Buchtipp: „50 Heilige Stätten in Israel“

"Ein spiritueller Begleiter für Heilig-Land-Reisen"

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Buchtipp: „50 Heilige Stätten in Israel“

Buchtitel "50 Heilige Stätten in Israel" aus dem Kunstverlag Josef Fink.

Buchtitel „50 Heilige Stätten in Israel“ aus dem Kunstverlag Josef Fink.

LINDENBERG (im) – Im Verlag Josef Fink ist ein Buch für christliche Reisende in Israel erschienen: „50 Heilige Stätten in Israel“ von Cornelius Roth. Es ist eine willkommene Bereicherung bei den vielen Reiseführern über Israel, weil die Bibel zu den Fakten der jeweiligen Orte in Kontext gesetzt wird und geistliche Anregung und Begleitung bietet. Die Inhalte lesen sich eingängig und sind in Daten über die Sehenswürdigkeit, einer Betrachtung aus geistlicher Sicht, Hinweise auf Bibelstellen und manchmal auch Meditationstexte gegliedert. Die Bilder von Br. Schüler sind qualitativ leider nicht hervorzuheben, aber tun dem positiven Gesamtbild wenig Abbruch.

Die 208-seitige Publikation im DIN A5-Format wird Christen, die Israel bereisen, einen guten Dienst erweisen, wenn sie sich auf die biblischen Zusammenhänge einlassen und keine „Touri-Tour“ durchführen. Im Grunde sollte dieses ohnehin Ziel eines Christen sein, wenn er die einstige Heimat Jesu bereist, um „sich dem Herrn nahe zu fühlen“ oder die Inhalte der Bibel durch Ortskenntnis erlebbarer zu machen. Dieses Fühlen sollte unbedingt mit Wissen und Inhalt unterfüttert sein und nicht ein Abhaken von Orten, an denen man gewesen ist und „das Wetter so schön gewesen sei“. Wie schon eingangs erwähnt, ist dieses Buch eine Bereicherung für den Reisenden, weil der Autor Cornelius Roth nichts beschönigt oder glorifiziert, sondern aus verschiedenen Perspektiven meist objektiv beleuchtet. Die Inhalte sind gut recherchiert, von Faktenseite nicht überladen, sondern gut gewichtet, um nicht völlig verkopft durchs Land zu ziehen. Es geht darum, die Orte mit einer geistlichen Tiefe zu erfüllen, was Roth ohne abgehobene Sprache sehr gut gelingt. Erfreulicherweise ist der Schwerpunkt auf christliche Stätten gelegt, was die Bezeichnung „spiritueller“ Begleiter (für Christen) rechtfertigt.

Roth führt den Leser an den See Genezareth, nach Bethlehem und Jerusalem mit Umgebung, den wichtigsten Regionen den Christentums in Israel. Darüber hinaus unter anderem nach Haifa, Akko, Jaffa und Caesarea maritima, sowie an die Taufstelle Qasr al-Yahud, Jericho und nach Hebron und im palästinensischen Gebiet. Erwähnt werden auch das Katharinenkloster und der Moseberg in Ägypten, was bekanntermaßen nicht israelischen Territorium ist. Kardinal Marx beschreibt im Geleit (vor dem Vorwort), wie fasziniert er von seinen Reisen ins Heilige Land gewesen sei. Er legt das Buch all denen Lesern ans Herz, die betend oder suchend unterwegs sind. Er schreibt weiter: „Es ist so wichtig – das ist auch die Botschaft dieses Buches – selbst ins Heilige Land zu pilgern.“ Wie recht er damit hat! Er ermutigt den Leser, geistlich und erfahrbar zu Pilgerinnen und Pilgern zu werden. Eine bessere Einleitung könnte es nicht geben.

Im Vorwort erklärt der Autor, dass jemand, der vor Ort auf den Spuren Jesu pilgerte, die Bibel danach „anders“ lesen werde. Es stimmt uneingeschränkt, zumal durch westliche Medien und auch Unerfahrene geprägte Meinungen direkt anders erfahren und revidiert werden können. Cornelius Roth stellt den Schwerpunkt seines Buches als Werkzeug der geistlichen Erbauung an den biblischen Stätten vor, ergänzt um andere wichtige Orte wie die Felsenfestung Massada am Toten Meer oder die Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem in Jerusalem. Er lege Wert auf eine praktische Anwendbarkeit des Inhalts, was meistens gelingt, wenn es sich nicht gerade um Orte außerhalb Israels oder in schwer zugänglichen Regionen des Landes dreht.

