Himmelfahrtkirche

Himmelfahrtkirche in Jerusalem: Außenansicht. (© Matthias Hinrichsen)

Himmelfahrtkirche in Jerusalem: Außenansicht. (© Matthias Hinrichsen)

Die Himmelfahrtkirche in Jerusalem ist eine von drei deutschen Kirchen in der Heiligen Stadt. Sie liegt im östlichen Teil auf dem Bergrücken des Ölbergs, westlich fällt der Hang zum Kidrontal ab, dahinter der Tempelberg, östlich davon führt eine Hauptverkehrsstraße durch die Judäischen Berge zum Toten Meer und nach Galiläa. Blickt man von der Jerusalemer Altstadt gen Osten, hebt sich der Kirchturm der Himmelfahrtkirche an der Silhouette markant ab. Die wahre Pracht entfaltet der Sakralbau im Inneren. Eine imposante Architektur, farbenprächtige Deckenmalereien und ein fantastischer Ausblick vom Glockenturm sind einen Besuch auf jeden Fall wert. Im angeschlossenen Café, das von Freiwilligen betrieben wird, werden Besucher mit angenehm niedrigen Preisen verköstigt.

Himmelfahrtkirche in Jerusalem: Blick auf den Altarraum. (© Matthias Hinrichsen)

Himmelfahrtkirche in Jerusalem: Blick auf den Altar und die Apsis. (© Matthias Hinrichsen)

Himmelfahrtkirche – Innengestaltung

Wer den Kirchenraum betritt, wird beeindruckt sein von der kontrastreichen Ausgestaltung mit großflächigen Deckenmalereien sowie kunstvollen Mosaiken an den Wänden. Den besten Blick hat man als Besucher von der Empore aus, im Rücken die Orgel. Dort lässt sich die ganze Fülle des Kirchenraums erfassen und genießen.

Die Mosaiken in der Himmelfahrtkirche sind den Künstlern Schaper und Pfannschmidt entworfen, die ausführende Werkstatt war Puhl und Wagner in Berlin. Die Deckenmalereien sind von Otto Vittali d. J. entworfen.

Himmelfahrtkirche in Jerusalem: Zwei imposante Glocken dominieren im Glockenturm (© Matthias Hinrichsen)

Himmelfahrtkirche in Jerusalem: Zwei imposante Glocken dominieren im Glockenturm (© Matthias Hinrichsen)

Himmelfahrtkirche – Entstehung

Erbaut wurde die Himmelfahrtkirche im Zusammenhang mit der 1899 gegründeten Kaiserin-Auguste-Viktoria-Stiftung, nachdem der deutsche Kaiser Wilhelm II. mit seiner Frau Auguste Viktoria Jerusalem besuchte. Die evangelischen Gemeinden deutscher Sprache im damaligen Palästina baten ihn um die Errichtung eines Erholungsheims vorwiegend für Malaria-Kranke und ein Hospiz für christliche Pilger. Dieser Bitte stimmte der Kaiser zu und nutzte gleich die Gelegenheit, um als Namen den seiner Gattin zu wählen.

Altar in der Himmelfahrtkirche. (© Matthias Hinrichsen)

Altar in der Himmelfahrtkirche. (© Matthias Hinrichsen)

Himmelfahrtkirche – 1907-1939

1907 wurde der Grundstein für die Kirche und das Hospiz gleich daneben gelegt, drei Jahre später beides eingeweiht obwohl die Bauten erst 1914 endgültig beendet werden konnten. In diesem Jahr begann der erste Weltkrieg und das Areal vom deutsch-türkischen Generalstab als Hauptquartier benutzt. Da die Briten auf dem Vormarsch waren und auch Jerusalem eroberten, vereinnahmten sie alle Gebäude und nutzen diese zehn Jahre als Regierungssitz für den britische High-Commissioner, um das Mandatsgebiet Palästina zu verwalten. 1927 bebte die Erde in Jericho unweit von Jerusalem, wodurch viele Gebäude beschädigt wurden. Im Zuge von Sicherheitsmaßnahmen wurde der Turm um zehn Meter in der Höhe reduziert. Doch schon mit dem zweiten Weltkrieg, werden die Gebäude erneut von den Briten beschlagnahmt, aber dieses Mal als Lazarett für verletzte britische Soldaten genutzt.

