Die Mandelbäume blühen – Israel startet in den Frühling

07.02.2013 (17:51) von | Kategorie: Natur
Die Mandelbäume in Israel stehen in voller Blüte und kündigen den Frühling an. (© JenT/flickr CC BY-NC-SA 2.0)

Die Mandelbäume in Israel stehen in voller Blüte und kündigen den Frühling an. (© JenT/flickr CC BY-NC-SA 2.0)

HAIFA (ue) – Wenn noch alles kahl ist, mitunter in Jerusalem sogar Schnee liegt, zeigt der Mandelbaum seine Blüten, der Beginn neuen Lebens, und der Winter neigt sich dem Ende zu. In Israel und im Judentum ist er ein Symbol für neues Leben (nach dem Winter). Da der Mandelbaum als erster in Israel blüht, wurde nach das Datum von Tu bi Schvat – das Neujahrsfest der Bäume festgelegt.

Im Januar beginnt die Blüte in rosa (Bittermandel) und weiß (süße Mandel), beide Farben kommen bei den Wild- und Plantagenbeständen vor. Die Mandeln werden dann im April geerntet und sind die ersten Früchte im Land in dem Milch und Honig fließen. Nur die süße Mandel kann roh gegessen werden, denn die Bittermandel enthält einen Giftstoff der im Magen Blausäure bildet und somit hoch giftig ist. Tödliche Dosis: Etwa 5-10 Bittermandeln für Kinder und 50 für Erwachsene.

Mandelbäume tragen vereinzelt Bittermandeln von etwa 2 Prozent, aber dies ist gesundheitlich unbedenklich. Das gleiche Gift ist auch in den Steinen der botanischen “Mischpoche” Pfirsich, Aprikose, Nektarine Kirsche und Zwetschge enthalten, und deshalb sollten auch deren Steine nicht konsumiert werden. Bittermandelöl wird in der Lebensmittelproduktion als Aroma eingesetzt, nachdem die Giftstoffe durch Erhitzen entzogen wurden.

Die Mandel (Prunus dulcis) gehört zur Familie der Rosengewächse (Rosaceae). Sein Ursprungsgebiet ist wohl der östliche Mittelmeerraum, in Höhen von 500-1.500 Meter. Eine Unterscheidung zwischen wilden und gezüchteten Bäumen ist fast unmöglich, da auch eine Kreuzung stattfindet. Vermutlich werden Mandeln schon seit ca. 4.000 Jahren kultiviert.

    “Freunde, dass der Mandelzweig wieder blüht und treibt,
    ist das nicht in Fingerzeig, dass die Liebe bleibt?
    Dass das Leben nicht verging, so viel Blut auch schreit,
    achtet dieses nicht gering in der trübsten Zeit.
    Tausende zerstampft der Krieg, eine Welt vergeht.
    Doch des Lebens Blütensieg leicht im Winde weht.
    Freunde, dass der Mandelzweig sich in Blüten wiegt,
    das bleibt mir ein Fingerzeig für des Lebens Sieg.”

Schalom Ben-Chorin schrieb dieses Gedicht 1942 in seinem Exil in Jerusalem, und er nennt es „Das Zeichen“. Der Mandelbaum vor seinem Haus in war ihm während der Schoah „ein Zeichen für des Lebens Sieg”.

Auch in der Bibel ist der Mandelbaum (שקד) erwähnt: Jakob schälte den frischen Zweigen des Mandelbaums die Rinde ab (1 Mose 30,37). Auch als Jakobs Söhne nach Ägypten reisten, nahmen sie nach zwei Jahren Dürre Mandeln als Geschenke mit (1 Mose 43 11).

Botaniker diskutieren eifrig darüber ob die mandelförmigen Kelche der Menorah sich auf den Mandelbaum beziehen (2. Mose 25,33-34), oder vielleicht auf eine Salbei Art. Und aus Aarons Stab trieben zum Zeichen der Erwählung für das Priesteramt Knospen, Blüten und reife Mandeln (4. Mose 17,23).

Nicht zufällig ist es auch ein typisch jüdischer Familienname: Das Mandelbaum Tor in Jerusalem – benannt nach dem Grundstücksbesitzer an dem der Übergang zwischen Ost und West bis 1967 stattfand, oder der Schoah Zeitzeuge Henryk Mandelbaum.

Dass Mandeln nicht nur roh oder in Kuchen verzehrt werden können, zeigt die tonnenweise Produktion von Marzipan mit Mandeln als Hauptbestandteil. Und weil Marzipan das ganze Jahr über schmeckt, hier noch ein Rezept:
Zutaten: 250g Mandeln, 250g Zucker, 30g Rosenwasser (oder Amaretto, brauner Rum, Cognac), ½ Fläschchen Bittermandelaroma
Mandeln fein zermahlen bis Öl austritt, alle anderen Zutaten hinzufügen, nochmal mahlen und vermischen, danach luftdicht im Kühlschrank aufbewahren.

(Ushi Engel)

Ushi Engel ist lizensierter Tour-Guide in Israel.Die Autorin
Ushi Engel
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