2.700 Jahre alte Säulenkapitelle in Jerusalem

Möglicherweise von königlichem Bauwerk

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2.700 Jahre alte Säulenkapitelle in Jerusalem

Enthüllung der drei antiken Säulenkapitelle in Jerusalem.

Enthüllung der drei antiken Säulenkapitelle in Jerusalem. (© Yoli Shwartz/Israelische Altertumsbehörde)

JERUSALEM (im) – In Jerusalem wurden Säulenkapitelle aus der Zeit des Ersten Jüdischen Tempels entdeckt. Forscher gehen davon aus, dass das dazugehörige Bauwerk in der Zeit zwischen König Hiskia und König Josia entstand, nach der assyrischen Belagerung der Stadt im Jahr 701 v. Chr. Yaakov Billig, Direktor der Ausgrabung der Israelischen Altertumsbehörde (IAA), sagt: „Dies ist er erste Fund verkleinerter Modelle der riesigen protoäolischen Kapitelle, wie sie in den Königreichen Juda und Israel zu finden waren, wo sie über den Toren des königlichen Palastes verbaut wurden.“ Die antiken Kapitelle seien von der besten künstlerischen Qualität, die jemals in Israel gefunden worden sind. Der Ausblick an dem Fundort nahe der Armon Hanatziv Promenade in der Nähe des heutigen Trotner Parks ist zudem herrschaftlich, von dort aus hat man einen grandiosen Blick über die Gegend und seinerzeit über Davidstadt. Die Funde wurden gestern erstmals der Öffentlichkeit im Beisein des israelischen Kulturministers Hili Tropper vorgestellt.

Blick von der Armon Hanatziv Promenade auf Jerusalem, links der Tempelberg, rechts der Ölberg.

Blick von der Armon Hanatziv Promenade auf Jerusalem, links der Tempelberg, rechts der Ölberg. (© Matthias Hinrichsen)

Die Archäologen vermuten, dass es sich bei dem Gebäude um den ehemaligen „Kommissarpalast“ aus der Zeit des Ersten Tempels handelt. Demnach würde es sich um ein königliches Gebäude handeln und wäre äußerst selten. Nähere Erkenntnisse gäbe es im Laufe der weiteren Forschungen. Die Begeisterung der Archäologen ist überschwänglich, zumal die Säulenkapitelle als die schönsten und beeindruckendsten bezeichnet werden. Wer hatte das Privileg, in dem monumentalen Gebäude mit atemberaubendem Blick auf die Stadt David und den Tempel zu leben, die bei einer archäologischen Ausgrabung an der Promenade Armon Hanatziv (Kommissarspalast, auch als Gouverneurshaus bekannt) entdeckt wurde? War es einer der Könige von Juda oder war es vielleicht eine Jerusalemer Familie von Adel und Reichtum während der Zeit des Ersten Tempels? Das fragen sich die Forscher.

Die historischen Kapitelle in Jerusalem werden ausgegraben.

Die historischen Kapitelle in Jerusalem werden ausgegraben. (© Yoli Shwartz/IAA)

Bei den Ausgrabungen der IAA wurde eine seltene, beeindruckende und ganz besondere Ansammlung von mehreren Dutzend geschmückten architektonischen Steinartefakten entdeckt, die zusammen Teil eines prächtigen Bauwerks waren. An diesem Ort soll künftig ein Besucherzentrum entstehen, dort, wo einst das Haus des Künstlers Shaul Schatz stand. Die Ausgrabungen wurden vom Tourismusministerium der Stadt Jerusalem und der Ir David Foundation (Elad) finanziert. Die Ergebnisse werden in den kommenden Tagen in einer Ausstellung in der Davidstadt gezeigt, und ein Bericht über ihre Bedeutung wird online auf der Megalim-Konferenz veröffentlicht, die am kommenden Dienstag auf der Webseite der Stadt David stattfinden wird.

Illustration, wie das historische Gebäude ursprünglich ausgesehen haben könnte.