Himmelfahrtkirche in Jerusalem: Die Himmelfahrt Jesu als Mosaik im Altarraum. (© Matthias Hinrichsen)

Himmelfahrtkirche in Jerusalem: Die Himmelfahrt Jesu als Mosaik in der Apsis. (© Matthias Hinrichsen)

Himmelfahrtkirche – 1948-heute

Nach den Grauen des zweiten Weltkriegs, wird der Ort endlich wieder friedlich genutzt. 1948 endet die britische Mandatszeit, der Staat Israel wird auf Grundlage eines UN-Beschlusses gegründet, und die Briten übergeben alles im Land an die zukünftigen Bewohner oder Benutzer. So werden sämtliche Gebäude dem Lutherischen Weltbund treuhänderisch übertragen, was einer Rückkehr zu seiner eigentlich Bestimmung gleich kommt. Erst 1988 ist es leistbar, die Erdbebenschäden von 1927 an der Kirche zu beheben und sie komplett zu renovieren. Daraus entsteht eine kontrastreiche und beeindruckende Ausgestaltung im Inneren, die mit Szenen aus Jesu Leben bereichert ist. 2010, 100 Jahre nach der Einweihung, wird im Seitenschiff der Kirche der Altar der ehemaligen Kapelle des Syrischen Waisenhauses aufgebaut.

Das zentrale Deckengemälde im Kirchenraum ist

Das zentrale Deckengemälde im Kirchenraum „Christus Pantokrator“ stellt den auferstandenen Jesus als Weltenherrscher dar. In seiner linken Hand trägt er das Alpha und das Omega – Symbole Gottes -, rings um ihn versammeln sich die vier Evangelisten in Symbolform, die Erzengel und die 12 Apostel. (© Matthias Hinrichsen)

Himmelfahrtkirche – Der Turm

Über 50 Meter ragt der Turm der Himmelfahrtkirche in den Himmel. Es ist der höchste Aussichtspunkt Jerusalems, der montags bis samstags jeweils von 8 bis 13 Uhr erklommen werden kann. Der Rundumblick reicht von der Alt- und Neustadt Jerusalems über die Judäische Wüste bis zum Toten Meer, bei guter Sicht gar bis nach Amman in Jordanien.

Der Ausblick vom Turm der Himmelfahrtkirche. (© Matthias Hinrichsen)

Der Ausblick vom Turm der Himmelfahrtkirche. (© Matthias Hinrichsen)

Noch ein Wort zum Abschluss: Während in den zahlreichen katholischen und orthodoxen Kirchen, insbesondere der Grabeskirche, ein recht rauher Ton herrscht, insbesondere auch von mürrischen Priestern, ist der Aufenthalt in der Himmelfahrtkirche von außergewöhnlich angenehmer Atmosphäre und Freundlichkeit geprägt. Hier hetzt niemand, auch wenn das Ende der Besuchszeit schon überschritten ist. Dieses ist eine der wahren Oasen Jerusalems, in denen man von einer völligen Ruhe eingebettet ist.

Besucherinformationen

Himmelfahrtkirche

Ölberg, Jerusalem
Öffnungszeiten: Montag-Samstag 8.00-13.00 Uhr (letzter Einlass 12.30 Uhr), Sonntag geschlossen
Eintritt für Kirche und Turm: 5 Shekel (1,20 Euro)

Kontakt Himmelfahrtkirche
Evangelisches Pilger- und Begegnungszentrum der Kaiserin Auguste Victoria-Stiftung
P.O.B. 14076, Auguste Victoria-Compound, 91140 Jerusalem
Telefon +972-(0)2-628 77 04, Fax +972-(0)2-627 3148
E-Mail: gabriele.zander@avzentrum.de (Pfarrerin Gabriele Zander)

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