Haifa

Haifa von den Ausläufern des Karmelgebirges aus betrachtet. (© Matthias Hinrichsen)

Haifa von den Ausläufern des Karmelgebirges aus betrachtet. (© Matthias Hinrichsen)


Haifa ist nach Jerusalem und Tel Aviv mit knapp 270.000 Einwohnern die drittgrößte Stadt Israels. Sie ersteckt sich vom größten Seehafen des Landes bis in eine Höhe von 475 Metern in die nördlichen Ausläufer des Karmelgebirges. In Haifa leben Menschen unterschiedlichster Religionen neben- und miteinander. Weihnachten, Rammadan und Channuka werden beispielsweise jedes Jahr im Dezember zusammen gefeiert. Die ursprünglich im Iran entstandene Bahá'í-Religion ist mit seinen Hängenden Gärten, die in dieser Form 2001 eröffnet wurden, der optisch größte Anziehungspunkt der Stadt und begehrtes Fotomotiv für Touristen.

Das Stadtgebiet erstreckt sich über drei Bebauungsebenen: die Unterstadt (haIr) mit den Hafenanlagen, großen Durchgangsstraßen und Bahnanlagen mit vorwiegend arbabischer Bevölkerung, die mittlere Stadt (Hadar haKarmel) mit Hauptgeschäftszonen und Verwaltungseinrichtungen, die 1920 entstand und der höchstgelegene Teil Haifas (Central Carmel, HarHacarmel) mit exklusiven Hotels, Restaurants und Wohngegenden. An der höchsten Stelle liegt die Unversität Haifa mit seinem markanten Hochhausturm.

Die Entstehung
Wo sich heute Haifa erstreckt, siedelten vor 60.000 Jahren bereits Neandertaler, wie Funde im Jahr 1983 ergeben haben. Der Standort des heutigen Haifa ist auf das 14. Jahrhundert v. Chr. zurückzuführen, als an der Mündung des Kischon Flusses eine Hafensiedlung entstand. In Talmudschriften wird Haifa erstmalig im 2. Jahrhundert n. Chr. erwähnt, in der Bibel jedoch an keiner Stelle. Aufgrund ungünstiger geographischer Bedingungen Haifas war das nahe gelegene Akko jahrhundertelang von größerer Bedeutung als Handelszentrum der Region. Im Jahr 1815 gab es lediglich 1000 Bewohner. Christliche Siedler der Tempelgesellschaft gründeten 1869 außerhalb des Ortes eine deutsche Kolonie. Ein war Segen für die Region, denn Handwerk, Landwirtschaft, Industrie, Gesundheits- und Transportwesen lebten auf. Mit dem neuen Hafen wurde Haifa für christliche Pilger zum Knotenpunkt des Heiligen Landes.

Der Aufstieg
Der deutsche Kaiser war, wie in Jerusalem, 1898 zu Besuch – aus diesem Anlass wurde eine zweite Mole gebaut. Haifa wurde 1905 an die berühmteste Eisenbahnverbindung des Nahen Ostens, die Hedschasbahn, angeschlossen, seinerzeit mit einer Verbindung nach Damaskus, 1918 zusätzlich nach Ägypten. Während des britischen Mandats, gelangten viele jüdische Flüchtlinge aus Europa nach Haifa, die vorwiegend am Karmel-Steilhang siedelten. In den 1930er Jahren wuchs die Stadt zum wirtschaftlichen Zentrum der Region heran, insbesondere durch die jüdischen Einwanderer.

Seit der Gründung Israels
Nach 1948, der Staatengründung Israels, zog die britische Armee ab, Zehntausende Araber verließen die Stadt, auch bedingt durch Angriffe auf palästinensische Zivilisten durch die zionistische Hagana. Der Zustrom jüdischer Flüchtlinge bis 1951 war gewaltig: bis zu 3.000 Menschen pro Woche. Weitere wichtige Eckdaten sind: 1963 Gründung der Universität, 1991 Integration von 40.000 russischen Juden, 2008 wird der Schrein des Bab (in den Bahai-Gärten) UNESCO-Weltkulturerbe.