Nachgedacht … über Weihnachten im Heiligen Land
|

Nachgedacht … über Weihnachten im Heiligen Land

Der "Weihnachtsmann" soll als Werbeträger in Jerusalem weihnachtliche Stimmung erzeugen. Für wen? (© IMOT)

Der „Weihnachtsmann“ soll als Werbeträger in Jerusalem weihnachtliche Stimmung erzeugen. Für wen? (© IMOT)

KOMMENTAR (im) – Es wurde mir als Kind beigebracht, so wie Millionen anderen Kindern meiner Generation auch, und den vielen der nachfolgenden Generationen, dass Schnee zu Weihnachten ein weihnachtliches Gefühl ergebe. Als wäre es das Natürlichste der Welt, dass weihnachtliche Stimmung erst dann weihnachtlich ist, wenn draußen Schnee liegt, in der Wohnung es nach Gebäck duftet und Lichterketten ihre Strahlen verteilen. Bei den meisten Menschen in Deutschland spielt sich Weihnachten wohl im Kopf ab. So wie sie es sich vorstellen, konditioniert durch die Kindheit und er so genannten Tradition. Die hellhäutige Jesus-Figur in der Kirche blickt meist leidend vom Kreuz herab oder hinauf als fast nacktes Baby aus einem Futtertrog aus Brettern. Irgendwann kam dann noch die Autoritätsfigur „Weihnachtsmann“ dazu … mit der Getränkewerbung eines US-Giganten der Brauseindustrie.

Im kommerziell geprägten Kanada – genauso wie in den USA – werden „Weihnachtsumzüge“ veranstaltet, mit riesigen thematisch gestalteten Wagen wie sie bei uns zu Karneval zu finden sind, zackige Fanfarenkapellen bringen die schaulustige Masse in Schwung, dazwischen Clowns, die Konfetti auf die Zuschauer niederregnen lassen (es ist wirklich so), großformatige Sponsorenbanner und natürlich auch ein überdimensionaler Eisbär, als soll dem Zuschauer vermittelt werden, mit C…C… lebt der Eisbär weiter und ist glücklich. Was das mit Weihnachten zu tun hat? Nichts! Aber mit Israel: Denn Weihnachten hat nicht dem „Weihnachtsmann“, Glühwein oder einem lieben, kleinen Jesukind zu tun – vor allem nicht in Jerusalem. Glühwein in der heutigen Form gibt es übrigens seit 1956, erfunden von Rudolf Kunzmann in seiner Ein-Mann-Weinkellerei in Augsburg. Zu allem Überfluss, oder sollte man sagen Überdruss, wirbt die Heilige Stadt Jerusalem zur Weihnachtszeit eben mit einem solchen „Weihnachtsmann“, der sich auf der Altstadtmauer räkelt, als sei er der Botschafter der Weihnachtszeit!

Das tatsächliche Heilige Land erstreckt sich über eine größere Fläche, als in den Grenzen des heutigen Israels. (Karte von 1759, gemeinfrei Wikimedia)

Das tatsächliche Heilige Land erstreckt sich über eine größere Fläche, als in den Grenzen des heutigen Israels. (Karte von 1759, gemeinfrei Wikimedia)

Selbstreflexion ist einer der schwierigsten Aufgaben im Leben eines Menschen, die wenigsten stellen sich dieser, die meisten ziehen die Bequemlichkeit vor und folgen Lemmingen gleich dem Mainstream, Hauptsache der Belustigungsfaktor hebt die gestresste Seele. Doch zumindest zu Weihnachten wäre es an der Zeit, dem Hamsterrad des Kommerzes zu entfliehen und über all das nachzudenken, was einem so eingetrichtert und vorgegaukelt wird. Das trifft man auch in Israel an, in Haifa genauso wie in Bethlehem oder Jerusalem. Ist das Heilige Land, wie Israel gerne bezeichnet wird, obwohl es über die Grenzen des heutigen jüdischen Staates hinausgeht, nämlich hinein bis nach Ägypten, Jordanien, Syrien und in den Libanon.

Christen stellen sich in bestimmten Situation gerne die Frage: Was würde Jesus tun? Auf die heutige Weihnachtslage Israels bezogen, könnte die Frage lauten: Was würde Jesus von all diesem Schnick-Schnack halten? Ich frage mich ernsthaft, warum die christliche Botschaft in der Heimat Jesu dermaßen ad absurdum geführt wird. Mit dem Judentum wird doch auch ernst- und gewissenhaft umgegangen. Warum nicht mit dem christlichen Weihnachten? Oder glauben die Verantwortlichen in Israel, dass die Christen deswegen zur Weihnachtszeit nach Israel kommen, um den gleichen unchristlichen Trubel zu erleben, gleich dem zu Hause? Fehlt nur noch, dass in Jerusalem zu Ostern der „Osterhase“ auftaucht!

Startseite