Israel-ABC: Unterwegs mit dem Mietwagen

14.05.2012 (19:23) von | Kategorie: Israel-ABC
Mietwagen Flughafen Ben Gurion

Mietwagen können bei Autovermietern im Flughafen Ben Gurion rund um die Uhr gemietet werden. (© Matthias Hinrichsen)

TEL AVIV (im) – Mietwagen sind das beste Verkehrsmittel für eine individuelle Reise durch Israel. Mit ihm kommen Sie selbst in die entlegensten Regionen und Orte, können nach Belieben verweilen und Reiserouten auswählen, und das alles zu recht niedrigen Preisen. Die Miete pro Tag für einen Mietwagen beginnt bei rund 25 Euro! Am sichersten und besten ist, den Wagen bei einem Reiseveranstalter oder -vermittler in Deutschland zu buchen. Drei Vorteile gibt es: Die Preise liegen unter denen in Israel, immer wieder werden Sonderkonditionen angeboten, wie zum Beispiel 6 Tage zahlen, 7 Tage mieten, und die Vertragsbedingungen sind auf Deutsch, was bei einem Schadensfall wichtig sein kann, weil die Formulierungen ohnehin schon recht schwierig zu verstehen sind.

Mietwagen – Schäden am Auto bei der Übernahme prüfen

Direkt vor Ort nehmen Sie zur vereinbarten Zeit den Wagen in Empfang. Überprüfen Sie auf jeden Fall das Fahrzeug penibel genau auf eventuelle Schäden, auch leichte Kratzer oder Dellen, besonders an den Felgen. Bei der Rückgabe des Autos wird nämlich auch sehr genau auf solche Schäden geachtet und Ihnen dann belastet, falls sie die Selbstbeteiligung nicht komplett ausgeschlossen haben. Am sichersten ist es daher, direkt bei der Autovermietung dieses Risiko gegen eine Gebühr von rund 10 Euro pro Tag komplett auszuschließen. Dann können Sie beruhigt den Mietwagen zurückgeben, ohne sich die ganze Zeit des Aufenthalts auf die Vermeidung von Schäden zu konzentrieren. Diese kommen meist nicht während der Fahrt, sondern eher, wenn Sie das Auto geparkt haben. Israelis nehmen es oft nicht so genau, wenn es um die Unversehrtheit anderer Fahrzeuge geht. Insbesondere auf Parkplätzen kann dieses geschehen, wenn jemand unbedingt in eine Parklücke möchte, die eigentlich viel zu eng ist. Da touchiert der Fahrer mit seinem Fahrzeug schon mal die Stoßstange Ihres Mietwagens und kümmert sich nicht weiter drum. So kommt allzu schnell durch einen Parkrempler eines anderen Fahrzeugs eine Schramme in das geliehene Auto. Ärgerlich. Die hinzugerufene Polizei kann dann auch nicht weiterhelfen, wenn der Verursacher nicht mehr vor Ort ist. Mietwagen haben für gewöhnlich zahlreiche Beschädigungen, auch wenn sie nicht besonders groß sind. Sie gehen mit dem Mitarbeiter einmal rund ums Auto, alle Schäden werden auf dem Mietvertrag vermerkt und los geht’s.

Wenn Sie ganz auf Nummer sicher gehen wollen, fotografieren Sie alle sichtbaren Schäden für eine eventuelle Diskussion bei der Rückgabe. Noch ein Tipp, falls Ihnen das Auto in einer dunklen Tiefgarage übergeben wird (zum Beispiel in Jerusalem, King David Street). Das Licht ist so schummrig, dass Sie erst nach Verlassen den Zustand wirklich gut erkennen können. Ist das gemietete Mobil in einem erbärmlichen Zustand, zögern Sie nicht, zur nächsten Niederlassung der Verleihfirma zu fahren und das Fahrzeug als unzumutbar reklamieren. Die Mitarbeiter werden sich um ein anderes Fahrzeug für Sie bemühen, bis Sie zufrieden sind. Die Übernahme am Flughafen Ben Gurion gestaltet sich als unproblematisch. Dort sind die Lichtverhältnisse Tag und Nacht einwandfrei und Sie können das Fahrzeug auf eventuelle Schäden ausgiebig checken.

Mietwagen – Klimaanlage und Automatik?

In Israel ist eine Klimaanlage im Mietwagen ein unbedingtes Muss. Einerseits liegen die Temperaturen von März bis November schon so hoch, dass sich der Innenraum merklich erhitzt, andererseits hat eine Klimaanlage auch die Funktion der Luftentfeuchtung. Besonders im Norden und am Mittelmeer ist die Luftfeuchte recht hoch, was sich auch im Fahrzeuginneren bemerkbar macht. Da hilft die Klimaanlage, ein verträgliches Klima zu schaffen. Auch wenn fast alle Fahrzeuge mit einer Klimaanlage ausgerüstet sind, sollten Sie diese beim Vertrag auf jeden Fall einschließen. Kühler ist erholsamer.

