Kreuzfahrerstadt / Hospitaliter-Festung

Der Säulensaal ist der beeindruckendste und wurde als Speisesaal genutzt. (© Matthias Hinrichsen)

Der Säulensaal ist der beeindruckendste und wurde als Speisesaal genutzt. (© Matthias Hinrichsen)

Die bekannteste Sehenswürdigkeit in Akko ist zweifelsfrei die ehemalige Hospitaliter-Festung in der Kreuzfahrerstadt. Durch die hervorragend durchdachte und neu angelegte Ausstellung mit Artefakten und Informationen gibt sie einen zeitlichen Einblick in einen bedeutenden Zeitraum, das Mittelalter. Auch wenn sehr oft der Begriff Kreuzfahrerstadt und Kreuzfahrerfestung fällt, so war dieser historische Ort vor allem ein bedeutendes Zentrum der Hospitaliter, einem militärischen Mönchsorden, der Christen im Heiligen Land bei Krankheit betreute.

Artefakte, die bei Ausgrabungen der Festung gefunden wurden. (© Matthias Hinrichsen)

Artefakte, die bei Ausgrabungen der Festung gefunden wurden. (© Matthias Hinrichsen)

Kreuzfahrerstadt – historische Entwicklung

1104 eroberte König Balduin I. mit seinen Kreuzrittern die befestigte Stadt nach mehrwöchiger Belagerung. In Akko hatten sich aber nicht nur Kreuzritter niedergelassen, sondern nur sechs Jahre später folgten Hospitaliter. Sie erhielten Grundstücke und Gebäude als Spende – urkundlich 1110 erwähnt -, um sich der Pflege von Kranken im Heiligen Land zu widmen. Durch teilweise Zerstörung dieser Gebäude, mussten sie an anderer Stelle ein neues Zentrum errichten. Es entstand im Nordwesten Akkos und schloss sich an die Nordmauer an, urkundlich erstmals erwähnt 1141. Bis heute sind diese massiven, mittlerweile 875 Jahre alten Bauten erhalten und sind Teil der Kreuzfahrerstadt. Der Pilger Theodorich bezeichnete 1169 das Hospitaliterzentrum als „befestigtes und überaus beeindruckendes Gebäude, dem nur die Templerfestung gleichkomme“.

An dieser Stelle wirkten die Hospitaliter. (© Matthias Hinrichsen)

An dieser Stelle wirkten die Hospitaliter. (© Matthias Hinrichsen)

1187 verloren die Kreuzfahrer eine entscheidende Schlacht gegen die Muslime bei den „Hörnern von Hittin“ südwestlich des See Genezareth und somit auch Akko. Die christliche Bevölkerung musste fliehen, doch schon vier Jahre später konnten sie zurückkehren, weil König Richard Löwenherz Akko zurück erobern konnte. Jerusalem dagegen war nach dem dritten Kreuzzug nicht länger unter der Herrschaft der Kreuzritter, sodass Akko für die Hospitaliter an Bedeutung zunahm. Sie durften so ihr Zentrum in Akko weiter ausbauen, um die Kommandantur mitsamt ihrem Großmeister nach Akko zu verlegen. Bis ins 13. Jahrhundert dauerten die Bautätigkeiten an, die Ausdehnung war vertikal und horizontal. Bestehende Gebäude wurden aufgestockt und in dem neuen nördlich gelegenen Monmizar-Viertel entstanden weitere Gebäude.

Die gesamte Anlage steht als Model im Innenhof. (© Matthias Hinrichsen)

Die gesamte Anlage steht als Model im Innenhof. (© Matthias Hinrichsen)

Kreuzfahrerstadt – Gebäude und Räume der Hospitaliter

Insgesamt gibt es drei Hauptgebäude: Die Kommandantur mit den Rittersälen, die St. Johannes-Kirche südlich der Kommandantur sowie ein Krankenhaus südlich der Kirche, das noch nicht freigelegt ist. Im ehemaligen Krankenhaus ist heute das städtische Jugend- und Kulturzentrum beheimatet. Die von den Hospitalitern errichteten Gebäude verfügen über zahlreiche Räume und Säle, die mit dem Baustil der Kreuzfahrerfestungen vergleichbar sind. Nach der Rückkehr im Jahr 1191 erweiterten die Hospitaliter in Akko die Kommandantur und bauten einen neuen Komplex. Um einen Innenhof wurden zwei und dreigeschossige Gebäude errichtet, dazu noch unterirdische Räume sowie Zisternen und ein aufwändiges Abwassersystem. Bisher ist es den Archäologen gelungen von der gesamten Anlage alle außer den westlichen Flügel freizulegen, eine über Jahrzehnte andauernde akribische Arbeit.

