Dominus Flevit

Die Kapelle Dominus Flevit auf dem Ölberg. (© Matthias Hinrichsen)

Die Kapelle Dominus Flevit auf dem Ölberg. (© Matthias Hinrichsen)

Mittelalterliche Pilger identifizierten in der Nähe der heutigen Kapelle den Ort, an dem Jesus der Bibel nach über die Stadt Jerusalem weinte. Das Gelände war bereits 1881 durch die Franziskaner erworben. Dieses lag an einem Prozessionsweg, der vom Ölberg zur Grabeskirche führte und heute als Palmsonntagsweg bezeichnet wird.

Jesus weint über Jerusalem

Als Jesus sich der Stadt näherte und sie vor sich liegen sah, weinte er und sagte: »Wenn doch auch du heute erkannt hättest, was dir Frieden* bringt! Aber Gott hat dich blind dafür gemacht. Darum kommt jetzt über dich eine Zeit, da werden deine Feinde einen Wall rings um dich aufwerfen, dich belagern und von allen Seiten einschließen. Sie werden dich und deine Bewohner völlig vernichten und keinen Stein auf dem andern lassen. Denn du hast den Tag nicht erkannt, an dem Gott dir zu Hilfe kommen wollte.« (Lukas Kap. 19, Verse 41-44)

Quelle: Gute Nachricht Bibel, revidierte Fassung, durchgesehene Ausgabe, © 2000 Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart

 

Zeit zur Besinnung in Dominus Flevit. (© Matthias Hinrichsen)

Zeit zur Besinnung in Dominus Flevit. (© Matthias Hinrichsen)

Dominus Flevit – Neubau 1955

Im Jahr 1955 wurde nach den Entwürfen von Antonio Barluzzi eine Kapelle errichtet, die den Namen „Dominus Flevit“ erhielt, was übersetzt „Der Herr weinte“ bedeutet. Doch das war nicht der erste Bau an dieser Stelle. Davor durchgeführte Ausgrabungen ließen Fundamente eines Klosters und einer Kapelle aus dem 5. Jahrhundert erscheinen. Während der Ausgrabungen stießen die Bauarbeiter auf Reste von Mosaiken, die erhalten und in den Neubau integriert wurden. Entgegen seines üblichen konservativen Stils, entwarf er einen modernen Sakralbau in Form einer stilisierten Träne, die heutige Kapelle Dominus Flevit. Zudem hatte Barluzzi den Kirchbau nicht gen Osten, wie üblich, ausgerichtet, sondern in westliche Richtung.

Ausblick von der Kapelle Dominus Flevit auf Jerusalem. (© Matthias Hinrichsen)

Ausblick von der Kapelle Dominus Flevit auf Jerusalem. (© Matthias Hinrichsen)


Diese Ausrichtung ermöglicht vom Altarraum einen Panorama ähnlichen Blick auf das historische Jerusalem, insbesondere den Tempelberg. In der Westwand hinter dem Altar befindet sich ein sehr berühmtes Foto- und Postkartenmotiv: Hinter dem Rundbogenrahmen mit den markanten Streben eines großen Fensters wird dem Besucher einen Ausblick auf die Altstadt Jerusalems und somit weitere religiöse Stätten des Christentums, des Judentums und der muslimischen Richtung.

Pilgergruppe im Garten von Dominus Flevit. (© Matthias Hinrichsen)

Pilgergruppe im Garten von Dominus Flevit. (© Matthias Hinrichsen)

Dominus Flevit – archäologische Funde

Um für die Kapelle Dominus Flevit ausreichend Platz zu schaffen, wurde auch ein Friedhof fast vollständig eingeebnet. Übrig blieben einige Gräber als Zeitzeugen, die als Beispiele für verschiedene Typen der jeweiligen Epochen dienen sollten. Gleich hinter dem Eingang zum Areal Dominus Flevit sind rechter Hand Überreste einer jüdischen Nekropole. Die Gräber wurden nachweislich in drei Epochen genutzt: 1.600-1.300 v.Chr. (Spätkanaanitische Periode), 100 v.Chr.-135 n.Chr. (Nekropole) und etwa 200-400 (Bogennischengrab, byzantische Periode). Die Inschriften sind teils mit hebräischen Inschriften, andere auf Aramäisch und die jüngsten in Griechisch. So finden sich dort stille Zeugen vergangener Bestattungen.

Der Architekt und italienische Franziskaner-Mönch Barluzzi entwarf in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts mehrere Kapellen und Kirchen für die Franziskanische Kustodie des Heiligen Landes, unter anderem die Kirche der Seligpreisungen.

Besucherinformationen

Dominus Flevit

Palmsonntagsweg, Jerusalem (Ölberg Mitte)
Zugang über den Palmsonntagsweg (Weg zwischen Aussichtsstelle Ölberg und Garten Getsemane)
Öffnungszeiten: täglich 8.00-11.45 und 14.30-16.45 Uhr (ganzjährig)
Bekleidung: Schultern und Knie bedeckt
Gottesdienste für Gruppen: bei Voranmeldung, max. 45 Minuten
Prospekte in mehreren Sprachen (gegen eine geringe Gebühr)
Toiletten vorhanden, Spende erwünscht
Fototipp: Aus dem vorderen Kirchenfenster beim Altar auf den Ölberg
Eintritt frei

Dominus Flevit