Israels Tourismus leidet massiv wegen Coronavirus Covid-19

09.03.2020 (14:36) von | Kategorie: Allgemein
Israelischer Krankenwagen. (Symbolbild © Matthias Hinrichsen)

Israelischer Krankenwagen. (Symbolbild © Matthias Hinrichsen)

JERUSALEM (im) – Die Besucherzahlen erreichten im letzten Jahr Rekordstände, binnen weniger Wochen folgt der Coronavirus-Schock, der besonders Israels Tourismus-Industrie erschüttert. Nachdem das neuartige Virus in der letzten Woche auch Israel erreichte, wurden drastische Maßnahmen ergriffen, unter anderem das Einreiseverbot für Menschen aus Deutschland, Österreich, der Schweiz und andere Länder. Zu diesem Zeitpunkt befand sich das Virus allerdings schon in dem jüdischen Staat – und richtet verheerenden Schaden im Tourismus an.

Das erste große Hotel, der Isrotel Tower in Tel Aviv, schließt vorübergehend aufgrund einem drastischen Einbruch der Gästezahlen, so die israelische Tageszeitung Jerusalem Post. Das Reiseportal Reisevor9 berichtet über Umsatzeinbrüche von 75 Prozent nach Auskunft von Norbert Fiebig, Präsident des Deutschen Reiseverbands (DRV) nach einer Befragung von 450 Mitgliedern. Die deutschen Fluggesellschaften sind von dem Einreisestopp Israels Ende letzter Woche kalt erwischt worden und waren vorher nicht informiert. EL AL erklärte am Dienstag, seine Flugrouten entgegen anders lautender Informationen aufrecht zu erhalten, “um die Flugverbindungen von und nach Israel für Passagiere und Fracht so gut wie möglich offen zu halten”.

Das Virus bringt die Weltwirtschaft extrem ins Wanken, der Ölpreis sackte am Montag um bis zu 30 Prozent ab, der Aktienbörsen der Welt schießen im Sturzflug in den Ausverkauf, alles befindet sich im Crash- und Krisenmodus. Und ein Ende ist nicht in Sicht. Niemand konnte in seinen kühnsten Vorstellungen solche Szenarien prognostizieren. Regierungen aktivieren Notfallpläne für die Wirtschaft, Regionen mit mehreren Millionen Menschen werden abgeriegelt, um eine weitere Ausbreitung des Coronavirus zu verhindern. Aber dass dieses ein vergeblicher Kampf zu sein scheint, deuten immer wieder neue Erkrankungen mit dem Virus in vorher unbelasteten Gegenden an.

In Israel stieg die Zahl der Infizierten am Sonntag auf 39, rund 25.500 Menschen befinden sich nach Angaben des israelischen Gesundheitsministeriums derzeit in Quarantäne. Doch dass die Sicherheitsmaßnahmen in Israel lückenhaft sind, zeigt das Beispiel eines Mannes, der per Zug vom Flughafen und später mit dem Bus nach Hause gefahren sein soll. Ministerpräsident Netanjahu ziehe in Erwägung, sämtliche Touristen, die ins Land kommen, in eine 14-tägige Quarantäne zu verbannen. Auslöser dürfte ein Amerikaner sein, der positiv getestet wurde. Des Weiteren wurde ein Italiener, der Israel besucht hatte, positiv getestet.

Mark Feldman, CEO von Ziontours in Jerusalem, beschreibt in der Jerusalem Post, wie das Szenario für Israel in diesem Jahr aussehen könnte: Ostern und Pessach werden öffentlich nicht stattfinden, im Sommer werden die ausländischen Touristen ausbleiben. Nur die Unternehmen mit Rücklagen werden überleben.

Verkehrsminister Bezalel Smotrich sagt laut Maariv: “Wir werden alles tun, um die Infektionsrate des Virus zu minimieren. Wir tragen eine große Verantwortung auf unseren Schultern und haben die Präventions- und Minimierungsschritte von Beginn des Ausbruchs an mit äußerster Ernsthaftigkeit behandelt.” Demnach werde der öffentliche Verkehr weiter aufrecht erhalten, jedoch unter verschärften Bedingungen. So werden Busfahrer mit Händedesinfektionsmitteln ausgestattet und seien angewiesen, die Fenster so weit wie möglich offen zu halten. Busfahrer müssten bei Unwohlsein dieses melden, um sich medizinisch überprüfen zu lassen.

Nach Angaben von Reuters sind mehr als 110.000 Menschen in 105 Ländern infiziert, über 3.800 Betroffene sind an dem Virus gestorben, mehrheitlich in China.

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