Tempelberg (Har haBáyit/al-haram asch-scharif)

Der Tempelberg in Jerusalem von der Altstadt aus gesehen. (© Matthias Hinrichsen)

Der Tempelberg in Jerusalem von der Altstadt aus gesehen. (© Matthias Hinrichsen)

Der Tempelberg ist ein Hochplateau in der Altstadt von Jerusalem, errichtet von Herodes vor rund 2000 Jahren. Dieser Ort ist für die drei Weltreligionen Judentum, Christentum und den Islam von herausragender Bedeutung. Auf Hebräisch heißt der Tempelverg Har haBáyit auf Arabisch al-haram asch-scharif.

Der Tempelberg aus der Luft. (GFDL)

Der Tempelberg aus der Luft. (GFDL)

Tempelberg – Bedeutung für Juden

Für Juden ist es der heiligste Ort, da dort der biblischen Überlieferung nach der Erste und Zweite Tempel standen, für Christen hat der Tempelberg oder vielmehr der damalige Zweite Tempel die größte Bedeutung, da beim Tod Jesu am Kreuz der Vorhang zum Heiligsten zerriss und den Weg für alle Menschen zu Gott eröffnete. Für Muslime ist der vom Felsendom umschlossene Fels der Ort, von dem ihr Prophet Mohammed die Reise in den Himmel angetreten habe wie es im Koran beschrieben ist.

Tempelberg – Politikum

Der Tempelberg ist ein Politikum höchsten Grades. Muslime streiten vehement ab, dass an der Stelle, wo heute der Felsendom steht, jemals die jüdischen Tempel gestanden haben. Nun könnte durch Grabungen nachgewiesen werden, wer Recht hat, doch die Moslems gestatten dieses nicht. Streng orthodoxe Juden beten regelmäßig an der Klagemauer für den Aufbau des Dritten Tempels. Einige würden am liebsten die Moslems vom Tempelberg vertreiben und den Felsendom einebnen. Aber so einfach geht Politik nicht. Nachdem israelische Truppen 1967 unter Moshe Dayan den Tempelberg eingenommen hatten, entschloss sich Dayan dazu, seine Truppen wieder abzuziehen, aus politischen Erwägungen. Einige Juden möchten heutzutage den Dritten Tempel errichten und ihn dann für Juden, Christen und Muslime gleichberechtigt zugänglich machen, damit jeder und in friedlicher Koexistenz seinen Glauben in diesem Tempel leben kann.

Der Tempelberg vom Ölberg aus gesehen. (© Matthias Hinrichsen)

Der Tempelberg vom Ölberg aus gesehen. (© Matthias Hinrichsen)

Tempelberg – Ursprung

Um 1000 v. Chr, eroberte König David Jerusalem und ernannte sie zur Hauptstadt der Israeliten. Er wählte den Berg als Standort des Ersten Tempels, in dem sich auch die Bundeslade befand (2. Samuel 24,18-25). 957 v. Chr. wurde der Tempel durch seinen Sohn König Salomo fertiggestellt. In dem nach der Thora vorgegebenen Maßen errichteten Tempel befanden sich der Bibel nach die Bundeslade mit den Zehn Geboten. Diese war im „Allerheiligsten“, das der Überlieferung nach nur einmal im Jahr durch den Hohepriester betreten werden durfte. Es galt als Symbol für Gott als wahres Heiligtum.

Tempelberg – erster und zweiter Tempel

586 v. Chr. wurde der Erste Tempel durch Nebukadnezar II. zerstört, der Jerusalem erobert hatte und das jüdische Volk nach Babylonien entführte. Nach der Rückkehr in Freiheit errichteten die Juden an gleicher Stelle den Zweiten Tempel, der 516 v. Chr. fertiggestellt werden konnte und Gottes Volk als neues Zentrum ihres Glaubens diente. Gut 500 Jahre später, Herodes war damals Herrscher über die Region, ließ er den alten Tempel abreißen und einen neuen, wesentlich größeren bauen. Es ist überliefert, dass er dieses Bauvorhaben erst umsetzen konnte, nachdem sämtliche Steinblöcke, die dafür benötigt wurden, produziert sein mussten; die Juden trauten Herodes nicht, doch in diesem Fall hielt er sein Versprechen.

Modell des Zweiten Jüdischen Tempels, der von Herodes errichtet wurde. (© Matthias Hinrichsen)

Modell des Zweiten Jüdischen Tempels, der von Herodes errichtet wurde. (© Matthias Hinrichsen)

Tempelberg – Tempelzerstörung durch die Römer

70 n. Chr., die Juden hatten sich gegen die römischen Besatzer gestellt, vernichteten diese den Tempel bis zu den Grundmauern. Noch heute sich die großen Felsblöcke im Archäologischen Garten an der Klagemauer zu sehen. Die Klagemauer selbst ist heute für Juden der wichtigste religiöse Ort, da sich dieser Teil – der Tempelberg darf von ihnen nicht betreten werden – am nächsten zum ursprünglichen Standort des einstigen Tempels ist. Es handelt sich bei der Klagemauer (Westmauer) um eine Stützmauer des ursprünglichen Tempelplateaus, nicht um eine Mauer des Tempels selbst.

Der Felsendom auf dem Tempelberg.  (© Matthias Hinrichsen)

Der Felsendom auf dem Tempelberg. (© Matthias Hinrichsen)

Tempelberg – darunter

Unter der Tempelbergplatte befinden sich riesige Gewölbe. Einige davon sind bekannt als Pferdeställe Salomons. Die ansässigen molemischen Geistlichen lassen die Räume seit einigen Jahren von „Schutt“ befreien, um eine unterirsische Moschee zu errichten. Fachleute warnen jedoch seit Längerem vor der Gefahr des Einsturzes. Vor einigen Jahren hatten Araber den „Schutt“ nachts und scheinbar unbemerkt entsorgt und ihn wenige hundert Meter davon abgeladen. Israelische Archäologen waren schockiert, weil sich – wie zahlreiche Funde bestätigen – Nachweise jüdischer Existenz noch weit vor der Errichtung des Felsendoms in diesem „Schutt“ befanden. Heute können Einheimische und Touristen den Fachleuten beim Suchen nach den Schätzen jüdischer Vergangenheit helfen. Mehr dazu in unserem Beitrag „Archäologische Schätze des Tempelbergs sieben“

Al-Aqsa-Moschee. (© Matthias Hinrichsen)

Al-Aqsa-Moschee. (© Matthias Hinrichsen)

 

Von einem Besuch des arabischen Teils der Jerusalemer Altstadt und dem Tempelberg wird derzeit aus Sicherheitsgründen abgeraten!

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