Rekordzahl von Öltankern in Eilat

Ladungen für China bestimmt - Umgehung des Suezkanals

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Rekordzahl von Öltankern in Eilat

Gefahr für die Umwelt durch Öltanker im Roten Meer

Öltanker lädt Rohöl in Eilat. (Foto: Zalul)

EILAT (im) – Eilat, die südlichste Stadt Israels, steht mit einem erheblich gestiegenen Öltransportaufkommen im Fokus von Umweltvertretern. Hintergrund ist die stark gestiegene Zahl von Öltankern, die Rohöl in Eilat laden und vorwiegend nach China verschiffen. Der Staat Israel hatte mit der der Europe-Asia Pipeline Company (EAPC) einen Vertrag geschlossen, der jährlich einen Transport von zwei Millionen Tonnen Öl durch Eilat gestattet. Das Energie- und das Finanzministerium möchte die Mengen künftig noch anheben, wodurch das Risiko von Umweltverschmutzungen bei einem Unfall steigt. Eine Verschmutzung des Golf von Aqaba würde massive negative Auswirkung auf Umwelt und Tourismus nach sich ziehen. Umweltschutzministerium, Wissenschaftler und Umweltaktivisten lehnen daher eine Erhöhung der Transportmenge ab.

Jüngst hatte Israel mit einer schnellen Verbindung für Warentransport zwischen Mittelmeer und Rotem Meer geworben, von Hafen zu Hafen. Als Verbindung soll eine neue Eisenbahnlinie gebaut werden, die alle Güter über den Landweg schnell transportiert. Die Idee wurde konkreter, nachdem das Containerschiff Ever Given am 23. März 2021 im Suezkanal verunglückte und den Welthandel nachhaltig störte und einen großen wirtschaftlichen Schaden nach sich zog. Nach der Freilegung  wurde der Container-Reise von Ägypten vier Monate beschlagnahmt, um Forderungen gegen die Reederei durchzusetzen. Lieferketten wurden unterbrochen, Dutzende andere Schiffe kamen verzögert in den Zielhäfen an, Chaos in den Häfen selbst durch das erhöhte spätere Schiffsaufkommen waren die weiteren Folgen. Bei solchen Geschehnissen suchen Reeder und Speditionen nach verlässlichen Alternativen bezüglich des Transportwegs.

Zwischen den israelischen Häfen Ashdod und Eilat existiert eine Ölpipeline der EAPC, das seit 2021 vermehrt zum Transport von Rohöl nach Eilat in Anspruch genommen wird, wie Recherchen der israelischen Tageszeitung Ha’aretz ergeben haben (2019: 0 Tanker, 2020: 5 Tanker, 2021: 10 Tanker, 2022: 11 Tanker, 2023: ca. 14 Tanker). Derzeit seien die Maximalmengen erreicht, daher werde über eine Ausweitung der Lizenz beraten. Die Untersuchungen haben allesamt ergeben, dass die Tanker leer ankommen und voll beladen das Terminal verlassen. Zalul hat dieses mit Fotos nachgewiesen. Auf MarineTraffic, einer globalen Website zur Sendungsverfolgung, finden sich Aufzeichnungen über die Ladung und das Entladen von Tankschiffen.

Das Energie- und das Finanzministerium unterstützen die Ausweitung der Ölmengen, die das Unternehmen über Eilat transportieren kann. Insider vermuten, dass das Umweltschutzministerium bei dem Treffen unter Druck gesetzt werden sollte, die Lizenz der EAPC zu erweitern und die Menge an Öl, die es transportieren kann, zu verdoppeln. Beamte des Umweltschutzministeriums, Wissenschaftler und Umweltaktivisten lehnen den Schritt entschieden ab. Darüber hinaus besteht wissenschaftlicher Konsens darüber, dass Gas, Öl und Kohle so schnell wie möglich aussteigen müssen, um die Klimakrise einzudämmen.