Fahrer von Automatik-Fahrzeugen in Deutschland müssen sich nicht mehr als Senioren bezeichnen lassen, dafür sind sie zu weit verbreitet und werden auch von Jüngeren gefahren. Und auch ein wesentlich höherer Kraftstoffverbrauch gehört der Vergangenheit an. Moderne DSG-Getriebe von Volkswagen und Audi sind sparsamer als sogenannte Schalter. Mit einem Automatikfahrzeug fahren Sie einfach entspannter. Und das könnte der Grund sein, warum die meisten Mietwagen – im Gegensatz zu Deutschland – mit Automatik-Getriebe ausgestattet sind. In Israel sind sie auch für Kleinwagen völlig selbstverständlich. Und so kommen Sie als Besucher des jüdischen Staates in den Genuss, für einen kleinen Aufpreis von nur ein oder zwei Euro, bequemer durch das Land zu reisen. Sie können sich auf den Verkehr konzentrieren und werden erstaunt sein, wie schnell sie sich an diese Art des Fahrens gewöhnt haben. Besonders beim „Stop and Go“ in den größeren Städten zahlt sich es aus, wenn Sie sich nicht mehr auf das Anfahrritual mit Gas-Kupplung-Spiel konzentrieren müssen. Wer es also nochmal bequem haben möchte, sollte sich diese Ausstattung gönnen.

Straßenkreuzung Jerusalem Tankstelle

Eine Straßenkreuzung in Jerusalem: Auf der gegenüberliegenden Seite befinden sich Ampeln. Weiter hinten ist eine Tankstelle. (© Matthias Hinrichsen)

Verkehrsregeln

Die Verkehrsregeln ähneln denen in Deutschland sehr. Wie in Deutschland wird auf der rechten Straßenseite gefahren, Verkehrsteilnehmer im Kreisverkehr haben Vorfahrt, an Ampelanlagen sind meist separate Lichtzeichen für Linksabbieger. Ampeln befinden sich an großen Kreuzungen immer auch auf der gegenüberliegenden Seite, was sehr angenehm ist, weil man sich in vorderster Reihe nicht mehr den Kopf verrenken muss, um die Ampel zu sehen (wie in Deutschland üblich). Von November bis April muss auch am Tag das Fahrlicht eingeschaltet werden. Es hat sich auch in Israel aber zwischenzeitlich durchgesetzt, dass auch in der restlichen Jahreszeit das Fahrlicht eingeschaltet wird. Sicherheitsgurte müssen grundsätzlich angelegt sein. In manchen Städten wie Tel Aviv sind in den letzten zwei Jahren zahlreiche Radwege entstanden, die von der Fahrbahn abgegrenzt sind. Als Autofahrer müssen Sie auf Fußgänger und Radfahrer, besonders in Großstädten besonders Acht geben, da diese manchmal etwas unbedarft sind, was die Einhaltung der Regeln anbelangt.

Eine Besonderheit gibt es beispielsweise bei Engstellen. Das beste Beispiel dazu ist Jerusalem. Fahrzeuge drängen aus mindestens zwei Richtungen auf eine Straße oder – noch viel schlimmer – an einer viel befahrenen Kreuzung hat sich ein Rückstau gebildet der jedes weitere Vorankommen unmöglich macht. Auch in Israel gibt es Verkehrsregeln, doch an der Anwendung hapert es zeitweise. Eine ungeschriebene Verkehrsregeln besagt, dass wer mit seinem Fahrzeug dem anderen gegenüber einen Vorsprung hat, darf zuerst fahren. Im Großstadtverkehr geht es dabei um jeden Zentimeter. In Deutschland würde jeder auf sein Vorfahrtsrecht beharren, notfalls mit der Hupe seinem Anspruch Nachdruck verleihen oder gar mit wüster Gestik dem anderen Verkehrsteilnehmer seinen Unmut vermitteln. Nicht so in Israel. Auch wenn der Kampf um jeden Zentimeter erbitterlich und taktisch geführt wird, so wird keiner ausfällig.

Parken und Verkehrsschilder

Bei blau-weiß markierten Bordsteinen zeigen einen kostenpflichtigen Parkplatz an; das Entgelt kann an einer Parkuhr oder einem Parkautomat entrichtet werden. Es gibt auch Parkplatz-Tickets, die in Postämtern gekauft werden können. In rot-weiß markierten Bereichen gilt Parkverbot. Fahrzeuge – auch Mietwagen -, die regelwidrig geparkt werden, können auch abgeschleppt werden. Daher sollten Sie ausschließlich in gekennzeichneten Bereichen oder auf ausgewiesenen Parkplätzen parken. Die Verkehrsschilder generell ähneln denen in Deutschland, die Straßennamen in größeren Städten sind meist dreisprachig auf Englisch, Hebräisch und Arabisch.

