Knesset – Chagall-Saal (Teppiche und Mosaike)

Chagall-Saal in der Knesset Jerusalem.

Der Chagall-Saal in der Knesset in Jerusalem. (© Matthias Hinrichsen)

In der Knesset, dem israelischen Parlament in Jerusalem, liegt rechter Hand der Chagall-Saal, der vorzugsweise für feierliche Zeremonien benutzt wird. Er ist mit drei überdimensionalen Wandteppichen, 12 Boden-Mosaiken und einem Wand-Mosaik, sämtlich von dem jüdischen Künstler Marc Chagall entworfen, ausgestaltet. Besucher können die Kunstwerke während einer Führung, die in vielen verschiedenen Sprachen angeboten wird, besichtigen und fotografieren.

mittlerer Teppich im Chagall-Saal

Der mittlere Teppich im Chagall-Saal in der Knesset, Jerusalem. (© Matthias Hinrichsen)

Chagall-Saal – drei Chagall-Wandteppiche

Die Wandteppiche zeigen biblische und moderne Themen aus der Geschichte des jüdischen Volkes. Kadish Luz, damaliger Parlamentspräsident der Knesset, beauftragte in den 1960er Jahren den jüdischen Künstler Marc Chagall mit der Gestaltung aller künstlerischen Elemente. Die Auftragsarbeit benötigte vier Jahre, und weitere vier Jahre die Produktion der Teppiche in Frankreich. Die Arbeit ist ein Bild aus drei Teilen, ein sogenanntes Triptychon, wobei jedes der Teile als Teil des Ganzen, aber auch als separate Einheit betrachtet werden kann. Chagall entwarf sie als poetischen Ausdruck des Schicksals des jüdischen Volkes entworfen. Der mittlere Wandteppich misst 9,50 x 4,80 Meter, die beiden äußeren jeweils 5,50 x 4,80 Meter, alle drei zusammen bedecken die gesamte Wand. Ursprünglich waren farbige Fenster ähnlich derer im Hadassah-Krankenhaus in En Kerem geplant, doch Chagall schlug Teppiche vor, obwohl er über keine Erfahrung mit diesem Material hatte.

Chagall-Saal – zentraler Chagall-Wandteppich

Der zentrale, mittlere Wandteppich drückt die Verbindung zwischen dem Volk Israel und seinem Gott aus und die Sammlung des Volkes Israel aus dem Exil. Während der Übergabe der Gesetzestafeln und während der Reise des Menschen in das gelobte Land ist Moses die zentrale Figur in diesem Wandteppich und zweimal abgebildet. Der Gobelin beschreibt verschiedene Ereignisse aus der Geschichte des Volkes Israel in der Diaspora, von der Ausfahrt aus Ägypten zu einer Beschreibung des brennenden Dorfes (nach Erklärung eines Guides in der Knesset handele es sich hier um ein Progrom im Jahr 1946 in Polen), im Holocaust sowie den Priester Aaron, mit Blick auf die sieben Stämme. Der Leuchter symbolisiert den Tempel. Daneben spielt König David die Harfe und hinter ihm steht die Braut – die Jungfrau Israel – ein wiederkehrendes, zweideutiges Thema bei Chagall.

linker Wandteppich Chagall-Saal Knesset Jerusalem

Im linken Wandteppich hat Chagall die Gegenwart des Volkes Israel dargestellt. (© Matthias Hinrichsen)

Chagall-Saal – linker Chagall-Wandteppich

Der linke Wandteppich beschreibt Jerusalem als Mittelpunkt der jüdischen Erfahrung in seiner Geschichte. Die drei Motive in diesem Wandteppich sind: Das biblische Motiv mit David, Ruth und Boas, und die Geschichte der Spione sowie das Motiv der Rückkehr nach Zion in der neuen Ära, beschrieben durch die Spione. Pioniere und Erbauer des Landes, sowie religiöse Motive, die sich mit den jüdischen Feiertagen und der Pilgerfahrt beschäftigt, werden ebenfalls thematisiert.

Rechter Wandteppich Chagall

Rechter Chagall-Wandteppich, der die Zukunft des jüdischen Volkes darstellen soll. (© Matthias Hinrichsen)

Chagall-Saal – rechter Chagall-Wandteppich

Im rechten Wandteppich ist Jakobs Traum dargestellt, die Offenbarung auf dem Berge Sinai, die Opferung Isaaks – das ist der erste Bund zwischen Israel und seinen Gott – und die Prophezeiung des Propheten Jesaja: „Die Wölfe werden bei den Lämmern wohnen und der Leopard wird sich hinlegen mit dem Kind, dem Kalb und dem jungen Löwe und dem Mastvieh zusammen, und ein kleiner Knabe wird sie führen „(Jesaja 11,6).

Chagall-Saal – Chagall Fußboden-Mosaike

Zwölf Mosaike, Intarsienarbeiten von italienischen Künstlern, sind in den Boden eingelassen für die 12 Stämme Israels. Die Mosaike sind auf der gesamten Bodenfläche verteilt und enthalten nicht-geometrische Formen. Das Material ist aus lokalem Jerusalemstein, die meisten von ihnen in hellen Farben, mit Ausnahme des schwarzen Basaltsteins.

Die wichtigsten Themen in diesen Mosaiken sind: Vögel als Symbol der Freude und des Lebens, eine ausgestreckte Hand zur Begrüßung, ein Kalb für Jugend und Unschuld, eine Menora als jüdisches Symbol und Erinnerung an Shabbat, ein Horn mit einem Fisch erinnert an die jüdischen Feiertage, ein Davidstern und Früchte des Landes als Symbole der Fruchtbarkeit und viele Blumen sowie der Kopf eines Hahns, ein Standardthema in den Werken von Chagalls als das Symbol der Liebe.

Wandmosaik im Chagall-Saal der Knesset

Das Wandmosaik im Chagall-Saal. (© Matthias Hinrichsen)

Chagall-Saal – Chagall Wand-Mosaik

Die Nordwand des Chagall-Saals ist mit einem großen Mosaik, angefertigt von italienischen Künstlern, bedeckt. In der Mitte erscheint der Engel der Erlösung, der seine Arme ausstreckt, um das jüdische Volk in der Diaspora in die Heimat zurückzurufen. Eretz Yisrael wird durch die Leuchter symbolisiert. Auf der rechten Seite des Mosaiks wird der Zustrom von Einwanderern nach Eretz Israel im Gefolge von Engeln gezeigt. Auf der linken Seite sieht man die Einwanderer betend an der Klagemauer. Im Hintergrund die Konturen der Jerusalemer Altstadt.

(Die Beschreibung wurde freundlicherweise von Orith Barnea Burla, die zwei Jahre als Knesset-Guide tätig war und Besucher das gesamte Parlamentsgebäude erklärte, zur Verfügung gestellt. Ergänzungen durch Matthias Hinrichsen.)

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