Illustration, wie das historische Gebäude ursprünglich ausgesehen haben könnte. (© Shalom Kveller, City of David Archives)

Die Steinartefakte bestehen aus weichem Kalkstein mit dekorativen Verzierungen. Unter den Funden befinden sich Kapitelle verschiedener Größen im Baustil „Proto-Äolisch“ – eines der bedeutendsten königlichen Baustile in der Zeit des Ersten Tempels und typisch für diese Zeit. Die Bedeutung dieses künstlerischen Motivs als Symbol für die Königreiche Juda und Israel veranlasste die Bank von Israel, auf die Fünf-Schekel-Münze des Staates Israel zu prägen. Die entdeckten Funde umfassen unter anderem drei komplette mittelgroße Steinkapitelle, aufwendige Fensterrahmen, darunter Balustraden aus stilvollen Säulen, auf denen eine Reihe von Kapitellen im protoäolischen Stil von winziger Größe angebracht sind.

Yaakov Billig mit zwei Säulenkapitellen des Fundes.

Yaakov Billig mit zwei Säulenkapitellen des Fundes. (© Yoli Shwartz/IAA)

Yaakov Billig, Direktor der Ausgrabung der Israel Antiquities Authority, erklärt: „Dies ist eine sehr aufregende Entdeckung. Dies ist er erste Fund verkleinerter Modelle der riesigen protoäolischen Kapitelle, wie sie in den Königreichen Juda und Israel zu finden waren, wo sie über den Toren des königlichen Palastes eingesetzt wurden. Die künstlerische Qualität dieser Kapitelle ist die bisher beste, und der Erhaltungsgrad der Gegenstände ist bemerkenswert.“ Billg gräbt seit 30 Jahren an dieser Stelle, aber solch einen herausragenden Fund hat er nie erwartet.

Es war eine große Überraschung, dass zwei der drei Säulenkapitelle übereinander vergraben wurden. „Zu diesem Zeitpunkt ist es immer noch schwierig zu sagen, wer die Kapitelle versteckt hat und warum dieses getan wurde. Aber es besteht kein Zweifel daran, dass dies eines der Geheimnisse an diesem einzigartigen Ort ist, das wir lösen wollen“, fügt Billig hinzu. Im Gegensatz zu den Kapitellen, die in ausgezeichnetem Zustand erhalten entdeckt wurden, ist der Rest des Gebäudes zerstört, wahrscheinlich bei der babylonischen Zerstörung Jerusalems 586 v. Chr. Die Überreste des Gebäudes seien wahrscheinlich abgerissen und abgebaut worden, um sie bei anderen Bauten einzusetzen. Nach Billigs Einschätzung weist das prächtige Bauwerk, das in der Zeit zwischen König Hiskia und König Josia erbaut wurde, auf die Wiederherstellung Jerusalems nach der assyrischen Belagerung und Zerstörungen der Stadt im Jahr 701 v. Chr. hin.

Die drei mächtigen antiken Kapitelle in Jerusalem

Die drei mächtigen antiken Kapitelle in Jerusalem. (© Shai Halevi/IAA)

„Diese Entdeckung, zusammen mit dem Palast, der zuvor in Ramat Rachel freigelegt wurde, und dem Verwaltungszentrum, das kürzlich von der IAA an den Hängen von Arnona freigelegt wurde, zeugt von einer neuen Wiederbelebung und einer Auferstehung der Stadt nach der assyrischen Belagerung. Wir entdeckten Villen und Regierungsgebäude in der Gegend außerhalb der Stadtmauern. Dies zeugt von der Erholung und der Entwicklung Jerusalems nach dem Ende der assyrischen Bedrohung“, sagte Billig. Der Minister für Kultur und Sport, Hili Tropper, sagte: „Ich bin glücklich über die Funde aus der Zeit der Könige von Juda. Die Entdeckung der Überreste des Gebäudes spiegelt die glorreichen Wurzeln des jüdischen Volkes und unsere reiche Vergangenheit hier in der Hauptstadt Jerusalem wider.“

Die Anerkennung des strategischen und panoramischen Charakters des Gebiets wurde auch etwa 2.600 Jahre später zum Ausdruck gebracht, als die britische Mandatsverwaltung dort ihren zentralen Regierungssitz errichtete, der als „Commissioner’s Palace“ (Armon Hanatziv) bekannt ist. Einige Jahrzehnte später wurde an dieser Stelle eine der berühmtesten Promenaden des Staates Israel errichtet, die Armon Hanatziv Promenade, von der aus man bis heute einen spektakulären Blick auf die Stadt David und den Tempelberg hat.

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