Spendenprojekt: 650 Therapieplätze für durch Terror traumatisierte Kinder

Keren Hayesod Deutschland ruft zur Hilfe vom 6. bis 8. Juni 2021 auf

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Spendenprojekt: 650 Therapieplätze für durch Terror traumatisierte Kinder

Keren Hayesod  Kinder Israel

Keren Hayesod Spendenportal (Screenshot)

JERUSALEM (im/kh) – In einem deutsch-israelischen-Freundschaftsprojekt ruft eine der größten israelischen Hilfsorganisationen Keren Hayesod zur Unterstützung für ein sehr wichtiges Projekt auf: Es sollen 650 Therapieplätze für durch Terror traumatisierte Kinder geschaffen werden, die unbedingt benötigt werden. Keren Hayesod unterstützt seit Jahrzehnten hilfsbedürftige Menschen in Israel und ist vom israelischen Staat anerkannt. Die Aktion wird online unter folgendem Link durchgeführt: www.charidy.com/cmp/khdeutschland.

Hunderte israelische Kinder wurden in den vergangenen Jahren durch Terroranschläge körperlich und seelisch verletzt. Insbesondere im Süden des Landes, in der Reichweite der Raketen aus dem Gazastreifen, werden israelische Bürger, jüdischer und beduinischer Herkunft, Opfer wahlloser Terroranschläge. Die Entwicklungschancen dieser Kinder sind davon abhängig, dass sie professionelle Hilfe gemäß ihrer individuellen Bedürfnisse erhalten. Ein kaum beachteter Effekt der Pandemie ist, dass betroffene Familien sich einer verschärften Situation ausgesetzt sehen: Stress lässt Traumata erneut virulent werden, während Hilfsangebote schwinden. Kinder regredieren auf zuvor überwundene Verhaltensmuster wie etwa Bettnässen, während Jugendliche von Depressionen betroffen sind und Verhaltensauffälligkeiten zeigen.

Kinder, die Opfer von Terrorismus werden, regredieren häufig in der unmittelbaren Folgezeit auf nicht mehr altersgemäße Verhaltensweisen, die sie zuvor bereits überwunden hatten. Dazu gehören:

  • Bettnässen
  • Schlafstörungen und Alpträume
  • Angstzustände

Langfristig sind diese Kinder Herausforderungen schlechter gewachsen und können als Jugendliche Leiden entwickeln wie:

  • Konzentrationsschwierigkeiten
  • Depressionen
  • Alkohol- und Drogenmissbrauch
  • Gewalttätigkeit

Betroffene Familien sind auf professionelle Hilfe von außen angewiesen, damit die Kinder und Jugendlichen das Gefühl von Kontrolle über sich und ihre Umwelt zurückgewinnen können. Bei diesen häufig langfristigen Therapieangeboten kommt es darauf an, dass sie sich am individuellen Bedarf des Kindes ausrichten. Beispiele hierfür können Gesprächs- und Kunsttherapien sein, aber auch Therapietiere und Hydrobehandlungen.

Eine große Zahl junger Menschen wurden unschuldig ihrer Kindheit beraubt. Das lässt sich nicht wieder rückgängig machen, aber doch haben wir die Chance, ihnen eine weitgehend selbstbestimmte Zukunft zu ermöglichen. Neben den individuellen Entwicklungschancen hat die Hilfe für die Betroffenen Kinder auch eine gesellschaftliche Dimension. Die Stärkung der Resilienz von Israels kommender Generation ist entscheidend für die Zukunft des jüdischen Staates. Die Fähigkeit, schwierige Lebenssituationen ohne anhaltende Beeinträchtigung zu überstehen, entscheidet maßgeblich darüber mit, ob Terroristen ihr Ziel erreichen können, die Gesellschaft zu paralysieren. Weiterhin leisten Behandlung und Aufarbeitung einen Beitrag zu Koexistenz und friedlichem Zusammenleben in der komplexen Region des Nahen Ostens. Unbewältigte Gewalterfahrungen können schnell zu Angst und Hass gegenüber „dem Anderen“ führen.