EAPC behauptet, dass die aktuelle Politik, die die Ausweitung ihrer Aktivitäten einschränkt, „ohne Zweifel die Energiesicherheit Israels beeinträchtigen wird“ und dass ein Teil des Öls, das im Rahmen des Abkommens mit den Vereinigten Arabischen Emiraten durch Eilat fließt, möglicherweise auch von der lokalen Wirtschaft genutzt wird. Nach Angaben des Unternehmens wirft die Lizenz in ihrer jetzigen Form „begründete Zweifel an ihrer Fähigkeit auf, Rohöl an Raffinerien in Haifa und Aschdod zu liefern, und die Lieferungen könnten innerhalb weniger Monate beeinträchtigt werden.“ Allerdings wurde das Öl, das letztes Jahr durch Eilat gelangte, nicht in Israel verbraucht, sondern nach Ostasien geschickt.

Der steile Anstieg der in Eilat anlegenden Tanker begann, nachdem EAPC eine geheime Vereinbarung mit Med-Red Land Bridge unterzeichnet hatte , einem Unternehmen im Besitz von Geschäftsleuten in den Vereinigten Arabischen Emiraten und Israel. Der Ölkonzern hat bestätigt, dass die Vereinbarung mit Med-Red bereits teilweise umgesetzt wird. Aufgrund der vom Staat auferlegten Vertraulichkeit des Projekts und der Aktivitäten der EAPC im Allgemeinen ist es unmöglich festzustellen, ob alle Tanker, die in Eilat anlegten, dies im Rahmen des Med-Red-Abkommens oder anderer Geschäftsaktivitäten taten.

Der offensichtliche Zweck des Abkommens besteht darin, die EAPC-Pipelines als landgestützte Ölbrücke zwischen Ost und West zu nutzen und so den Suezkanal zu umgehen, ohne den gesamten afrikanischen Kontinent zu umrunden. Der Vereinbarung zufolge sollen einige Tanker in Eilat ankommen und Öl entladen, das über eine Pipeline nach Aschkelon fließen soll, um dort auf Tanker verladen zu werden, die nach Westen fahren. Öl fließt auch in die andere Richtung durch die Pipeline: Tanker legen in Aschkelon an, um Öl zu entladen, das dann nach Eilat gepumpt wird. Von dort wird es auf Tanker verladen und nach Ostasien transportiert.

Beamte des Umweltschutzministeriums untersuchten die Auswirkungen des Med-Red-Abkommens nach seiner Unterzeichnung Ende 2020. Die damalige Ministerin Tamar Zandberg erklärte eine „Null-Zusatzrisiko“-Politik für den Golf von Eilat – was bedeutete, dass die EAPC-Lizenz nicht erweitert würde. Beamte des Umweltschutzministeriums unterstützen immer noch diese Position, die der derzeitige Umweltschutzminister Idit Silman teilt. Dem Umweltschutzministerium kommt eine besondere Schlüsselrolle zu, da die Überwachung der Bewegung von Tankschiffen seiner Überwachungsstation für Umweltverschmutzung in Eilat obliegt. Während die Zahl der in Eilat ankommenden Tanker zunimmt und EAPC auf eine Ausweitung des Betriebs drängt, warnt das Ministerium, dass die Überwachungsstation unter einem gravierenden Mangel an Personal und Ausrüstung leidet. Die Situation wurde als „kritisch“ bezeichnet.

In der Region Eilat befinden sich zahlreiche Attraktionen, unter anderen das Korallenriff, das sich bislang immer noch in einwandfreien Zustand befindet. Das in unmittelbarer Nähe befindliche „Dolphin Reef“ ist die Heimat von Delphinen und ein begehrtes Ausflugziel für israelische Gäste, die großen Wert auf eine intakte Umwelt legen. Dazu kommen zahlreiche Badestrände und einige Kitesurfer-Unternehmen.

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