Geschwindigkeiten
Die Geschwindigkeit muss immer den Verkehrsbedingungen angepasst sein. Folgende Höchstgeschwindigkeiten gelten in Israel:
– in Ortschaften: 50 km/h
– auf Landstraßen mit je einer Fahrspur pro Richtung: 80 km/h
– auf Landstraßen mit je zwei Fahrspuren pro Richtung: 90 km/h
– Autobahn zwischen Tel Aviv und Jerusalem, RTE 1: 100 km/h
– Route 6, Trans-Israel-Autobahn: 110 km/h
Ein ungeschriebenes Gesetz sagt, dass man bis zu 20 Stundenkilometer schneller sein darf als erlaubt, so ein Polizist. Anders gesagt, man wird für diese Geschwindigkeitsüberschreitung nicht bestraft. Ein Autofahrer-Paradies, wenn man bedenkt, dass manche Gemeinden Autofahrer schon mit Bußgeldern belegen, wenn diese nur ein paar Kilometer zu schnell unterwegs waren. Israels Polizei und Behörden ticken da noch ganz anders und betreiben keine Abzocke oder Wegelagerei um ihre Kassen zu füllen.

Mietwagen – Straßenkarte oder Navi?

Natürlich können Sie klassisch per Straßenkarte navigieren, aber lohnt es sich wirklich? Die Gegend ist unbekanntes Terrain, die Straßenschilder manchmal nicht da, wo sie sein sollten oder die Ausschilderung schlicht und einfach verwirrend. Die bessere Alternative ist das mobile Navigationsgerät. Entweder Sie mieten sich eins bei der Autovermeitung für rund 4 Euro pro Tag oder kaufen sich eins in Israel, das mit deutscher Benutzerführung erhältlich ist. Der Preis dafür liegt bei rund 250 Euro, doch es gibt bessere Lösungen. Alternativen sind das Smartphone oder der Erwerb der Israel-Karte auf einem Extra-Datenträger. Mit Navi unterwegs zu sein hat einen sehr großen Vorteil: es entspannt ungemein!

Für alle, die ihr mobiles Navigationsgerät in Deutschland nutzen, empfiehlt es sich, eine Karte von Israel dazu zu kaufen. Besonders bewährt haben sich die Geräte von Tomtom. Schwierig wird es nur bei der Eingabe des gesuchten Ortes direkt am Navi. Tomtom bietet aber auch eine Online-Version an, sodass man schon zu Hause am Rechner die relevanten Orte eintragen kann. Diese werden dann auf das Gerät überspielt und stehen dem Fahrer direkt zur Verfügung. Die Spitzenmodelle von Tomtom liegen bei rund 300 Euro beim Online-Kauf, bieten dafür – neben einem großen Display – kostenlos alle Karten der Welt und unbegrenzte Nutzungsdauer.

Mietwagen – Tanken

Mancherorts erfolgt das Betanken mit Bedienung, aber die meisten Tankstellen sind mit Selbstbedienung. Dort ist der Preis niedriger. Gehen Sie vor der Betankung zur Kasse, sagen, dass Sie in bar tanken möchten. Dann werden Sie nach der Menge in Shekel gefragt, hinterher bezahlen Sie aber nur die wirklich getankte Menge. Mit etwas Verhandlungsgeschick und dem Vorzeigen seines Geldes, kann man ohne Limit tanken und anschließend bezahlen. Wenn Sie ein Navi haben, können Sie sich die Tankstellen anzeigen lassen und müssen nicht lange suchen.

Mietwagen – Fahrt in arabische Regionen

Einige Autoverleiher untersagen die Fahrt mit dem Leihwagen in die palästinensischen Autonomiegebiete. Ausgenommen ist hiervon die Straße 90, die vom Toten Meer zum See Genezareth führt. Auch von Jerusalem zum Toten Meer ist die Straße für Mietwagen erlaubt. Allgemein dürfen Sie mit dem gemieteten Auto auch nicht in die arabischen Nachbarländer fahren. Überprüfen Sie daher bei Vertragsabschluss diesen Passus oder besser, fragen Sie bei der Übernahme des Fahrzeugs, wohin Sie nicht fahren dürfen. Das kann Ihnen viel Ärger ersparen, falls es zum Schaden kommen sollte. Israel-feindliche Araber attackieren immer wieder Fahrzeuge mit israelischen Kennzeichen (sie unterscheiden sich von denen der Palästinenser) und verletzen die Insassen teils schwer. Als Tourist im Leihwagen besitzen Sie keinen Sonderstatus, der Sie vor möglichen Angriffen schützt. Schon alleine aus diesem Grund sollten Sie nicht in die palästinensischen Gebiete mit dem Mietwagen fahren. Alternative sind arabische Busse, die von Jerusalem aus in alle arabischen Regionen fahren.

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