„Gospel Trail“ gegen das Original „Jesus Trail“
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„Gospel Trail“ gegen das Original „Jesus Trail“

Logo des Gospel Trail auf einen Stein. (© Matthias Hinrichsen)

Logo des Gospel Trail auf einen Stein. (© Matthias Hinrichsen)

NAZARETH (im) – Am 1. Dezember wurde offiziell der Gospel Trail, der Evangeliums-Pfad, von Nazareth nach Kapernaum durch das israelische Tourismusministerium eröffnet. Das ist verwunderlich, denn die Eröffnung erfolgte bereits im April dieses Jahres. In der Folge berichteten diverse Medien, vorwiegend in Nordamerika darüber und auch das IsraelMagazin hatte den Pfad unter der Rubrik „Trails“ aufgenommen. Was also steckt dahinter?

Auf der Karte des "Gospel Trail" im Maßstab 1:150.000 ist die Ähnlichkeit der Wegführung zu erkennen; zudem sind Anfangs- und Endpunkt identisch. (© Gospel Trail)

Auf der Karte des "Gospel Trail" im Maßstab 1:150.000 ist die Ähnlichkeit der Wegführung zu erkennen; zudem sind Anfangs- und Endpunkt identisch. (© Gospel Trail)

Findige Israelis hatten vor vier Jahren des „Jesus Trail“ aus der Taufe gehoben und schnell den Namen im touristischen Ausland etabliert. Videos wurden gedreht und sind auf YouTube veröffentlicht, GPS-Daten können auf der Internetseite heruntergeladen werden, es gibt Komplett-Pakete von der einfachen Übernachtung im Mehrbettzimmer bis zur Luxuxvariante mit Gepäcktransport und Einzelzimmer. Amerikanische Medien berichteten sehr gerne über diesen Wanderweg, der zwei bedeutende Orte zu Jesu Zeiten verbindet, Nazareth, wo er aufwuchs, und Kapernaum, wo einige seiner Jünger herstammten. Die Gesamtstrecke von rund 65 Kilometern ist überschaubar und in fünf Tagen zu bewältigen.

Das alles hat offensichtlich das israelische Tourismusministerium sehr gewurmt, dass es nicht ihre eigene Erfindung gewesen ist. Also erfanden sie den „Gospel Trail“, den Evangeliums-Weg, der ebenfalls von Nazareth nach Kapernaum führt – wie auffällig! Das Ministerium duldet offensichtlich keine Konkurrenz auf dem touristischen Sektor, kopiert die erfolgreichen Ideen anderer, und so verbreiten sie mit aller Macht die Eröffnunghymne vom „Gospel Trail“, wenn es sein muss, auch zweimal pro Jahr. Das ist schade, weil die ursprüngliche Idee nicht vom Ministerium kam und sich Israelis auf privater Basis äußerst engagiert um den Ausbau gekümmert haben, und es rückt die Beamten um den israelischen Tourismusminister in eine zweifelhafte Ecke. Überdies ist der Begriff „Evangeliums-Weg“ für Gläubige irreführend, da sich in den Evanglien keine Belege für diesen Weg oder die Wegführung befinden. Wie dem auch sei, als Besucher des Landes kann man beide Wege unentgeltlich benutzen und die Natur der Heimat Jesu genießen, und letztlich kommt es genau darauf an.

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