In Jerusalem widmet sich Roth zuerst dem Tempelberg, zwar heute muslimisch, aber geschichtlich an erster Stelle bezüglich dem Christentum. Danach folgt die Klagemauer, die jedoch nicht wie beschrieben die Westmauer des einstigen Jüdischen Tempels ist, sondern Überreste der westlichen Stützmauer, bei Juden kurz „kotel“ (Mauer) genannt. Der Tempel selbst ist komplett von den Römern im Jahr 70 n. Chr. zerstört. Die Einstimmung auf diesen Ort erfolgt durch Roth sehr einfühlsam und respektvoll, sehr hilfreich für Christen, die unnötige Distanz halten. Hier wird an Gottes Gegenwart erinnert, ihr gedacht, sie gelebt und erlebt, von Juden und Christen als Gäste. Erfreulicherweise stimmt Roth inhaltlich auf die Grabeskirche ein, die es dem Besucher ermöglicht, unvoreingenommen diesen wichtigen Ort des Christentums zu erleben. Es sollte noch erwähnt werden, dass in der Grabeskirche insbesondere an Ostern eine hochspirituelle Stimmung herrscht, und das rund um die Uhr ab Karfreitag. Weitere christliche Orte werden erwähnt und in die spirituelle Reise durch Jerusalem gekonnt eingebunden. Leider fehlt die Himmelfahrtkirche auf dem Ölberg, die es sicher auch einer Erwähnung wert wäre, zumal man vom Kirchturm aus einen außergewöhnlichen Blick über die Landschaft hat und sich so erst den körperlichen Strapazen einer Fußwanderung zu Jesu Zeiten bewusst wird. Wir wollen an dieser Stelle keine komplette Inhaltsangabe abgeben, sondern lieber auf den hervorragend zusammengestellten Inhalt des Buches verweisen, der sprachlich angenehm vermittelt wird.

Einige Schwachpunkte hat das Buch, die jedoch nicht überzugewichten sind, aber dennoch ein subtile Wirkung entfalten können. Einige Orte auf dem Gebiet der Palästinensischem Autonomiebehörde beschreibt Roth auch, erwähnt dabei allerdings nicht, dass man mit einem israelischen Mietwagen dort überhaupt nicht hinfahren darf und möglichweise durch dort wohnende Palästinenser angegriffen wird. Nach Nablus oder Jericho beispielsweise kommt man als Tourist von Jerusalem aus höchstens mit einem arabischen Bus oder Taxi oder halt zu Fuß, was zeitweise auch nicht ganz risikofrei ist. Junge Palästinenser lassen sich aufstacheln zu Gewaltaktionen gegen Juden und allem, was auf Israel hindeutet, vorzugsweise wenn es ein Auto mit israelischem Kennzeichen ist. Sprachlich ist der Autor manchmal bei „Palästina“, wie im Vorwort, auf Seite 153 oder der Karte auf der vorletzten Umschlagseite und lässt sich damit vor den politischen Karren der Palästinenser spannen. Wir gehen davon aus, dass es sich dabei um Unkenntnis beim Autor handelt. Palästina ist eine ehemalige Provinz des Osmanischen Reiches und war nie ein eigener Staat. Diesen fordern Palästinenser seit Arafat und bezeichnen das Gebiet der Palästinensischen Autonomiebehörde bewusst als Palästina, auch als Sinnbild für den Widerstand gegen Israel. Wer „Palästina“ für das Gebiet der Palästinensischen Autonomieregion verwendet, drückt damit aus, dass er mit den Palästinensern sympathisiert und gegen Israel ist. Jedoch steht auf der Titel des Buches richtigerweise „… in Israel“. Zudem ist auf der besagten Karte bei Golanhöhen der Zusatz „von Israel besetztes Gebiet Syriens“ zu lesen, was wiederum ohne weitere Erklärung verwendet wird und damit Israel als Besatzungsmacht darstellt. Dass jedoch Israel nach seiner Staatsgründung auf dem durch die UN zugestandenen Gebiet durch syrische Panzer ständig beschossen wurde, fehlt als Erklärung. 1967 war Israel gezwungen, seine Bürger um den See Genezareth zu schützen und eine Quasi-Sicherheitszone zu schaffen, die seit 1981 durch Friedenstruppen der UN überwacht wird. Der Leser wird also durch den Autor politisch einseitig beeinflusst, was nicht sein sollte.

