Geburtskirche Bethlehem

Die Geburtskirche in Bethlehem im Inneren. (© Matthias Hinrichsen)

Die Geburtskirche in Bethlehem im Inneren. (© Matthias Hinrichsen)

Die Grotte im Untergeschoss der Geburtskirche in Bethlehem können Sie am schnellsten sehen, wenn Sie an einem Gottesdienst teilnehmen, der in der linksseitig gelegenen Katharinenkirche – die recht sauber ist – beginnt. Im Anschluss an diesen Gottesdienst in griechisch-orthodoxer Tradition wird die Gemeinde im Rahmen einer Prozession unter der Führung der Priester in die Geburtsgrotte im Untergeschoss geleitet, im Gefolge unendlich viele religiöse Menschen. Die Warteschlange am regulären Zugang ist teils unerträglich lang. Die niedrige Eingangstür sollte Wissenschaftlern zufolge den Zugang mit Tieren verhindern, mehr nicht.

Die geringe Höhe des Haupteingangs erfordert vom Besucher eine demütige Haltung. (© Matthias Hinrichsen)

Die geringe Höhe des Haupteingangs erfordert vom Besucher eine demütige Haltung, doch der wahre Sinn ist ein anderer. (© Matthias Hinrichsen)

In den niedrigen und engen Räumlichkeiten wird der oben begonnene Gottesdienst mit zahlreichen Gebeten und Ritualen weitergeführt und nach rund 15 Minuten beendet. Viele religiöse Menschen begeben sich danach zu dem 14-zackigen Stern, der die Stelle der Geburt kennzeichnen soll, um kniend zu beten oder den Stern zu küssen. Unübersehbar sind auch Schalen für eine Spende um den Stern drapiert – der Mammon gehört halt dazu, hat aber einen weiteren negativen Beigeschmack. In einem Halbbogen über dem Stern hängen 15 verschiedene Lampen. Sie sollen die jeweiligen christlichen Religionsgemeinschaften repräsentieren, auch wenn in der Kirche lediglich drei davon vertreten sind. Die orthodoxen Priester scheuchen die Besucher lautstark aus der Grotte, damit die nächsten nachrücken können. Das alles – wie ganz Bethlehem – wird einen gläubigen Christen erschrecken, weil es so wenig mit der Liebe Jesu zu tun hat.

Geburtskirche – Stall oder Höhle?

Die im deutschsprachigen Raum weit verbreitete Ansicht, dass es sich bei der Geburtsstelle Jesu um einen in unserem Kulturkreis bekannten Stall handelte, ist nach Ansicht von Wissenschaftlern sehr unwahrscheinlich. In dieser Region hielten nach deren Erkenntnis viele Hirten ihre Herden in Höhlen. Zudem gab es seinerzeit Häuser mit mehreren Etagen, in dem das Erdgeschoss als Stall für Tiere vorgesehen war, während das oder die Geschosse darüber als kombinierter Ess-, Schlaf- und Wohnraum genutzt wurde.

Vorplatz der Geburtskirche in Betlehem. (© Matthias Hinrichsen)

Vorplatz der Geburtskirche in Betlehem. (© Matthias Hinrichsen)

Geburtskirche – Historie

Die Kirche wurde im Jahr 333 an der Stelle errichtet, wo Jesus Christus nach Ansicht der damaligen Erbauer geboren sein soll. Dieser Ort sei bereits im 2. Jahrhundert als Geburtsstätte verehrt und stellt heute für religiöse Christen einen wichtigen Wallfahrtsort dar. Es ist kein archäologischer Nachweis erbracht, dass es sich wirklich um die Stelle oder den Ort handelt, an der Jesus geboren ist. Von daher ist es zwar ein Ort für religiöse Christen, gläubige Christen können getrost auf einen Besuch dieser Stätte verzichten.

Der 14-zackige Stern in der Grotte der Geburtskirche Bethlehem. (© Matthias Hinrichsen)

Der 14-zackige Stern in der Grotte der Geburtskirche Bethlehem. (© Matthias Hinrichsen)

Geburtskirche – Geburtsgrotte

Im Untergeschoss der Geburtskirche befindet sich die Geburtsgrotte. Diese wurde durch einen 14-zackigen Stern, der genau auf der Mittelachse der Kirche liegt, im Jahr 1717 durch die katholische Kirche geschmückt. Er trägt die Inschrift „Hic de virgine Maria Jesus Christus natus est“ (Übers.: Hier wurde Jesus Christus von der Jungfrau Maria geboren). Dadurch kam es zwischen den Konfessionen zu Auseinandersetzungen über die Verwendung des Gebäudes. Die Beteiligten einigten sich, dass der Hauptaltar und die rechten Seitenaltäre den Griechen gehören, zwei Seitenaltäre auf der linken Seite den Armeniern und den Katholiken der Dreikönigsaltar, der Stern unter dem Geburtsaltar, die Hieronymusgrotten sowie der Platz neben der Kirche. Dort errichteten sie an der Stelle einer früheren Kirche im Jahr 1881 die römisch-katholische Katharinenkirche.

1847 wurde der Stern entfernt, jedoch von Sultan Abdülmecid im Jahr 1852 neu gestiftet. Diese Handlung war einer der Gründe für den Ausbruch des Krimkrieges.

Geburtskirche – Fazit

Die Geburtskirche in Bethlehem zählt zu einem der bekanntesten Orte im Christentum, doch der Aufwand für eine Fahrt von Jerusalem dort hin lohnt sich nicht. Die Fahrt im Bus und das Passieren der Grenzkontrolle ist nervig, der Fußmarsch zur Kirche durch Menschenmassen ebenso, zumal Bethlehem nichts wirklich Attraktives zu bieten hat, sondern versucht, von den Israel-Besuchern mit minimalem Aufwand zu profitieren. Nicht selten wird man auf der Straße von Souvenirverkäufern teils aufdringlich angesprochen, dass es schon unangenehm ist. Die Sauberkeit ist vergleichbar mit Ost-Jerusalem und dem arabischen Teil der Jerusalemer Altstadt. Der „Höhepunkt“ in Bethlehem ist Weihnachten; dann wird der Platz vor der Geburtskirche mit allerlei blinkendem Tinnef behangen und kommerziell genutzt.

Besucherinformationen

Geburtskirche Bethlehem

Manger Platz, Bethlehem (Westjordanland)
Öffnungszeiten: täglich 6.30-12.00 und 14.00-19.30 Uhr (Sommer), 5.30-12.00 und 14.00-17.00 Uhr (Winter), Sonntagvormittag ist die Geburtsgrotte für Besucher geschlossen.
Eintritt frei
Telefon +972-02-2742425
Anreise von Jerusalem am besten mit einem arabischen Bus ab Busbahnhof beim Damaskustor, alternativ mit einem arabischen Taxi.

Geburtskirche Bethlehem