und Sein eines Menschen mit dessen Dienst verknüpft, als Dienst an Gott.

Mesusa – Pflege und Kontrolle

Natürlicherweise gibt es Staub oder beim Eingang eines Hauses Schmutz aus der Umwelt. Daher ist es geboten, das Gehäuse der Mesusot regelmäßig zu reinigen. Dabei ist darauf zu achten, dass das Pergament im Inneren nicht beschädigt oder beschmutzt wird, was beispielsweise durch Reinigungsflüssigkeiten der Fall sein könnte. Das Pergament selbst muss im zweimal in sieben Jahren von einem Sofer, das ist ein speziell ausgebildeter Tora-Schreiber, auf Unversehrtheit geprüft werden. Ansonsten könnten nach jüdischem Glauben, die schützenden Kräfte vermindert oder gar verloren gehen. Befestigungsmaterial wie Schrauben, Nägel und Klebeband werden normal entsorgt. Das Gehäuse der Mesusa und die darin eingebettete Pergament werden als heilig betrachtet und behandelt, wobei die Pergamente wie alle Schriftstücke, auf denen der Name G-ttes steht, verpflichtend auf dem jüdischen Friedhof beerdigt werden müssen.

Wird eine Mesusa wieder angebracht, zum Beispiel wenn sie zur Kontrolle oder Renovierung abgenommen wurde, muss der Segensspruch erneut gesprochen werden, wenn mindestens eine Nacht dazwischen liegt, in der sie nicht befestigt war. Es wird empfohlen, Mesusot bei Neuanbringung bei den Räumen zu verwenden, die vorher in gleicher Bestimmung waren. Deswegen werden beim Abnehmen der Mesusot diese in separate Beutel gepackt werden, um so eine spätere Zuordnung zu ermöglichen.

Mesusa – Herstellung Mesusa

Die Mesusa ist das Innere, also die beschriebene Pergamentrolle in dem Gehäuse, das aus verschiedenen Materialien wie Metall, Holz oder Kunststoff bestehen kann. Besonders wird es beim Pergament, das von Anfang an für diesen Zweck hergestellt werden muss. Es muss von einem koscheren Tier stammen, das aber nicht zwingend koscher geschlachtet werden muss. Für gewöhnlich wird die Haut von Kölbern und Lämmern verwendet. Diese wird einige Stunden gewässert und danach sorgsam gereingt. Anschließend muss es für bis zu drei Wochen in einem Kalkfass lagern, bis sich die Fellhaare leicht entfernen lassen. Zum Schluss des meist maschinellen Bearbeitungsprozesses darf sich kein Haar mehr auf und in der Haut befinden. Die so behandelte Haut wird danach gedehnt und der Kalk entfernt, jedoch darf die Haut dabei nicht transparent werden, weil sie dann nicht mehr als Mesusa verwendbar wäre. Zum Trocknen wird danach die Haut auf einen Rahmen gespannt und ohne Sonneneinwirkung getrocknet. Die dauerhafte Spannung bewirkt eine Veränderung der Faseranordnung und unterscheidet sich so von einer unbehandelten Tierhaut.

Das jetzt entstandene Pergament wird als „G’vil“ bezeichnet, kann allerdings so nicht verwendet werden, da gemäß dem jüdischen Gesetz das feinere Pergament „Klaf“ verwendet werden muss. Es handelt sich dabei um die Mittelschicht zwischen Ober- und Unterhaut. Die dünne Oberhaut wird entfernt, die beiden restlichen Schichten werden im Falle der Schafhaut sorgfältig getrennt, was bereits während der Trockung erfolgen kann. Sollte die Tierhaut durchtrennt werden, wird sie unbrauchbar. Die verbliebene Mittelschicht wird in mehreren Schleifvorgängen weich geschliffen, damit sie mit Tinte beschreibbar wird, um Wochen später verwendet werden zu können. Die Herstellung der Tinte ist geheim, bekannt ist aber, dass sie hauptsächlich aus Gallensäure vom Gallapfel besteht. Die Rezepturen werden generationsübergreifend weitergegeben, wobei sich die Zutaten unterscheiden können. Zum Schreiben verwendet der Sefer die Feder eines koscheren Vogels, in der Regel eines Truthahns oder einer Gans. Betrachtet man die Schrift erkennt man unterschiedliche Strichstärken. Diese werden durch das winklige Anschneiden des Kiels ermöglicht, wobei dieses sorgsam ausgeführt werden muss, damit der spätere Strich nicht zu dick oder dünn ausfällt.

Mesusa – Linien und Schrift

Vor dem Schreiben zeichnet der Sefer 22 Linien mit einem Steingriffel auf das Pergament. Dieses ist nach jüdischer Tradition aus Zeiten Mose überliefert und bis heute beibehalten. Das Schreiben selbst ist in der Tora, der jüdischen Bibel, vorgegeben. In 2. Mose 6,4 wird das hebräische Wort „U’ktawtam“ verwendet, was wörtlich übersetzt lautet: „Und du sollst sie schreiben“. Jüdische Gelehrte verweisen darauf, dass dieses Wort auch in zwei Wörtern gelesen werden kann als „Ktaw tam“ und dann als „perfekte Schrift“ übersetzt werden kann. Die äußerst genaue Ausführung basiert also auf der Tora direkt. Die einzelnen Buchstaben im Alefbet, dem hebräischen Alphabet, haben von Alef bis Taf eine eindeutige Schreibweise. Die Vorgaben sind so streng, dass eine falsche Schreibweise oder auch geringste Abweichungen die Mesusa unkoscher machen können. Der Abstand der Buchstaben zueinander ist auch vorgegeben. So dürfen sich die Buchstaben nicht berühren, aber auch nicht weiter als eine Haaresbreite voneinander entfernt sein. Als Abstand zwischen den Wörtern dient die Breite des Buchstabens Jud. Bei diesen Vorgaben wird deutlich, dass der Schreiber eine spezielle Ausbildung benötigt, da er auch für das Schreiben eine Tora wie vorgegeben schreiben muss.

Mesusa – Schutz des Hauses

Letztlich dient das Anbringen von Mesusot dem Schutz des Hauses und seiner Bewohner. Im jüdischen Brauchtum besteht ein göttlicher Schutz durch das Anbringen. Während andere Mizwa – insgesamt existieren im Judentum 613 Mizwot, also Gebote und Verbote – verschiedene Funktionen in sich vereinen, dienen Mesusot ausschließlich des Schutzes. Immer mehr Juden vertrauen diesem Schutz und man findet sie weltweit an und in jüdischen Häusern.

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