Auf Seite 168 wird der Jordan mit der „Taufstelle Jesu“ beschrieben. Die drei Quellflüsse entspringen allerdings nicht allesamt in Israel, sondern nur der Banyas (Golan) im ursprünglichen Caesarea Philippi und der Dan im Dan Naturreservat. Der Snir entspringt im Libanon als Wazzani und wird dann zum Hasbani, der nach Grenzübertritt auf die israelische Seite Snir heißt. Schade, dass der Autor als Taufstelle Yardenit nicht erwähnt, die seit Jahrzehnten von Israel bestens gepflegt wird und das Wasser erheblich sauberer ist – und auch zum Baden und Taufen – weil es direkt aus dem See Genezareth kommt. Pedanten mögen meinen, dass es nicht die historische Stelle sei, an der Jesus getauft sei. Doch dieses weiß man auch nicht von dem Ort, der von Jordanien aus beworben wird.

Einen größeren sprachlichen Ausrutscher leistet sich Roth leider ausgerechnet bei Yad Vashem, der Holocaust-Gedenkstätte in Jerusalem. Der Leser weiß, was Roth sagen möchte, wenn dieser schreibt: „Wohl kein Ort in Jerusalem und in ganz Israel ist zugleich so beeindruckend, irritierend und beschämend wie die Gedenkstätte Yad Vashem […].“ Die Gedenkstätte ist nicht beschämend, sondern die Ermordung von mehr als sechs Millionen Juden durch die Nationalsozialisten und deren Sympathisanten. Roth fährt fort: „Gerade als Deutscher kann man an diesen Ort nur mit großer Beschämung gehen, […]“. Hier folgt Roth den üblichen Reden von Politikern, die die Deutschen insgesamt für die Ermordung der Millionen Juden vereinnahmt. Richtig ist aber, wie bereits erwähnt, dass es die Nationalsozialisten waren, die Juden massenweise hingerichtet haben. Bis 1933 gab es mehr als 500.000 deutsche Juden, die sich sehr wohl als Deutsche fühlten, aber nicht sich gegenseitig ermordet haben. Der Satz des Autos suggeriert allerdings auch, dass ich mich als Deutscher in Israel unwohl oder gar schuldig fühlen muss, was viele davon abhält, nach Israel zu reisen. Der sprachliche Umgang mit der Vergangenheit muss präzise erfolgen, wenn er nicht missverstanden werden soll. Übrigens findet man heutzutage bei Israelis Berlin als eine der Hauptreiseziele, neben New York, und der Vorbehalt gegen Deutsche ist schon längst überwunden auf israelischer Seite zu 99,9%. Ein israelischer Literat sagte, dass jeder Mensch in der Welt verantwortlich sei, solches Leid überhaupt zu verhindern. Der deutsche Besucher soll offenen Herzens nach Israel reisen, sich dort wohl fühlen, die Zeit genießen und vor allem leben, wie es die Juden machen.

Es wäre wünschenswert, wenn der Verlag, der im Namen „Kunstverlag“ trägt, die Bildqualität erheblich steigern könnte. In Wirklichkeit sind die Orte schöner und farbenprächtiger, als auf den Bildern zu sehen, die sicher auch nicht optimal bearbeitet wurden. Wahrscheinlich wurde seitens des Verlages hier eingespart, allerdings dabei die Wirkung von Bildern zu vernachlässigen. Die inhaltliche Aufbereitung ist insgesamt hervorragend und erhält von uns 4,5 von 5 Sternen. Angesichts des Verkaufspreises von 18,50 Euro und einem schmutzabweisenden, stabilen Einband – auch Papier und Typogrphie wurden gut eingesetzt – empfehlen wir „50 Heilige Stätten in Israel“ für Ihre nächste Reise nach Israel.

Buch-Informationen

„50 Heilige Stätten in Israel“

Ein spiritueller Begleiter für Heilig-Land-Reisen
Cornelius Roth (Text), Br. Petrus Schüler OFM u.a. (Fotos)
Verkaufspreis 18,50 Euro
208 Seiten, 115 Abb., Format 14,8 x 21 cm, 1. Auflage 2021, Kunstverlag Josef Fink, ISBN 978-3-95976-296-0
Bestellung direkt beim Verlag oder im örtlichen Buchhandel

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