Nimm eine Bibel mit, bete zu Gott und geh‘ nicht über’s Wasser

von Yoav Friedman (veröffentlicht auf www.cafebabel.com)
übersetzt von Matthias Hinrichsen

Yaov beim Abseilen. (Foto: Yoav Friedman)

Bergsteigen in Israel. (Foto: Yoav Friedman)

Der weitgehend kostenfreie Eineinhalb-Monats-Pfad Israel National Trail (INT) durchquert Israel von einer Spitze zur gegenüberliegenden, führt durch Täler und über Berge, windet sich durch Städte, Wüsten und Wälder. Ich habe euch einiges zusammengestellt, die euch helfen sollen, sorgsam zu planen und euch auf eine körperlich anstrengende Herausforderung mit einigen Tipps vorbereiten sollen.

Israel ist ein kleines Land. Der Länge nach sind es nur 470 Kilometer und eine gute Tagesfahrt mit dem Auto. Aufgrund seiner geographischer Lage entlang der globalen Wüstenzone (25. Breitengrad), erfreut sich Israel verschiedener Klimazonen und dementsprechender Landschaften. Daher wirkt das Land größer als es tatsächlich ist. Diese Vielfalt war der Beweggrund, einen 940 Kilometer langen Wanderweg anzulegen. Der Israel National Trail wurde im Jahre 1991 angelegt. Empfehlenswert zur Wanderung sind Herbst und Frühling. Über 10.000 Menschen sind ihn bereits vollständig gegangen, weit mehr haben ihn teilweise absolviert.

Nicht Jesus nachahmen
Die Planer des INT wollten einen Wanderweg kreieren, der die Geschichte Israels von den Anfängen der Bibel bis heute erzählt. Er führt an zahlreichen Sehenswürdigkeiten vorbei, die eine besondere Bedeutung haben, zum einen für die Israelis zu anderen für diejenigen, die die Geschichte des Landes eine Herzensangelenheit ist wie Christen, Moslems, Juden, Pilger und Abenteurer. Die beeindruckendsten Orte des gesamten Weges sind die, an denen sich biblische Geschichten ereigneten. Zum Beispiel das Elah Tal, in dem David und Goliath gegeneinander kämpften oder die Felder nahe Zor’a, auf denen Samson mit den Löwen spielte. Ernsthafte Wanderer sollten die Bibel mitnehmen, um eine außergewöhnliche spirituelle Erfahrung zu machen.

Weite pur. (Foto: Yoav Friedman)

Scheinbar endlose Wege. (Foto: Yoav Friedman)

Der Pfad kann in drei Hauptsektionen unterteilt werden: nördliche, zentrale (welche die einwohnerreichste ist, mit westlich orientieren Städten) und die südliche. Aber die Route führt nicht durch die besetzten Gebiete in Judäa und Samarien, auch nicht auf den Golanhöhen entlang. Dankbarerweise ist die Wegstrecke auf Basis der politischen Situation gewählt und führt daher auschließlich durch Regionen innerhalb der israelischen Landesgrenzen. Der INT ist komplett sicher. Der Pfad durchquert Israel von Norden nach Süden, allerdings kannst du auch in umgekehrter Richtung gehen. Im Norden loszulegen ist ein leichter wie angenehmer Startpunkt. Der Shvil Israel, von dem jede Menge Geschichten existieren, von Menschen verschiedener Religionen aber auch von Touristen, ist gut zu wandern. Aber! Versuche nicht über das Wasser des Sees Genezareth zu gehen – es klappt nicht wirklich!

