Israel-ABC: Was wird aus Gebetszettel in der Klagemauer?

08.10.2011 (20:30) von | Kategorie: Israel-ABC
Zwischen die Ritzen der Klagemauer werden jährlich Zehntausende Gebetszettel geklemmt, die zweimal jährlich entfernt und auf dem Ölberg begraben werden. (© Matthias Hinrichsen)

Zwischen die Ritzen der Klagemauer werden jährlich Zehntausende Gebetszettel geklemmt, die zweimal jährlich entfernt und auf dem Ölberg begraben werden. (© Matthias Hinrichsen)

JERUSALEM (im) – Zweimal pro Jahr findet die Prozedur statt: Gebetszettel, die rund 100 Einkaufstüten füllen, werden am Sonntag vor dem jüdischen Neujahrsfest Rosh haShana von Rabbiner Schmuel Rabinovitch und zahlreichen Helfern aus den Ritzen der Klagemauer entfernt. Die Gebetszettel werden anschließend ungelesen auf dem Ölberg begraben, da nach jüdischem Gesetz nichts verbrannt werden darf, auf dem der Name G’ttes steht. Unter den Zetteln, die in die Mauerritzen gesteckt werden, befinden sich hin und wieder auch Barschecks. Es ist nicht bekannt, ob diese als solche erkannt werden und bei der Bank eingelöst werden können, denn es kann schon mal vorkommen, dass ein fünfstelliger Betrag gespendet wird.

Unzählig viele Gebetszettel werden täglich in die Spalte der Klagemauer gesteckt. (© Matthias Hinrichsen)

Unzählig viele Gebetszettel werden täglich in die Spalte der Klagemauer gesteckt. (© Matthias Hinrichsen)

Diese Aktion ist notwendig, weil im Laufe von sechs Monaten Zehntausende von Gebeten auf kleinen und großen Zetteln in die berühmten Mauerspalten gezwängt werden. Vor Ort sieht man Zettel bis in eine Höhe von drei Metern stecken, damit sie nicht herausfallen. Sollten die Mauerspalten zu voll sein, fallen die Zettel mit den Gebeten auf den Boden, sodass vor der offiziellen Beseitigung schon einige auf den Boden fallen. Zum Entfernen verwenden die Rabbiner und ihre Helfer Stöcke, die vorher in einem Ritualbad gereinigt wurden. Vor zwei jüdischen Feiertagen, dem Passahfest und dem jüdischen Neujahrsfest Rosh haShanah, wird die Aktion durchgeführt.

Für Juden ist die „Kotel“, wie sie kurz genannt wird (Hebr. Mauer), der heiligste Ort weltweit, da es sich um Überreste des Zweiten Tempels handelt. Dort gibt es Bereiche für Männer und Frauen getrennt, denn dieses Gelände ist eine Synagoge, auch wenn sie in Teilen nicht überdacht ist. Männer erhalten beim Eingang, sollten sie keine Kopfbedeckung bei sich haben, eine Kippa aus Stoff zur kostenlosen Ausleihe. Die Klagemauer, wie sie von Nicht-Juden genannt wird, hat ganzjährig rund um die Uhr geöffnet. Besonders interessante Tag sind die großen jüdischen Feiertage, der Beginn eines Shabbats sowie Tagesbeginn und -ende, weil dann jeweils sehr viele Gläubige vor Ort sind.

 

Klagemauer

 

Kommentar schreiben