Zizit und Tallit

Tallit Gadol mit Zizit

Juden mit umgehängten Tallit Gadol, die Zizit hängen erkennbar herunter. (© Matthias Hinrichsen)

Den meisten Besuchern Israels sind sie schon aufgefallen: Tallit und Zizit. Es sind der Gebetsumhang und die Schaufäden an den Ecken, was von Juden getragen wird. Spätestens beim Besuch der Klagemauer werden Sie jüdische Männer sehen, die sich einen Tallit umgehängt haben. Das müssen nicht unbedingt Rabbiner sein, sondern wird von religiösen Juden zum Gebet praktiziert. Die Zizit, also die Schaufäden, befinden sich an allen vier Ecken des Tallit. Immer wieder sieht man diese Fäden an den Körperseiten auf Hufthöhe herabhängen, dann handelt es sich um eine besondere Art des Tallit.

Der Ursprung der Kleidung findet sich in der Thora, der jüdischen Bibel, bei Christen das Alte Testament:

Ein Erinnerungszeichen an der Kleidung

Der HERR befahl Mose, den Israeliten zu sagen, sie sollten Quasten* an den vier Zipfeln des Tuches anbringen, das sie als Obergewand* trugen. Diese Vorschrift sollte auch für alle ihre Nachkommen gelten. An jeder Quaste sollte eine violette Kordel sein. »Jedes Mal, wenn ihr die Quasten seht«, sagte der HERR, »sollen sie euch an meine Gebote erinnern. Sie sollen euch mahnen, dass ihr nach meinen Weisungen lebt und euch nicht von euren Gedanken und euren lüsternen Augen zum Ungehorsam verleiten lasst. Dann werdet ihr ein heiliges* Volk sein, ein Volk, das seinem Gott ganz gehört. (4. Mose 15, Verse 37-40)

Quelle: Gute Nachricht Bibel, revidierte Fassung, durchgesehene Ausgabe, © 2000 Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart

 
Rabbiner mit umgehängten Tallit Gadol. (© Matthias Hinrichsen)

Rabbiner mit umgehängten Tallit Gadol. (© Matthias Hinrichsen)

Tallit
Heute sind zwei Arten des Tallit gebräuchlich: der Tallit Gadol und der Tallit Katan. Der Tallit Gadol – übersetzt heißt er Großer Gebetsschal – wird von verheirateten Männern als Gebetsschal zum Morgengebet getragen. Des Weiteren tragen ihn die Vorbeter zum Nachmittags- und Abendgebet. Die Handhabung wird in den unterschiedlichen jüdischen Richtungen teils sehr unterschiedlich umgesetzt.

Jüdische Kinder beim Spielen - zur normalen Kleidung gehört auch der Tallit katan, erkennbar an den heunter hängenden Zizit. (© Matthias Hinrichsen)

Jüdische Kinder beim Spielen – zur normalen Kleidung gehört auch der Tallit katan, erkennbar an den heunter hängenden Zizit. (© Matthias Hinrichsen)

Der Tallit Katan – übersetzt Kleiner Mantel – tragen jüdische religiöse Männer und Jungen unter ihrer Oberbekleidung, wobei dann die Zizit nach außen gelegt werden. Zu einem vollständigen Tallit gehören alle Fäden, die in einem einwandfreien Zustand sein müssen, nur dann ist der Tallit auch koscher und kann angezogen werden.

Die Zazit an den Ecken des Tallit. (© Matthias Hinrichsen)

Die Zazit an den Ecken des Tallit. (© Matthias Hinrichsen)

Zazit
Die Fäden und Knoten der Zazit addieren sich auf 613. Die Zahl ergibt sich nach jüdischer Zählweise aus den numerischen Werten des Wortes Zizit (600) zuzüglich acht Fäden und fünf Knoten was in der Summe 613 ergibt. Die Zahl 613 wiederum steht für 613 Mizwot, das sind 365 Verbote und 248 Gebote im Judentum, die bei religiösen Juden eine sehr hohe Bedeutung haben, zumal sie deren Leben regeln. Die Zehn Gebote sind ein Teil davon. Umso besser ist zu verstehen, warum Juden die Zizit als ihre Uniform bezeichnen, als Ehrenabzeichen, als tägliche Erinnerung für ihr Dasein und ihre Aufgabe. Das Tragen erfüllt sie mit Erfurcht und Stolz und so gehören sie in Israel unter der jüdischen Bevölkerung zum Alltagsbild.

Bei den Juden tragen nur Männer und Jungen die Zizit, und es ist ein Gebot diese den ganzen Tag zu tragen. Sollte dieses nicht getan werden, so sollte derjenige zumindest vor dem Rezitieren des Schma Jisrael Zizit oder einen Tallit angezogen haben. Für gewöhnlich tragen bei orthodoxen Juden die Jungen ab einem Alter von drei Jahren Zizit.

Es ist in dem eingangs genannten Versen von einer violetten Kordel die Rede. Hiermit ist ein blauer „techelet“-Faden gemeint. Die blaue Farbe stammt vom Chilason-Schellfisch, der im Mittelmeer lebt. Juden haben früher diesen Fisch als Speise zubereitet, doch nach der Vertreibung im ersten Jahrhundert, mussten sie auf ihn verzichten. So wurde er auch aus den Zazit entfernt, was sich bis heute gehalten hat, obwohl die Juden ihren Staat wieder am Mittelmeer haben. Doch der Chilason-Schellfisch wurde in heutiger Zeit nicht mehr gefangen, vielmehr wird dessen heutige Existenz bezweifelt.

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