Eine Sehenswürdigkeit nach der anderen
Die historischen römischen Monumente, Theater, Straßen, Wassersysteme und Aquädukte bieten Einblicke in das Leben der damaligen Bewohner. Die Burgen, Wehranlagen und Festungen, die im Mittelalter von den Kreuzrittern erbaut worden sind und überwiegend im nördlichen Teil des Israel National Trails zu sehen sind, sind allesamt beeindruckend. Tel Aviv ist dann eine erfrischende und ungewöhnliche Unterbrechung (je nach Sichtweise, Anm. d. Red.). Die Stadt bietet Rund-um-die-Uhr-Partys, Straßenzügeendlose, mit Kneipen und Cafés bestückte , lange Strände, wunderschöne Frauen wo du auch hinsiehst und vieles Weltliche mehr. Wenn du der Stadt dann den Rücken zukehrst, gelangst du in das israelische Gebiet mit seinen biblischen Geschichten. Das ist der Beginn des Anstieges in Richtung Jerusalem, wo du endlich das sehen wirst, worüber jeder spricht: die Klagemauer, die El-Aksa-Moschee und die Kirche der Nationen.

Weit und breit nicht als Felsen. (Foto: Yoav Friedman)

Weit und breit nichts als Felsen. (Foto: Yoav Friedman)

Wenn du dich dann mit genügend Hummus gestärkt und direkt mit Gott gesprochen hast, gehe weiter in südliche Richtung. Die Geschichte dieses Landstriches flüstert dir der Wüstenwind ins Ohr. Der überwiegende Teil des israelischen Gebietes sind Wüstenregionen, die seinerseits wieder in Einzelgebiete unterteilt sind. Der Israel National Trail (INT) führt durch die meisten dieser Gegenden und lehrt Städtern in knappen Lektionen die Gewaltigkeit der Natur. Das Tote Meer liegt im östlichen Bereich der judäischen Wüste (…). Das kühle Klima der Jerusalemer Hochlage (800 Meter über N.N. – Anm. d. Red.) schlägt plötzlich in ein trockenes und heißes um – gleich einem Willkomensgruß an der Pforte zur Wüste. Von der judäischen Wüste aus gelangst du in den Negev, der größten Wüste in Israel. Dort siehst du die „Machteshim“, zwei riesige Erosionskrater, die es so nur in Israel gibt. Vom Negev aus geht es zum Arava, eine überwiegend nicht bewohnte Wüste, die in Richtung Eilat, dem südlichsten Punkt Israels, führt. In der Arava siehst du das Timna-Tal, wo König Salomons Bergbau-Minen gewesen waren. Kurz bevor du Eilat erreichst, auf dem Gipfel des Zfahot, wirst du das Rote Meer aus der Wüste auftauchen sehen.

Die „Engel“ des Israel National Trails
Der INT ist eine ganz besondere Erfahrung sozialer Art. Entlang des Pfads unterstützen die „INT-Engel“ (trail angel), meist Dorfbewohner der Region, die Wanderern mit allem, was sie benötigen, sei es Essen, Wasser oder Übernachtungsmöglichkeiten. Normalerweise ist dieses kostenlos, aber bezahle einen symbolischen Preis von 30-40 Shekel (6-8 Euro). Die „INT-Engel“ sind überwiegend Landwirte, die in Kibuzzim leben. Dieses ist eine einzigartige Siedlungsform, die an Gleichheit oder an isolierter Siedlungen in der Wüste glauben. Übernachtungen unter freiem Himmel oder in einem Zelt können ohne Probleme durchgeführt werden, da es äußerst selten regnet und die Nächte sehr warm sind. Auf jedem Streckenabschnitt des Pfads kannst du die Wanderung auch beenden und innerhalb weniger Stunden mit öffentlichen Verkehrsmitteln (Egged Busse – Anm. d. Red.) nach Tel Aviv zurückkehren. Bedingt durch die geringe Ausdehnung Israels, liegt alles relativ nahe beisammen. Mobiltelefon-Empfang ist ebenfalls in den meisten Regionen möglich. Einige Nationalparks verlangen Eintritt – ungefähr 15-25 Shekel. So musst du nur für das Essen und Trinken bezahlen. Habe keine Angst, alleine zu sein – es gibt einige soziale Netzwerke, in denen du Mitwanderer finden kannst. Ich seh‘ dich in Israel!

Weitere Informationen zum Israel National Trail (INT)

INT – allgemeine Informationen

INT Erfahrungsberichte

INT Ausrüstung

INT Pass

INT – preiswerte Unterkünfte

INT Trail Angels Norden

INT Trail Angels Süden