LRT Tel Aviv

Die Straßenbahn in Jerusalem ist fertig und verkehrt so einigermaßen regelmäßig. Jetzt wollen die Verantwortlichen der zweitgrößten Stadt Israels, Tel Aviv, endlich im praktischen Sinne nacheifern – 15 Jahre nach der Grundsteinlegung. Das Projekt „Light Rail Train Tel Aviv“ erlebte seine ersten Bauarbeiten im November 2011 und das gleich an drei verschiedenen Stellen! 2,5 Milliarden Schekel (500 Millionen Euro) wird das Mega-Projekt nach heutigen Planungen verschlingen.

Nach Jahrzehnten der Auseinandersetzungen und Fehlschlägen in der Umsetzung, graben sich nun die Bagger in die Erde Tel Avivs und sollen erst 2017, wenn das erste Teilstück des Straßenbahnnetzes fertiggestellt ist, wieder vorerst schweigen. Den letzten Anlauf zur Umsetzung der Baupläne erlebten die Israelis 2006, als das internationale Konsortium Metro Transportation Solutions (MTS) den Zuschlag erhielt, im Jahr 2010 das Projekt aber wieder auf Eis gelegt wurde, weil sich Finanzierungsprobleme auftaten. Im gleichen Jahr hatte sich noch die deutsche Bundesregierung um eine Finanzierung der Gesamtkosten von 1,7 Milliarden Euro bemüht, weil die deutsche KfW-Bankengruppe eine der führenden ausländischen Banken im Finanzierungskonsortium gewesen war.

In der jetzigen Plänen soll die Rote Linie mit einer Länge von 23 Kilometer komplett gebaut werden. Sie reicht von Petah Tikya, einem nördlichen Vorort von Tel Aviv, durch die Innenstadt bis nach Bat Yam am südlichen Ende der Großstadt, in deren Umkreis insgesamt 3,3 Millionen Menschen leben. Zehn der 22 Haltestationen liegen dann unter der Erdoberfläche, weil der überwiegende Teil der Strecke in 25 Meter Tiefe verschwindet.

Weicher Boden und andere geologisch bedingte Probleme werden die Ingenieuren vor eine Vielzahl von Herausfoderungen stellen, die in den geplanten Zeitfenster umgesetzt werden müssen. Das gesamte Straßenbahnnetz, und da sprechen wir von einem ganz weit entfernten Zukunftsszenario, soll eine Länge von 100 Kilometern umfassen bei sieben verschiedenen Trassen, die dann mit den Buslinien kombiniert werden.

Was aber die wenigsten wissen, eine unterirdische Straßenbahn-Station besteht schon seit Jahren. In weiser Voraussicht auf den Bau eines kombinierten U- und Straßenbahnnetzes wurde diese bei Bau des „Shalom Meir Tower“ bereits angelegt und fristete ein relativ unbekanntes Dasein. Nun wird die Station bald aus ihrem Dornröschen-Schlaf erweckt und in ihrer eigentlichen Bestimmung näher gebracht.