Die deutsche Sektion des israelischen Gründungsfonds hat den Hilferuf erhört und die Unterstützung dieser Jugendlichen und Kinder sich zur Aufgabe gemacht. Das zweite Crowdfunding der über 100-jährigen Organisationsgeschichte soll die Mittel bereitstellen, die nötig sind, dass 650 Betroffene ein Jahr lang die Unterstützung erhalten können, die sie individuell benötigen. „Hunderte junge Menschen wurden durch brutale Terrorakte unschuldig ihrer Kindheit beraubt, wir haben jetzt die Chance, ihnen eine selbstbestimmte Zukunft zurückzugeben“, sagt Rafi Heumann, Delegierter von Keren Hayesod. Dies koste 984 Euro für jedes Kind.

Keren Hayesod – Vereinigte Israel Aktion e.V. will in einem 48h-Spendenmarathon Anfang Juni 320.000 Euro sammeln und damit sicherstellen, dass die Bedürfnisse möglichst aller betroffener Kinder unabhängig vom Einkommen der Eltern berücksichtigt und angemessen therapiert werden können. Auf keren-hayesod.de/fuer-die-kinder-israels besteht die Möglichkeit, sich als Helfer für den Aktionszeitraum anzumelden. Jede Spende wird von einem Großspender verdoppelt, so dass 640.000 Euro am Ende einer erfolgreichen Kampagne den Kindern Israels zur Verfügung stehen werden. „Es geht um die Zukunft einer ganzen Generation“, so Heumann weiter. Doch um diese zu realisieren, brauche es der Unterstützung möglichst vieler Einzelner. „Jeder Beitrag zählt, wirklich alle können mitmachen.“

Yael ist durch einen Bombenangriff auf Aschkelon traumatisiert.

Yael ist durch einen Bombenangriff auf Aschkelon traumatisiert. (© Keren Hayesod)

Yaels Geschichte
Yael (10) ist die Zweitjüngste von 12 Geschwistern. Die Familie machte 2005 Alija aus Äthiopien und Yael und ihre jüngere Schwester wurden in Israel geboren. Nach der Einwanderung lebte die Familie zunächst im Aufnahmezentrum in Aschkelon und zog schließlich in ihre eigene Wohnung in der Stadt. Der Vater arbeitet als Türinstallateur, die Mutter kümmert sich um die Kinder.

Am 5. Mai 2018 ertönte in Aschkelon während eines Angriffs aus Gaza die Alarmsirene. Die Wohnung der Familie befindet sich im zweiten Stock und hat keinen eigenen Schutzraum. Alle müssen zum Gemeinschaftsbunker unten im Haus rennen, wenn der Raketenalarm ertönt. Yael gerät dann schnell in Panik und braucht jemanden, der ihre Hand hält, während sie Schutz suchen. Bei diesem Alarm rutschte Yael auf der Treppe aus und fiel aufs Gesicht. Sie erlitt einen Kieferbruch und wurde ins nächste Krankenhaus eingeliefert. Nachdem die Ärzte sie im Barzalai-Krankenhaus untersucht hatten, musste sie mehrere Tage zur Beobachtung dortbleiben.

Zwei Monate lang besuchte sie keine Schule und leidet auch heute noch unter Schmerzen. Sie kann noch immer keine feste Nahrung zu sich nehmen, da die Fraktur nicht vollständig verheilt ist. Darüber hinaus leidet Yael an einer posttraumatischen Belastungsstörung, die sich in akuter Angst und Stress ausdrückt. Sie will das Haus nicht mehr verlassen und lebt in ständiger Angst vor zukünftigen Sirenen und Raketenangriffen. Zudem schämt sie sich sehr für ihre körperliche Einschränkung (es fällt ihr schwer, feste Nahrung zu sich zu nehmen) und sie vermeidet daher soziale Kontakte. Um ihr Vertrauen in ihre eigenen Fähigkeiten zurückzugewinnen und sie zu stärken, ist es wichtig, dass Yael neben der physiologischen auch eine psychologische Therapie erhält. Ihr Therapeut empfiehlt für Yael den Besuch von Schauspiel- und Tanzstunden.

Kontakt
Rafi Heumann
Delegierter des Keren Hayesod
Budapester Str. 41
10787 Berlin
mobil 0160-320 9880
Telefon 030-88719345

Online-Spende www.charidy.com/cmp/khdeutschland

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