19.09./13:05 Jerusalem am Rhein

Auf den Spuren einer Weltkultur
Film von Dietmar Schulz (Erstsendung: 01.09.2010) ZDF/3sat
Dokumentation / Kultur: Religion, Kirche

Sie gelten als das „Jerusalem am Rhein“. Bei Juden in aller Welt sind sie als Schum-Städte bekannt: Die am Rhein gelegenen Städte Mainz, Worms und Speyer hatten im Mittelalter die wichtigsten Talmudschulen des Abendlands. Sie waren das Zentrum jüdischer Gelehrsamkeit und später ähnlich bedeutsam wie Jerusalem. „Von unseren Lehrern in Mainz, Worms und Speyer ist die Lehre ausgegangen für ganz Israel und darüber hinaus“, lobte ein Jerusalemer Rabbiner damals die Schum-Gelehrten. Ihr Wirken wurde Ende des 11. Jahrhunderts unterbrochen, als der damalige Papst zum ersten Kreuzzug gen Jerusalem aufrief. Mit dem Schlachtruf „Taufe oder Tod“ zogen christliche Fanatiker durchs Rheinland, bevor sie sich auf den Weg ins Heilige Land machten.

Juden in Deutschland hatten maßgebliche Bedeutung für das gesamte Judentum. (Collage: ZDF)

Juden in Deutschland hatten maßgebliche Bedeutung für das gesamte Judentum. (Collage: ZDF)

Viele Juden in den Schum-Städten weigerten sich, zum Christentum überzutreten und gingen in den Freitod, um nicht in die Hände des aufgehetzten Mobs zu fallen. Bis heute prägen die vor 1.000 Jahren von Schum-Gelehrten verfassten Verordnungen, Gebete und Klagelieder das europäische Judentum. Ein Weltkulturerbe, das auf die Anerkennung durch die UNESCO wartet.

Der Film folgt den Spuren der jüdischen Gelehrten im Rheinland. Neue Computer-Technik und intensive Bauforschung ermöglichen es, 3-D-Rekonstruktionen der mittelalterlichen Synagogen von Speyer und Worms entstehen zu lassen. Ein neuartiger Streifenlicht-Scanner hilft beim Enträtseln von kaum noch lesbaren Inschriften auf jahrhundertealten Grabsteinen des jüdischen Friedhofs in Worms. Wenig bekannte Malereien in mittelalterlichen Gebetssammlungen in Mainz und Worms vermitteln überraschende Einblicke ins Alltagsleben der damaligen jüdischen Gemeinden im Rheinland.