Der zentrale Innenhof der Hospitaliter-Kommandantur. (© Matthias Hinrichsen)

Der zentrale Innenhof der Hospitaliter-Kommandantur. (© Matthias Hinrichsen)

Hospitaliter-Festung – Der zentrale Innenhof

Im 1200 m² großen zentralen Innenhof wurden ein Brunnen mit zwei Becken und ein weiterer Brunnen entdeckt. Diese sind nach Forschermeinung zur Versorgung mit Trinkwasser und als Waschplatz sowie für die Körperreinigung genutzt worden. Der Innenhof ist ringsum gesäumt von gothischen Bögen, die den eigentlichen Mauern vorgesetzt sind und den Rundgang zu den obereren Räumen trägt, die wiederum über eine markante Treppe zu erreichen sind.

Hospitaliter-Festung- Säulensaal (Speisesaal)

Es ist der beeindruckendste Saal im gesamten Komplex, der Säulensaal. Acht Spitzbogengewölbe, die auf drei massiven Säulen mit jeweils drei Metern Durchmesser abgestützt sind, ergeben diesen Raum mit zehn Metern Höhe. Forscher mutmaßen, dass er als Speisesaal des Ordens genutzt wurde. In einem weiteren Saal, der noch verschüttet ist, wird die Küche vermutet. Unterhalb des Säulensaals befindet sich ein System aus Zisternen und Leitungen, durch die der Speisesaal mit Trinkwasser versorgt werden konnte.

Das Gewölbe wird von Steinrippen getragen, die ihren Halt in Kapitellen finden. Sie sind direkt in die Mauer eingelassen und mit Schwertlilien (Fleur de Lys), Blumensträußen und Körbchen verziert. In einigen Gewölben finden sich Rosetten, die ebenfalls der Verschönerung dienten.

Der Gefangenensaal in der Kreuzfahrerstadt Akko. (© Matthias Hinrichsen)

Der Gefangenensaal in der Kreuzfahrerstadt Akko. (© Matthias Hinrichsen)

Hospitaliter-Festung- Gefangenensaal

Der Gefangenensaal liegt zweieinhalb Meter unter dem Niveau der anderen Räume. Außer einer Öffnung verfügt der Raum über keine Fenster oder natürliche Beleuchtung, ein wahrer Kerker also. In den Wänden zeugen quadratische Aussparungen davon, dass hier Metallhaken mit Ringen montiert waren, an denen die Gefangenen gefesselt wurden. Die sechs Kreuzgewölbe erreichen „nur“ eine Höhe von fünf Metern.

Der nördliche Saal in der Kreuzfahrerstadt Akko. (© Matthias Hinrichsen)

Der nördliche Saal in der Kreuzfahrerstadt Akko. (© Matthias Hinrichsen)

Hospitaliter-Festung – Der nördliche Saal

Der nördliche Saal umfasst sechs separate Säle, die jeweils durch Zwischenwände voneinander getrennt sind. Er ist überspannt mit einem zehn Meter hohen Tonnengewölbe, getragen von 3,5 Meter starken Außenmauern. Durch einen drei Meter breiten Durchgang gelangt der Besucher in den Säulensaal, nördlich gelangt man zum St.-Marien-Tor.

Der "Schöne Saal" diente wahrscheinlich zur Beherbergung von Gästen. (© Matthias Hinrichsen)

Der „Schöne Saal“ diente wahrscheinlich zur Beherbergung von Gästen. (© Matthias Hinrichsen)

Hospitaliter-Festung – Der Schöne Saal

Seinen Namen erhielt er von den Archäologen, die ihn entdeckt haben. Sie faszinierten die Verzierungen im Raum und an den Fenstern, auch wenn er auf den ungeübten Betrachter schlicht wirkt.

Besucherinformationen

Kreuzfahrerstadt / Hospitaliter-Festung Akko

Öffnungszeiten Sommer: Sa-Do und Feiertage 8.30-18.00 Uhr, Fr und vor Feiertagen 8.30-17.00 Uhr
Öffnungszeiten Winter: wie im Sommer, jedoch Schluss 1 Stunde früher

Kombi-Ticket groß für Kreuzfahrer Zitadelle, Okashi-Museum, Templer-Tunnel, Museum „Schätze in der Mauer“ und Türkisches Bad: Erwachsene 62 Shekel (14,40 Euro), Schüler, Kinder und Senioren 12 Shekel (11,40 Euro), Gruppen je Besucher 54 Shekel (12,50 Euro)
Kombi-Ticket klein, wie oben jedoch ohne Türkisches Bad: Erwachsene 40 Shekel (9,30 Euro), Schüler, Kinder und Senioren 34 Shekel (7,90 Euro), Gruppen je Besucher 36 Shekel (8,40 Euro)
Sämtliche Preise inkl. Audio-Guide [Stand 2016]

Tuerkisches-Bad-Akko-516x200

 

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